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Neustart bei der Münchner SPD? ‒ Parteichef Christian Köning im Hallo-Interview

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Von: Sebastian Obermeir

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Christian Köning (33) hat sich in der Wahl zum Parteichef der Münchner SPD durchgesetzt.
Christian Köning (33) hat sich in der Wahl zum Parteichef der Münchner SPD durchgesetzt. © SPD München

Christian Köning hat die Wahl zum Parteichef der Münchner SPD gewonnen. Wie der 33-Jährige die Münchner erreichen möchte und wie seine Kommunalpolitik auch bundesweite Herausforderungen annehmen will, erklärt der Stadtrat und neue Parteivorsitzende im Interview.

Herr Köning, welchen Rat hat Ihnen Ihre Vorgängerin, Claudia Tausend, mit auf den Weg gegeben?

Sie hat nicht nur mir, sondern dem gesamten Parteitag den Rat mitgegeben, dass sich die SPD immer wieder neu erfinden muss, um auf der Höhe der Zeit zu bleiben.

Wie möchten Sie das schaffen?

Es muss rüberkommen, dass wir nah an den Menschen dran sind. Wir wollen eine starke Stadt, die alle Bürger vor Ungerechtigkeit schützt. Und was besonders wichtig und auch ein Alleinstellungsmerkmal für die Münchner SPD ist, ist, dass wir eine starke Verankerung in den Stadtvierteln haben. Wir haben sehr gute Leute, die in den Bezirksausschussfraktionen und den Ortsvereinen, die sich vor Ort auskennen und präsent sind und wir werden dafür sorgen müssen, dass das so bleibt. Bei uns ist niemand abgehoben oder weit weg von den Münchnern. Wir möchten die Zusammenarbeit mit den BAs und den BA-Fraktionen stärken und auch das Parteileben, wo es aufgrund der Pandemie vielleicht schwierig gewesen ist, wieder stärken.

Nehmen die BAs dann auch mehr Einfluss auf die Stadtpolitik?

Ja, dafür sind wir offen. Wir können hier die Demokratie auf Vordermann bringen und die Menschen zum Mitmachen bewegen. Also müssen wir uns fragen, wie wir die BAs stärken und wie wir ihnen mehr Entscheidungskompetenzen einräumen können.

Wie wollen Sie die Münchner erreichen?

Ich habe stark den Ansatz, direkt zu den Leuten zu gehen. An der Haustür klingeln, aber auch bei Bürgerfesten und auf der Straße mit den Leuten zu reden und zu fragen: Was erwarten Sie von der SPD?

Was denken Sie antworten die Menschen dann?

Es kommt darauf an, wo man hingeht und wer etwa die Tür öffnet. Mobilität zum Beispiel ist ein Thema, das bei den Menschen unterschiedliche Anliegen aufwirft. Die Menschen auf der Schwanthalerhöhe haben da auch andere Vorstellungen als diejenigen in Aubing, die auf die S-Bahn oder auch das Auto angewiesen sind. Gerade bei Familien werden oft Kita-Plätze thematisiert. Senioren brauchen das ASZ in ihrer Nähe oder mehr Barrierefreiheit, andere fragen sich, wie die Rentenpolitik besser werden kann. Und sehr oft wird bezahlbares Wohnen und der Münchner Mieten-Irrsinn thematisiert. Das ist eines der drängendsten Probleme in unserer Stadt.

Das Sie wie lösen würden?

Einerseits den kommunalen und genossenschaftlichen Wohnungsbau nochmals stärken. Aber gerne auch mit Privaten zusammenarbeiten. Die neue Sobon bietet dafür sehr gute Möglichkeiten im Interesse der Allgemeinheit. Zweitens ist es wichtig, Mieter- und Milieuschutz zu betreiben. Das bedeutet für uns, dafür zu sorgen, dass Mieten angemessen bleiben und alle Stadtviertel vor Gentrifizierung geschützt sind. Ganz wichtig ist dafür auch das Vorkaufsrecht.

Oft kommt die Kommunalpolitik jedoch hier an ihre Grenzen und der Gesetzgeber ist gefragt.

Das ist einer der Punkte, die bei der SPD unter meiner Leitung nochmal forciert werden. Wir wollen zu allen für die Stadtgesellschaft relevanten Themen in der Öffentlichkeit eine Position beziehen. Wir haben starke Bundestags- und Landtagsabgeordnete und können als Münchner SPD da konzertiert Kampagnen starten, für besseren Mieterschutz zum Beispiel. Wir müssen auch sehen, dass das, was Airbnb macht, eine globale Entwicklung ist. Wir können von München aus ein Signal aussenden, dass wir diese Zweckentfremdung von Wohnraum nicht einfach zulassen.

2026 steht die Wahl des nächsten Oberbürgermeisters an. Hat die Suche nach einem Kandidaten schon begonnen?

Innerhalb der Partei wird darüber schon viel nachgedacht und spekuliert. Als Unterbezirksvorsitzender wird es meine Aufgabe, diesen Prozess zu moderieren. Wir haben uns auf kein Jahr festgelegt, aber 2023 oder 24 wird es notwendig sein, dass ein Parteitag dazu eine Entscheidung trifft. Ich bin zuversichtlich, dass die Münchner SPD eine sehr geeignete Person aufstellt. Wir haben Personen, die bereits an der Stadtspitze wirken, wir haben Referenten, Landtagsabgeordnete, ich kann mir da sehr viel vorstellen.

Wie gehen Sie damit um, Parteichef und Stadtrat gleichzeitig zu sein?

Die Politik wird im Rathaus gemacht, an der arbeite ich gerne als Stadtrat mit. Und die Partei hat das Privileg, Visionen zu und damit auch Grundlagen und Ziele für die Politik im Rathaus zu entwickeln. Laute Kritik aus dem Oberanger an der Politik der SPD im Münchner Rathaus wird uns nicht weiterhelfen.

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