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Interview: Flo Weber über das neue Album der Sportfreunde Stiller und sein neues Buch über einen Ertrinkenden

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Von: Sebastian Obermeir

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Nach fünf Jahren Pause arbeiten die Sportfreunde Stiller an neuen Songs.
Nach fünf Jahren Pause arbeiten die Sportfreunde Stiller an neuen Songs. © MIRCO TALIERCIO

Musik über Fußball, Kicken über den Dächern der Stadt, ein Münchner-Roman über die USA und zurück. Das Karussell im Kopf des „Sportfreunde Stiller“-Schlagzeugers dreht sich unermüdlich. Angetrieben wird es von der Lust auf Skurriles und Unerwartetes – wie sein neues Buch und das Album, an dem die Band arbeitet, beweisen.

Ein Archivar treibt ohne jegliche Erinnerung im Ozean. Wie kamen Sie auf die Idee, diese Situation zur Ausgangslage in Ihrem neuen Roman zu machen, Herr Weber?

Ich hatte jahrelang panische Flugangst. Auf einem dieser Flüge guck ich aus dem Fenster und sag: „Rüdiger, (Linhof, Bassist der Sportfreunde Stiller, Anm. d. Redaktion), da schwimmt einer im Meer!“ Er meinte bloß, du Depp würdest nicht einmal ein Schiff erkennen. Ich war aber felsenfest überzeugt, dass dort jemand treibt, dem man helfen muss. Der Gedanke, wie das wohl wäre, führte zur Anfangsszene. Da fehlte aber noch was.

Hallo verlost fünf Exemplare des Romans „Die wundersame Ästhetik der Schonhaltung beim Ertrinken“.

Ein Lama und ein Clown.

Genau. Ich liebe so Skurrilitäten, die sich dann logisch auflösen.

Wie wollen wir hier nicht verraten. Aber: Die Reise führt von München aus in die USA.

Eine allzu große Rolle spielt die Stadt aber nicht. Es ist ja kein Heimatroman, sondern einer über die Ferne. Der Protagonist ist nicht reisefreudig. Er steckt in seinem Kokon und kommt nicht aus seiner Schonhaltung raus. Bis er eben die Reise nach Amerika erbt.

Warum genau dorthin?

Das Land gibt themenmäßig einiges her. Ich bin nicht unbedingt Fan. Aber ich wollte gern darüber schreiben. Und: Der Protagonist musste in einem Meer schwimmen, wo es recht warm ist. Zwischen Kroatien und Italien fahren zu viele Schiffe (lacht).

Während die Sportfreunde Stiller zuletzt pausierten, haben Sie den Roman geschrieben, Radio moderiert, Hip-Hop gemacht, Bilder gemalt. Sind Sie ein Tausendsassa oder ein Getriebener?

In meinem Kopf dreht sich immer ein Karussell. Mein Tennis-Trainer meinte mal: „Mei Flo, du kannst alles, aber nix gescheit.“ Einen Zehnjährigen trifft das hart. Aber im Grunde hatte er schon recht. Doch ich probiere lieber alles aus, als nur dieses eine Ding kennenzulernen, das ich perfekt kann. Ich bin also ein Tausendprobierer.

Ein Musikvideo zu ihrem Hip-Hop-Projekt „MS Flinte“ haben Sie auf dem Dach des Bellevue di Monaco gedreht. Haben Sie dort auch schon mal Fußball gespielt?

Ja. Da ist es zwar schon recht eng, aber allein die Aussicht und die Vorstellung, nach einem Sprint zu stolpern und in das Gitter reinzufallen, sich zu fragen, ob das hält – einfach geil. Meine alten Knochen schaffen es übrigens, einmal die Woche zu kicken. Dann brauchen sie eine Woche Erholung. Aber ohne diesen Fußball am Dienstagabend bin ich ungehalten und richtig sauer. Es gab Tourneen, da hab ich mir überlegt, wenn wir Dienstag kein Konzert hatten, ob ich in den Flieger steig, heimflieg, Fußball spiele und dann wieder mit der Tour weiter mache.

Fußball und die Sportfreunde – untrennbar verbunden.

Auf dem neuen Album ist zwar kein Fußball-Lied drauf, aber es gibt ein Lied, das nach einem Fußballer benannt ist, rein thematisch aber um etwas Tieferes geht. Sport wird auch eine große Rolle im ersten Video spielen. Es wird „Alright“ heißen. Da sind ein paar schräge Sportarten zu sehen. Lumberjack zum Beispiel!

Wie kam es dazu, dass die Sportis nach fünf Jahren Pause jetzt doch wieder ein Album machen?

Derjenige, der es sich lang nicht vorstellen konnte, hatte die Idee, einfach mal zu proben. Da haben wir das Feeling wie vor 25 Jahren wiederentdeckt.

Kamen die Ideen dann leicht?

Als wir entschlossen haben, dass wir weitermachen, war es leicht. Aber den Moment zu finden, war schwer. Tatsächlich. Das Album ist, glaube ich, nicht so das ganz typische Sportfreunde-Ding. Wir dachten: Man kann durchaus mal was riskieren. Ich will nicht zu viel verraten, aber manche Songs klingen so, dass man sich denkt: Hoppala! Dass die jetzt so etwas machen wollen? Ich bin sehr überzeugt gerade. Aber es könnte schon sein, dass ich in einem Jahr denke: Um Gottes Willen, was hat uns da geritten!

Letzte Frage, die sich auch der Protagonist im Roman immer wieder stellt: Ist das Glas halb voll oder halb leer?

Austrinken!

Hallo verlost fünf Exemplare des Romans „Die wundersame Ästhetik der Schonhaltung beim Ertrinken“.

Zur Person

2022 braucht die Germeringer Indie-Rock-Band „Sportfreunde Stiller“ wohl keine Vorstellung mehr – auch nach fünf Jahren Pause nicht. Währenddessen war Drummer Florian Weber aber alles andere als untätig: Mit dem Noise-Rock-Duo „Taskete!“ hat der Schwabinger unzählige Konzerte gespielt, 2020 gründete er mit seinem Bruder das Hip-Hop-Projekt „MS Flinte“, während der Pandemie hat er seinen Töchtern durchs Homeschooling geholfen und mit „Die wundersame Ästhetik der Schonhaltung beim Ertrinken“ erscheint nun sein schon dritter Roman.

Kein Wunder, dass der 47-Jährige sagt: „Ich komme selten zur Ruhe, ohne über Texte und Melodien nachzudenken.“ Vielleicht feiern die Sportfreunde auch deshalb im Sommer ihr Bühnencomeback. Doch zuvor geht es für Weber erstmals allein auf Tour: „Auf einer längeren Lesereise war ich noch nie. Da bin ich echt gespannt.“

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