Constanze Lindner im Gespräch mit Hallo München

Constanze Lindner: „Ich bin die Mutter aller Fettnäpfchen“

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Im Hallo-Interview spricht Constanze Lindner über Fankultur und ihr Verhältnis zu Fettnäpchen.

Eine Miss versteht die Welt: „Meine Energie reicht für drei Leben“, erklärt Constanze Lindner – Kein Wunder, dass sich die Power-Frau in mehreren beruflichen Tätigkeitsfeldern beweist und zuhause fühlt

Moderatorin, Schauspielerin, Kabarettistin: Die Münchnerin ist in mehr als einem Fach zuhause. Nun ist sie mit ihrem Kabarett-Programm als „Miss Verständnis“ in neuer Mission unterwegs. Warum wir uns oft missverstehen, mit welchem Trick sie ihr Lampenfieber im Griff behält und wie sie sich Inseln im Alltag schafft, erklärt sie hier. von SABINA KLÄSENER

Frau Lindner, im neuen Programm geht es darum, dass Menschen missverstanden werden oder Menschen etwas in den falschen Hals bekommen. Haben Sie ein Händchen für Fettnäpfchen?
Auf jeden Fall. Ich bin quasi die Mutter aller Fettnäpfchen, aber es ist immer sehr lustig und passt zu mir. Durch meine Fröhlichkeit komm ich schnell in so ein Fahrwasser, wo ich in das ein oder andere Fettnäpfchen gerate. Aber es gibt viele Kollegen, die mir als Kompliment aussprechen, dass ich es mit meiner charmanten Art schaffe, etwas Krasses auszusprechen, ohne dass man mir das übel nimmt.

Der Titel des Programms ist mit „Miss Verständnis“ ein bewusstes Wortspiel.
Ja, denn ich habe Verständnis für vieles, aber es gibt die Neigung mich misszuverstehen.

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Haben auch private Dinge Einfluss?
Ja, meine Programme entstehen oft aus Beobachtungen. Ich beobachte sehr gerne Menschen und mache Typenkabarett. Das heißt: Ich hole mir die Inspiration aus dem Leben um mich herum. Es ist nichts Ausgedachtes, sondern es sind immer Dinge, die passiert sind.

Legen die Menschen manchmal die Worte zu sehr auf die Goldwaage?
Viele. Was in der heutigen Zeit schwierig ist: Ganz oft lese ich eine Nachricht und wenn der Absender kein Smiley dazu setzt, das mich auf die richtige Spur bringt, dann kann das missverstanden werden.

„Wenn ich alleine mein Solo spiele, ist das Lampenfieber massiv“

Dafür muss man die Icons auch richtig verstehen.
Richtig. Das kommt da noch hinzu. Wir leben in einer Gesellschaft, in der wir gar nicht mehr so viel miteinander reden, sondern kommunizieren ganz viel durch Fotos, die per Whatsapp geschickt werden. Ich bin ein großer Freund von „Bitte sag’s mir ins Gesicht“, damit es eben keine Missverständnisse gibt. Wie oft schreibst du mit einem Menschen hin und her per Mail, fängst an dich zu streiten, weil eben der Ton missverstanden wird, den du gar nicht geben konntest – weil es war ja eine Mail. Man muss schon miteinander reden.

Ein anderes Thema: Sie leiden unter Lampenfieber. Wie gehen Sie damit um?
Das ist total verrückt. Ich mach oft Live-Sendungen. Da bin ich vollkommen angstfrei. Wenn ich mit dem Ensemble im Theater spiele und wir gehen alle auf die Bühne, bin ich auch völlig befreit. Wenn ich alleine mein Solo spiele, ist das Lampenfieber massiv.

Was machen Sie dann?
Für mich ist es wichtig, dass ich vorher raus gehe und mich mit den Leuten unterhalte, die da sind. Und dann sagen sie: ‚Ach Mensch, Frau Lindner‘ und dann sag ich: ‚Ach sagen wir Du, ich bin Stanzl‘. Das ist ein Geben und Nehmen. Weil, die Menschen finden das unglaublich, dass da jemand rauskommt. ‚Was die redet jetzt mit uns.‘ Aber für mich ist es so schön, weil...

...man vor Menschen steht.
Ja, ich kenne sie dann ja schon. Auf der Bühne selber, in dem Moment, wenn ich oben bin, da habe ich keine Angst mehr. Das ist nur davor.

Sie geben auf der Bühne sehr viel. Wie tanken Sie Kraft und Ruhe?
Ich gehe oft über meine Grenzen, bin da wie ein kleines Duracel-Häschen und dann gibt es natürlich mal den Moment, in dem die Batterie leer ist. Schwierig, wenn du keinen Urlaub machen kannst. Dann muss man sich kleine Inseln schaffen.

Zum Beispiel?
Ich koche sehr gerne, also ich lade im kleinen Kreis daheim ein. Dieser Moment, ganz privat daheim sein zu können, der ist mittlerweile für mich so viel wert, da kriege ich viel Energie. Ich bekomme auch viel Energie vom Publikum zurück. Ein Beispiel: Eine Frau hat mir geschrieben, dass ihr Mann gestorben ist und ihre Freundinnen sie zum ersten Mal mit raus genommen haben. Sie wollte gar nicht. Monate später schreibt sie mir, dass sie immer noch so profitiert von dieser Authentizität und von dieser Fröhlichkeit, die ich ihr an dem Abend gegeben habe. Also, wenn man das nicht als Motivation nehmen kann.

Zur Person

„Ein Kompliment von Kollegen: Dank meiner charmanten Art schaffe ich es, etwas Krasses auszusprechen, ohne dass man mir das übel nimmt.“

„Meine Energie reicht für drei Leben“, erklärt Constanze Lindner. Kein Wunder, dass die am 16. April 1973 geborene Münchnerin in der Schule den Klassenclown gab. Einer Leidenschaft ist sie bis heute treu geblieben: der Schauspielerei. 

Ihre erste Kino­rolle hatte sie 1992, bevor sie mit Bully Herbigs „Wickie und die starken Männer“ als Wikinger-Frau zu sehen war. Das Multitalent tritt auch bei Musicals und im Theater auf. Zwischendurch versuchte sie es auch mal mit „normalen“ Jobs wie Marketing für einen Home-Shopping-Kanal. Aber ihr Chef kündigte ihr aus Freundschaft, da er ihr komödiantisches Talent im Büro vergeudet sah. 

Seit 2013 steht sie als Solo-Kabarettistin auf der Bühne und moderiert das „Vereinsheim Schwabing“. 2016 wurde sie beim Bayerischen Kabarettpreis mit dem Senkrechtstarter-Preis ausgezeichnet. 

Lindner lebt mit Mann und Mops am Wörthsee.

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