Hallo-Interview

„Meine Zeit in München - besonders und einschneidend“ ‒ Sky du Mont im Gespräch mit Hallo München

Besonderer Geburtstag? Sky du Mont, der im Mai 75 wird, kann den Wirbel darum nicht verstehen.
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Besonderer Geburtstag? Sky du Mont, der im Mai 75 wird, kann den Wirbel darum nicht verstehen.
  • Sabina Kläsener
    VonSabina Kläsener
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Die Karriere des 74-Jährigen spielt zwischen Bond und Bully. Nun ist er der Erzähler bei der „Rocky Horror Show“ im Deutschen Theater. Welche Bedeutung München für ihn heute hat, über seine Sehnsucht nach einer Familie und einem Zuhause und wie er aus einem unliebsamen Klischee ausbrechen konnte, erzählt er hier.

Herr du Mont, Sie sind jetzt als Sprecher der „Rocky Horror Show“ zu sehen. Der Film kam 1975 ins Kino. Sind Sie ein Fan?

Ich habe mir diesen Film angeschaut und fand ihn... schräg. Die Musik ist aber großartig. Ich habe als Erzähler ja Pausen, dann bleibe ich hinter der Bühne sitzen, weil die Musik einfach sensationell ist und ich glaube auch, dass das der Erfolg dieser Show ist. Letztendlich sind Männer mit Strapsen heute nicht mehr der Skandal.

Gewinnen Sie Karten für die Premiere der „Rocky Horror Show“ im Deutschen Theater.

Das stimmt.

Aber die Musik ist so gut, weil sie romantisch, peppig ist, sie ist Rock’n’Roll, da geht etwas ab auf der Bühne. Es ist ein Happening. Es gibt sonst keine Theaterstücke, wo das Publikum mitmacht. Vor allem bei mir nicht (lacht). Das hat mich fasziniert.

Haben Sie den Film auch schon mal im „Museum Lichtspiele“ gesehen?

Ja, natürlich. Ich hab mir angewöhnt, wenn wir in München sind, dass ich das Team in das Kino einlade. Dass das Publikum dazwischenruft, gehört zum Mitmach-Charakter. Die Engländer steigern sich da aber rein und lassen Kommentare los. So irrsinnig komisch, das ist halt der englische Humor. Die Deutschen rufen – wie im Original – immer „Boring“. Da habe ich mir angewöhnt, dass ich als Erzähler teilweise Contra gebe.

Zum Beispiel?

Eine Frau hat gerufen: „Ach Sky, lass doch mal, geh doch nach Hause.“ Da habe ich gesagt: „Das ist ja geil. Gehen wir zu dir oder zu mir?“ Ich habe immer reagiert, das kam gut an.

Was sind Ihre Pläne für die Woche in München?

Mein Tag in München ist natürlich zugetaktet, weil ich so viele Freunde – wie zum Beispiel Bully – dort habe.

Haben Sie das „Schuh des Manitu“-Musical gesehen?

Leider noch nicht. Der Film war ja unglaublich erfolgreich, zu recht. Aber es ist auch ein Glücksfall. Wenn man einen Erfolg hat von vor 20 Jahren, dann kennen den nach 20 Jahren nur noch die Leute, die inzwischen im Rentneralter sind. Aber der Film wird halt jedes Jahr zwei Mal wiederholt.

Wenn man Ihre Vita liest, denkt man, Sie seien damals in München gestrandet. Was bedeutet Ihnen die Stadt heute?

Meine Mutter war nach München gezogen und ich dort auf der Grundschule. Dann war ich in der Schweiz im Internat, habe dort das Abitur gemacht. Jahre später bin ich wieder nach München gekommen. Das war eine ganz besondere Zeit, eine sehr einschneidende: meine erste Freundin, meine Schauspielprüfung, ich habe Theater gespielt, lange am Residenztheater. Deswegen ist mir München sehr nah.

Im Mai werden Sie 75, sind bis Oktober verplant. Keine Gedanken an den Ruhestand?

Nein. Das ist ja der große Vorteil meines Berufes, dass wir den machen können, bis wir von der Bühne fallen. Ich werde es nicht so lange treiben wie Herr Heesters, aber das macht ja Spaß. Ich habe das große Privileg, dass ich das machen kann, was ich möchte. Zum Beispiel bei „Rocky“: Normalerweise müsste ich die ganze Zeit spielen. Jetzt teile ich mir die Erzählerrolle mit zwei anderen – und es wird akzeptiert.

In einem Interview haben Sie erklärt, dass der Start in den Beruf nicht leicht war. Also eine hart erarbeitete Freiheit.

Der Anfang war sehr hart, weil ich in ein Klischee gerutscht bin. Ich habe 18 Derricks gemacht, spielte immer den Mörder oder den Fiesling. Und ich war so ein Typ, der bei den Leuten nicht gut ankam, um es diskret zu sagen. Man hat sich immer lustig gemacht über meine Frisur, ich wäre blasiert, weil ich gekämmte Haare habe. Irgendwann habe ich mich entschlossen nur noch Theater zu spielen, habe alle bösen Rollen abgesagt.

Sie haben mal gesagt, dass Sie bei jeder Ehe und jeder Trennung wissen, warum es dazu gekommen ist. Ein versöhnlicher Blick zurück?

Das ist ein Thema über das ich in der Regel nicht spreche. Ich bin natürlich nicht stolz auf vier Ehen, aber ich schäme mich dessen auch nicht. Denn ich habe mich nie im Streit getrennt, es immer ohne große Dramen gemacht. Bei anderen Leuten passieren bei einer Scheidung schlimmere Sachen als bei meinen vieren zusammen. Ich habe mich nach einer Familie und einem Zuhause gesehnt. Dazu muss man nicht heiraten, würde ein Argument lauten. Aber für mich war das damals so. Mirja hat sich von mir nach 17 Jahren getrennt und es gab nicht ein böses Wort. Ich finde das normal, wenn man ein Leben geteilt hat. Leicht ist das nicht: Ich habe 21 Kilo abgenommen. Aber das ist kein Grund, Dreck auszugraben.

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Zur Person

Als Cayetano Neven du Mont am 20. Mai 1947 in Argentinien geboren, geht der Spitzname „Sky“ auf seinen Bruder zurück. Die Eltern ließen sich früh scheiden, die Mutter zog zurück nach Europa. Nach dem Besuch der Schauspielschule in München übernahm du Mont ab 1971 erste Rollen, wirkte bei Produktionen wie „Das Boot“ und „Otto – der Film“ mit. Wiederholt war er beispielsweise in „Derrick“ in Gastrollen zu sehen. International spielte er an der Seite von Größen wie Gregory Peck, William Holden und Anthony Quinn. Mit Anfang 20 war er für die Rolle des James Bond im Gespräch, George Lazenby spielte letztendlich den Geheimagenten. In „Eyes Wide Shut“ war er neben Tom Cruise und Nicole Kidman zu sehen. Der Kriegsfilm „War and Remembrance“ (1988) mit du Mont als Stauffenberg, in Deutschland wenig beachtet, erhielt einen Golden Globe. Eng verbunden ist er mit den Filmen von Michael „Bully“ Herbig.

Du Mont engagiert sich zudem sozial und schreibt Bücher. Er war vier Mal verheiratet, hat drei Kinder und lebt in Hamburg.

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