Roland Hefter im Gespräch mit Hallo München

„Corona hat gewisse Trägheiten verstärkt“

Liedermacher und Stadtrat Roland Hefter: „Mich stört, dass es in München zu so einer Spaltung von Autofahrern und Radfahrern gekommen ist.“
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Liedermacher und Stadtrat Roland Hefter: „Mich stört, dass es in München zu so einer Spaltung von Autofahrern und Radfahrern gekommen ist.“

Für alte Menschen und die Rettung der Wirtshäuser  engagiert sich Roland Hefter. Seit Mai 2020 sitzt der gebürtige Münchner für die SPD im Stadtrat. Wofür er sich dort einsetzen will, verrät er im Interview...

  • Roland Hefter im Gespräch mit Hallo München
  • Der Liedermacher engagiert sich in vielen Bereichen.
  • Wofür er sich imStadtrat einsetzten will...

Der Liedermacher (52) engagiert sich für alte Menschen und die Rettung der Wirtshäuser – und gegen die AfD und rücksichtslose Radler. Seit Mai 2020 sitzt der gebürtige Münchner für die SPD im Stadtrat. 

Wofür er sich dort einsetzen will und wie er weiter mit seinen millionenfach geklickten Videos Politik macht, verrät er im Interview.

Herr Hefter, nach drei Monaten im Münchner Stadtrat – hätten Sie es sich so vorgestellt? 

Nein. Durch Corona werden viele Pläne, die wir hatten, erst einmal nicht umgesetzt werden können. In allen Bereichen muss extrem gespart werden. Und das ist traurig. Wir als SPD müssen schauen, dass im sozialen Bereich nicht mit dem Rasenmäher gekürzt wird.

Sie nutzen auch weiterhin Ihre Reichweite als Künstler, um Leute auf Missstände aufmerksam zu machen, wie bei Ihrem über zwei Millionen Mal geklickten Video zur Rettung der Wirtshäuser... 

Ich habe in der Innenstadt Wirte alleine in ihren Wirtschaften stehen sehen. Es ist ein bisschen Lethargie in der Bevölkerung. Die Leute haben sich daran gewöhnt, bei Amazon einzukaufen und sich Essen liefern zu lassen. Wenn diese Trägheit bleibt, gehen Läden und Wirtschaften kaputt und damit auch die Gemeinschaft und das Zusammenkommen. Corona hat gewisse Trägheiten verstärkt.

Das Video ist prominent besetzt: Moni Gruber, Ilse Aigner, Alfons Schuhbeck, Manni Schwabl, Dieter Reiter... 

Wir kennen uns und haben uns auf die Schnelle zusammen- telefoniert. Jeder hat dieses Ziel unterstützt.

Hat jemand abgesagt? 

Thomas Müller hätte ich gerne dabei gehabt. Auf dessen 30. Geburtstag habe ich gespielt und das ist ein Supertyp. Er hatte leider keine Zeit, hat aber sehr nett geschrieben...

Wie schlimm war denn die Corona-Krise für Sie persönlich? 

Die ersten drei Monate, in denen alles abgesagt worden ist, hätte ich finanziell die lohnendsten Auftritte gehabt seit ich Musik mache. Aber es ist wirklich nur Geld. Hauptsache alle bleiben gesund. 

Brauchen Sie ein zweites Standbein? 

Nein, ich habe sparsam gelebt und habe etwas auf der Seite. Und es gibt ja auch ein bisschen Geld im Stadtrat. Aber es ist angemessen für die ungefähr 130 Stunden Arbeit im Monat.

Was war denn Ihre Motivation, der SPD beizutreten? 

Als ich vor der Landtagswahl das Lied „Mia ned“ gegen die AfD gemacht habe, habe ich die Programme aller Parteien gelesen und das der SPD spiegelt meine Werte am meisten wider.

Können Sie sich als offizielles SPD-Mitglied so ein Anti-­AfD-Video vor der Bundestagswahl 2021 noch erlauben? 

Ich mach’ das einfach. In erster Linie geht es mir um die Werte. Da muss ich auch keinen in meiner Partei fragen. Im Stadtrat haben sie bei der letzten Vollversammlung etwas gegen Schwule und Lesben nauslassen – das ist unterstes Niveau. Es ist mein Anliegen als Münchner Stadtrat, für ein weltoffenes München zu kämpfen.

Was haben Sie sich noch vorgenommen für Ihr erstes Jahr im Stadtrat? 

