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Sängerin und Schauspielerin Yvonne Catterfeld im Interview über Herausforderungen, ihre Musik und Rollen

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Von: Sabina Kläsener

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Sängerin und Schauspielerin Yvonne Catterfeld im Interview über ihr neuestes Album „Change“, ihr erstes komplett englischsprachiges.
Sängerin und Schauspielerin Yvonne Catterfeld im Interview über ihr neuestes Album „Change“, ihr erstes komplett englischsprachiges. © dpa/Britta Pedersen

Mit ihrem ersten englischsprachigen Album kommt die 42-Jährige nach München. Der Weg zur Platte war nicht leicht – weil die Inspiration ausblieb und sie auf Widerstände stieß. Im Interview verrät die Sängerin und Schauspielerin, warum ihr Coaching wie bei „The Voice of Germany“ so liegt und welche Rollen sie gerne spielt.

Frau Catterfeld, was inspiriert Sie?

Das Leben. Zum Leidwesen des Managements brauche ich sehr lange, um ein Album zu schreiben. Ich brauche auch Ruhepausen. Es ist eine recht große Kraftanstrengung, Songs zu schreiben.

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Wenn der Prozess so lange dauert, können Sie danach gut loslassen?

Ja. Ich kann die Songs dann auch nicht mehr hören. Denn ich höre sie vorher so oft, zum Beispiel auf der Fahrt nach München, wo wir Demos aufgenommen haben. Da ist man voller Euphorie und muss aufpassen, nicht zu sehr aufs Gaspedal zu drücken. Das fühlt sich an wie frisch verliebt sein.

Auf dem Album ist also auch ein bisschen München-Sound.

(lacht) Ich weiß gar nicht, wie München klingt. Ich mag die Stadt sehr gerne, kenne sie aber sehr wenig. Wir haben im Glockenbachviertel geschrieben, das war im ersten Corona-Sommer. Abends bin ich dann noch allein an der Isar entlanggelaufen. Ich habe mich in die Stadt neu verliebt. Die Stimmung war so gut und lebendig. Dadurch hat das Album so einen tollen Vibe bekommen.

Es ist das erste komplett englischsprachige Album. Eine bewusste Entscheidung?

Das wollte ich seit 20 Jahren machen. Deutsch schreiben macht auch Spaß. Dennoch war ich oft frustriert, weil es ewig dauert, gute Texte zu finden. Englisch kommt mehr aus meinem Bauch heraus, ist meine Muttersprache beim Singen. Ich habe immer wieder gesagt, dass ich das möchte, bin aber auf Widerstand gestoßen. Vier Jahre nach dem letzten Album meinte mein Manager: ‚Du musst schreiben.‘ Ich hatte schon ein halbes Album auf Deutsch, habe mich aber nicht mehr an die Songs erinnert – kein gutes Zeichen.

Und dann?

Dann bin ich meine englischen Notizen durchgegangen und hatte eigentlich schon alles vorbereitet. Da es niemand mit mir machen wollte, habe ich einfach angefangen mit der Unterstützung meines Managements.

Aber warum diese Widerstände? Ist die deutsche Musikszene so: Bleib lieber bei dem, was die Leute von dir kennen?

Ja, das ist eh was Typisches in Deutschland. Dieses Zuordnen wollen, Schubladendenken. Wenn man nach Amerika oder England schaut, sind die Künstler experimentierfreudiger. Man fühlt sich irgendwann wie im Käfig. Und unsere Künstlerseelen wollen explodieren, expandieren.

Sie sind Schauspielerin und Sängerin. Wurden Sie zu Beginn unterschätzt, in der einen wie der anderen Profession?

Das war von Anfang an ein Thema. Ich hatte gerade angefangen Musik zu studieren, war stolz darauf. Damals habe ich die Anfrage für GZSZ bekommen, wollte das eigentlich gar nicht machen. Doch genau das ist aber passiert. Der Blick auf das, was ich professionell gemacht habe, nämlich die Musik, ist runtergewaschen worden. Das war schwierig. Bei mir hat man es irgendwann akzeptiert. Das war ein langer Prozess und irgendwie fühle ich mich auch jetzt erst so richtig frei.

Sie coachen auch, zum Beispiel bei „The Voice of Germany“. Was reizt Sie daran?

Das weiterzugeben, was ich gelernt habe. Ich habe immer Coaching gehabt, nehme es bis heute. Auch weil ich kein Schauspielstudium gemacht habe. Ich stehe gar nicht so gerne im Vordergrund. Und so gibt es jemand anderen, auf dem der Fokus liegt. Ich liebe es, das Potenzial zu sehen und zu fördern. Es war schön, von den Kandidaten das Feedback zu bekommen, dass sie inspiriert waren.

Sie investieren, bekommen aber auch etwas zurück.

Das hat mich erfüllt – und darum geht es, an sein Potenzial zu kommen. Das hat mich irgendwann gefressen: Ich bin zwar erfolgreich, aber das zeigt nicht, was ich kann. Jeder braucht etwas, worin er besonders ist. Als Kind habe ich mich als sehr unscheinbar wahrgenommen. Dann habe ich gemerkt: Wenn ich singe, werde ich besonders. Es hat etwas gedauert, bis ich herausgefunden habe, dass meine Persönlichkeit auch etwas Besonderes ist.

Sie wollen als Künstlerin wachsen – was würde Sie denn noch reizen, musikalisch wie schauspielerisch?

Ich versuche immer eine Balance zwischen Leben und Beruf zu schaffen. Das nimmt mir vielleicht den Ehrgeiz, den andere haben. Das ganze Alltägliche, das Leben mit meinem Sohn, erfüllt mich ebenfalls, nimmt aber auch viel Raum ein. Und das hat zur Folge, dass ich vieles, was ich reizvoll finde, auch ablehnen muss. Rollenmäßig bin ich gerade sehr glücklich als Kommissarin in „Wolfsland“. Ich mag es, so kühle vielschichtige Rollen zu spielen. Einmal habe ich eine Spionin gespielt, das war meine Traumrolle. Je brüchiger und zwielichtiger die Rolle, desto besser (lacht).

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Zur Person

Mit 15 begann Yvonne Catterfeld, geboren am 2. Dezember 1979 in Erfurt, mit Klavier-, Gitarren, Gesangs- und Tanzunterricht. Nach dem Abitur studierte sie in Leipzig Jazz- und Popularmusik. Ab 2001 spielte sie die Rolle der „Julia Blum“ bei der Soap „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ (GZSZ). Zwei Jahre später schaffte sie mit dem Song „Für dich“, produziert von Dieter Bohlen, den musikalischen Durchbruch.

Nach diversen Film- und Fernsehrollen ist sie seit 2016 als Kommissarin in der Krimireihe „Wolfsland“ zu sehen. Bei „The Voice of Germany“ nahm sie gleich mehrmals auf dem Coach-Sessel Platz, zuletzt 2020. Ende 2021 erschien ihr neuestes Album „Change“.

Catterfeld und der Schauspieler Oliver Wnuk, mit dem sie seit 2014 einen Sohn hat, gaben im Dezember vergangenen Jahres ihre Trennung bekannt. Seit Jahren lebt sie in Berlin, blickt aber sehnsüchtig auf das Konzert an der Isar: „Ich freue mich auf München – auch, weil die Berge so nah sind. Für mich ist der Süden Deutschlands am schönsten.“

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