TV-Polizist im Interview

Dieter Fischer: Rosenheim-Cop über Lebensmittelpreise, seinen Meilenstein und die Rolle des Theaters

Seit 2011 spielt Dieter Fischer die Rolle des Anton Stadler bei den „Rosenheim-Cops“.
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Seit 2011 spielt Dieter Fischer die Rolle des Anton Stadler bei den „Rosenheim-Cops“.
  • Sabina Kläsener
    VonSabina Kläsener
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Dieter Fischer spielt bei den „Rosenheim-Cops“ Anton Stadler. In Hallo spricht er über die TV-Serie, sein Alter, Lebensmittelpreise und über die Notwendigkeit von Theatern.

Seit 2002 ermitteln „Die Rosenheim-Cops“, seit zehn Jahren spielt er eine Hauptrolle. Im Frühjahr hat er einen privaten Meilenstein erreicht, ist 50 geworden. Warum das ein gutes Alter ist, was das Erfolgsrezept der Cops ist und wieso er für ein Umdenken beim Umgang mit Nahrungsmitteln plädiert, verrät der Schauspieler hier.

Herr Fischer, die 21. Staffel der „Rosenheim-Cops“ kommt ins Fernsehen – inklusive der 500. Folge. Wie viele Folgen haben Sie gesehen?

Also gespielt habe ich in etwa 150, dann habe ich vielleicht 250 gesehen.

Haben Sie die Sorge, dass es sich mal tot läuft?

Ich hoffe nicht. Wir haben die Serie jetzt über 20 Jahre am Laufen gehalten. Und das geht eigentlich nur, weil jeder jeden Tag versucht, frisch an die Sache heranzugehen. Wir wissen genau, was wir da machen und für wen. Wir sind ein sogenannter Schmunzelkrimi, eine Vorabendserie, Unterhaltung, vielleicht leichte Unterhaltung. Aber wir wissen es, haben kein Problem damit. Im Gegenteil, wir mögen es.

„Die Rosenheim-Cops“: Gewinnen Sie mit Hallo die 20. Staffel auf DVD

Im März hatten Sie Ihr eigenes Jubiläum, sind 50 geworden – ein Meilenstein für Sie?

Vorher war es mir wurscht. Als der Tag dann da war, war es doch was Besonderes. Wäre das Leben wie ein Tag, wäre es zwischen 14 und 15 Uhr, die sogenannte Erntezeit. Jetzt allmählich tragen die Samen, die man gesät hat, Früchte. Das ist ein gutes Alter.

Da passt, dass Sie sich privat für Selbstversorgung begeistern und Gemüse und Obst anbauen.

Ich finde es schwierig, was gerade landwirtschaftlich beziehungsweise ernährungstechnisch besonders in unserem Land passiert.

Zum Beispiel?

Bei Milch sieht man es am deutlichsten. Der Bauer bekommt im Schnitt 30 Cent pro Liter. Eine Kuh gibt pro Tag 30 Liter, also hat er neun Euro Ertrag von dieser Kuh, jeden Tag. Wir zahlen im Supermarkt einen Spottpreis dafür, nicht mal einen Euro pro Liter. Wenn jetzt dieser Liter Milch um zehn Cent erhöht wird, wird er nicht mehr gekauft. Wenn ich das mit der Tankstelle vergleiche, die verändern die Spritpreise willkürlich. Wenn der Sprit am Tag um 20 Cent schwankt, jammert keiner. Ich brauch für mein Auto 60 Liter – bei 20 Cent Schwankung wären das zwölf Euro Unterschied. Wo ich mich nicht mal aufrege.

Sie sprechen mir da schon aus der Seele.

Wenn man das anspricht, ist das schon der Gedanke von vielen. Aber unserer Bequemlichkeit ist geschuldet, dass man dem ausweicht. Im Supermarkt soll die Auswahl von morgens bis abends komplett sein. Denn ich möchte heute ein Sträußchen Dill kaufen. Und wenn es abends nicht mehr da ist, bin ich beleidigt. Aber wenn ich am nächsten Tag reingehe, den Strauß Dill bekomme, der am Vortag übrig geblieben ist, dann bin ich genauso beleidigt. Also muss der weggeschmissen werden, damit ich wieder frische Ware habe. So muss wieder mehr produziert werden. Es ist ein lächerliches Beispiel.

Aber es trifft es ganz gut.

Eine Breze ist nicht gleich eine Breze. Da wird der Teig nach Asien gebracht, weil es dort günstiger ist. Die Brezn wird per Hand geformt, ihre Gärung aber verhindert. Weil die Rohlinge wieder rüber gefahren und in einem Gärschrank warten, bis sie gebacken werden. Wieso muss ich das veranstalten?