Was mir sehr am Herzen liegt, ist das Valentin-Musäum, das wegen des Brandschutzes saniert werden soll. Dabei ist aber weiterhin keine Barrierefreiheit angedacht. Für mich gehört eine Lösung hin mit einem externen Fahrstuhl, damit endlich alte Menschen und Behinderte reinkommen. Das darf in der heutigen Zeit nicht sein. Mir erzählen viele, dass sie gerne mit ihren Enkeln rein möchten, aber die Treppe kaum mehr hochkommen.

Besuchte die Hallo-Redaktion in Moosach für ein Interview im Garten: Roland Hefter (li.) im Gespräch mit Redaktionsleiterin Maren Kowitz.

Sie sind sehr aktiv bei dem Verein „Ein Herz für Rentner“. Was bekommen Sie da von den Sorgen der Alten mit? 

Es sind die hohen Mieten, die sich viele nicht mehr leisten können. Wir brauchen einen Mietenstopp und einen viel höheren Mindestlohn, weil sonst die Altersarmut nicht aufzuhalten ist. Außerdem ist die Vereinsamung ein Problem. Wir planen – wenn Corona vorbei ist – einen Rentner-Chor, den wir „The Old-Kehlchen“ nennen wollen, um miteinander zu singen. Von Volksliedern bis zu Schlager und Wiesnhits. Vielleicht treten wir irgendwann auf der Wiesn auf. 

Zur Wiesn-Absage haben Sie den Hit „Those were the days“ umgetextet und ein Video gedreht mit dem Schichtl, Wiesn-Bedienungen und Wirten. Im Refrain heißt es „Dann gibt’s sie halt im nächsten Jahr...“. Glauben Sie an eine Wiesn 2021? 

Ja. Ich hoffe, dass es Anfang nächsten Jahres einen Impfstoff gibt oder zumindest ein Medikament, damit keiner mehr sterben muss. Und es kann sein, dass Menschen aus gewissen Ländern nicht einreisen dürfen. 

Können Sie der Krise etwas Positives abgewinnen? 

Es sind viele Sachen entstanden, ob Schanigarten oder Pop-Up-Radwege, von denen die Stadt in Zukunft profitieren wird. Der Rad- entscheid beinhaltet in erster Linie bauliche Maßnahmen. Aber vielleicht kann man einige Wege stattdessen markieren. Damit spart man Zeit und Geld. Und man kann eine Entscheidung wieder rückgängig machen, wenn man merkt, sie funktioniert doch nicht gut.

Auf welcher Seite stehen Sie – Radlfahrer oder Autofahrer? 

Diese Spaltung in der Stadt stört mich. Klar, wir brauchen weniger Autos in der Stadt, aber ich will das nicht nur durch Verbote erreichen. Mich stört auch, dass alle so auf die Autofahrer schimpfen. Ich bin neulich ausnahmsweise mit dem Motorrad durch die Stadt gefahren – da wird man schon schief angeschaut. Normalerweise bin ich mit dem Radl unterwegs und sehe, dass es viele rücksichtslose Radler gibt. Wir als Stadt sollten uns eine Kampagne überlegen zu Rücksicht im Straßenverkehr – für alle Verkehrsteilnehmer. Breite Radlwege helfen, aber es muss sich auch im Kopf was ändern bei einigen Radlfahrern.

ZUR PERSON 

Roland Hefter wurde im Oktober 1967 in München geboren. Er ist in Waldperlach aufgewachsen, wo seine Eltern heute noch leben und machte eine Ausbildung zum Schildermacher und Grafiker, bevor er sich ganz der Musik widmete. 

Er tritt mit seinem Programm „Solo – so lang’s no geht“, mit seiner Band „Isarrider“ oder zusammen mit dem Keller Steff und Michael Dietmayr als „3 Männer – nur mit Gitarre” auf.

 Außerdem war er als Schauspieler in den Kultserien „München 7“ und „Der Kaiser von Schexing“ zu sehen und tourt seit 2016 öfter als Support von Moni Gruber. Vor der Landtagswahl 2018 gründete er die Initiative „Künstler mit Herz“, mit der er ein viel beachtetes Video gegen die AfD drehte. 

Seitdem ist er Mitglied bei der SPD, für die er seit Mai 2020 im Stadtrat sitzt. Er lebt in Ramersdorf, hat aber auch einen Container als Mini-Bandraum im Werksviertel. 

„Da übe ich, schreibe meine Songs und probiere was aus. Ich habe eine sehr kleine Wohnung und das ist mein zusätzliches Zimmer.“

MAREN KOWITZ

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