Das ist ehrlich gesagt pervers.

Genau das richtige Wort, wenn ich das weiß, und es trotzdem kaufe. Manchmal kommt man nicht aus, da rede ich gar nicht von. Aber man muss versuchen, sich selber zu disziplinieren.

Der Versuch ist aus meiner Sicht die halbe Miete, wenn ich diese Thematik anerkenne.

Und das selber zu erzeugen ist für mich wesentlich teurer, als wenn ich es im Supermarkt kaufe. Ich muss Saatgut, bestimmte Maschinen haben. Muss den Boden auf Vordermann bringen. Das denkbar schlechteste Beispiel ist für mich der Aldi, der haut einen Preis her, da verzweifle ich. Ein Glas Rote Beete 39 Cent. Ich mach die Rote Beete selber ein. Mich kostet schon der Essig mehr als die 39 Cent. Da ist noch kein Glas dabei, keine Zwiebel. Bei mir würde so ein Glas vielleicht zwei oder drei Euro kosten. Dann würde es sich rechnen. Das bleibt dann aber im Regal stehen.

Sie sind im Ensemble vom Metropoltheater. Die Kapazitäten gehen in den Theatern hoch – eine schöne Entwicklung, mehr Platz fürs Theater?

Ich finde Theater in jeder Form eine Notwendigkeit. In der Pandemie habe ich gemerkt, wie mir das abgeht, als Zuschauer. Wir sehr mir das spielen abgeht, weiß ich, wenn ich es länger nicht tue. Das ist jetzt gottseidank wieder möglich. Natürlich kostet diese Pandemie für alle viel. Aber genau diesen Bereich hat es am meisten getroffen, er wurde gleich behandelt wie Bordelle, hatte die gleichen Auflagen. Jetzt ist das doch was anderes. Es sind ja nur sieben bis zehn Prozent der Bevölkerung, die regelmäßig ins Theater gehen. Aber diese Prozent haben eine absolute Berechtigung. Ich bin abgesichert durch die Serie, aber es gibt genügend Kollegen, die hat es jetzt böse erwischt. Das ist jetzt überwunden und ich hoffe, das bleibt so.

Ich war im Theater als wieder aufgemacht wurde, mir hat es sehr gut gefallen. Wir waren nicht mal 50 Prozent, egal wie sehr wir uns angestrengt haben, konnten wir das beim Applaus nicht wettmachen. Das fand ich sehr schade.

Wir wissen es aber zu differenzieren. Wenn ich einem Stück spiele, wo die Auslastung von Haus aus 50 Prozent ist, weil das Stück nicht jedem zusagt, oder das Thema extrem ist. Man kann das sehr gut beurteilen, wenn wenige Leute drin sind, wie die Reaktionen sind, wie die Stimmung ist. Für mich ist Theater ähnlich wie Kirche ein heiliger Raum. Das heißt, wenn ich ein Theater gehe, dann spüre ich das.

Jede Vorstellung ist anders. Nicht nur auf der Bühne. Auch das Publikum kann so unterschiedlich sein. Die ganzen Zuschauer entscheiden sich, ob sie laut reagieren, ob sie eher verhalten reagieren. Das ist eine unabsprechbare Vereinbarung. Das passiert halt. Das Publikum weiß nicht, wie die anderen Vorstellungen waren. Nur das Ensemble hat die Vergleichsmöglichkeit. Man kann sich aber doch sehr oft täuschen. Ein lautes Publikum kann auch unruhig, unkonzentriert sein. Und dann gibt’s ein Publikum, das reagiert gar nicht, und dann kommt ein frenetischer Schlussapplaus. Womit man gar nicht rechnet. Es ist alles möglich.

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ZUR PERSON

Als zweitjüngster von fünf Brüdern aufgewachsen, spricht Dieter Fischer – am 31. März 1971 in Freising geboren – von einem „schlechten Platz“. Die mittleren Kinder hätten immer das Nachsehen. Die Großen dürften schon etwas, der Jüngste nicht – „zuerst bin ich zu jung, dann zu alt.“ Heute ist das alles vergessen: „Zu allen Brüdern habe ich besten Kontakt.“

Nach seiner Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann besuchte er die Schauspielschule. Beim „Kaiser von Schexing“ spielte er die Titelrolle und ist regelmäßig im „Komödienstadel“ zu sehen.

Seit 2011 kennt man Fischer als Anton Stadler bei den „Rosenheim-Cops“. Schon vorher gastierte er bei der beliebten Fernsehserie. Zudem gehört er zum Ensemble des Metropoltheaters. Mit seiner Frau lebt er zwischen Starnberger und Ammersee.

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