Die Viertel-Chefs über Ziele und Gegensätze

BA-Chefs über aktuelle Schwierigkeiten & künftige Möglichkeiten von Pasing-Obermenzing und Allach-Untermenzing

Die Viertel-Chefs Frieder Vogelsgesang (links) und Pascal Fuckerieder.
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Die Viertel-Chefs Frieder Vogelsgesang (links) und Pascal Fuckerieder.
  • Ursula Löschau
    VonUrsula Löschau
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Die Vorsitzenden der BAs 21, Frieder Vogelsgesang (59, CSU), und 23, Pascal Fuckerieder (45, SPD) im großen Doppel-Interview zum Hallo-Geburtstag.

Ursula Löschau beim Interview mit den BA-Vorsitzenden über Gegensätze und Gemeinsames.
Ihr erstes Jahr als BA-Chefs stand unter dem Einfluss der Corona-Pandemie. Wie ist es für Sie und den BA gelaufen?
Pascal Fuckerieder: Gut, finde ich. Dadurch, dass wir nach der Einwohnerzahl ein verhältnismäßig kleiner Stadtbezirk und ein kleines Gremium mit 17 Mitgliedern sind, haben wir immer im Vollgremium getagt und konnten unsere Arbeit im BA gut weitermachen. Natürlich haben wir auch gemerkt, dass in der Stadtverwaltung einiges pandemiebedingt nicht so zügig vorangegangen ist. Und natürlich spürt man die finanziell angespannte Situation bei der Stadt.
Frieder Vogelsgesang: Dieses Corona-Jahr haben auch wir sehr gut über die Bühne gebracht. Wir sind 31 Mitglieder im BA und haben nur einmal nicht im Voll­gremium getagt. Was ich sehr vermisst habe, ist die Gewohnheit, dass wir nach der Sitzung fraktionsübergreifend miteinander auf ein Getränk gehen und den Abend gemeinsam Revue passieren lassen. Das haben wir im Juni erstmals wieder gemacht. Und das ist auch ganz wichtig.
Es gab und gibt ja auch drängende Themen: Stichwort Schulentwicklungsplanung. Beide BAs sind sich einig, dass die Erdbeerwiese kein Schulstandort ist und die Feuerwache an den Pasinger Heuweg soll. Darüber hinaus wird’s kompliziert. Sehen Sie eine gemeinsame Lösung?
Vogelsgesang: Ich ging davon aus, dass wir näher zusammen sind. Und bevor wir eine konkrete Aussage treffen, werden wir uns noch intern zusammensetzen müssen. Momentan sind wir nicht einer Meinung. Der BA Pasing-Obermenzing war überrascht, über alle Fraktionen hinweg, was nebenan am selben Abend entschieden wurde. Und jetzt ist alles zurück auf Anfang.
Fuckerieder: Wir stecken mitten in den Diskussionen. Es ist gut, dass wir miteinander reden und streiten und um die Lösung ringen. Wie sie aussehen wird, werden wir in den nächsten Wochen und Monaten erarbeiten.
Wie stehen Sie zu den Wohnungs- und Schulbau-Plänen am Dreilingsweg?
Vogelsgesang: Die ganze Stadt­entwicklung am Dreilingsweg bedarf noch einer Diskussion. Dieser Drops ist überhaupt noch nicht gelutscht. Uns ist nicht bekannt, wie das dort entwickelt werden soll und wir werden dazu auf jeden Fall demnächst eine Bürgerbeteiligung haben.
Herr Fuckerieder, Sie haben in der Juni-Sitzung gesagt, dass Sie froh sind, dass es an den Stadtbezirksgrenzen keine Schlagbäume gibt...
Fuckerieder: Viele Menschen wissen nicht mal, dass es Stadtbezirke gibt und wo die Grenzen sind. Das ist auch gut so. Es ärgert mich immer wieder, wenn Aussagen kommen wie „nicht in meinem Stadtbezirk“ oder „nicht in deinem Stadtbezirk“.
Vogelsgesang: Das finde ich auch schwierig. Was aber schon sein muss: Wenn man Beschlüsse fassen will, die auch den anderen Stadtbezirk betreffen, dann muss man sich gegenseitig einbeziehen.
Eine weitere komplexe Aufgabe für den gesamten Münchner Westen ist die Verkehrsentwicklung. Auch dieses Problem kann sicher nur gemeinsam gelöst werden. Wie gehen Sie das an?
Vogelsgesang: Ich habe mit dem Vorsitzenden der CSU Allach-Untermenzing, Florian Wimmer, gesprochen und ihn gebeten, dass wir die Thematik Verkehrs­entwicklung über Stadtbezirksgrenzen hinweg intensivieren und uns miteinander abstimmen. Da gibt’s an der einen oder anderen Stelle unter Umständen auch unterschiedliche Haltungen, die wir miteinander synchronisieren müssen. Denn dem Verkehr, der nach München reinkommt, ist es völlig wurscht, ob die Viertel Pasing, Obermenzing, Allach oder Untermenzing heißen.
Fuckerieder: Der Verkehr macht vor keinen Stadtbezirksgrenzen Halt und sucht sich den Weg des geringsten Widerstands, wo er am zügigsten durchkommt. Doch es ist tatsächlich eine große Herausforderung. Es ist ja kein böser Wille, dass hier seit so vielen Jahren nicht die Patentlösung auf den Tisch gelegt wurde. Der Verkehr und Verkehrsflüsse ändern sich. Weil ein neues Quartier entstanden ist, weil Gewerbe sich geändert hat. Wie im Kirschgelände: da wird Schwerlastverkehr wegfallen, aber dafür Autoverkehr dazukommen. Und wir haben an vielen Stellen einfach gar nicht den Platz, zum Beispiel um mehr Gehweg zu schaffen.
Was wäre denn so eine gemeinsame Verkehrs-Forderung?
Vogelsgesang: Die U-Bahn-Verlängerung. Mobilität ist das Zukunftsthema neben und mit dem Klima- und Umweltschutz sowie damit einhergehend die Frage, wie bewege ich mich künftig fort und muss ich mich überhaupt so viel fortbewegen? Ich bin der Überzeugung, dass die Verlängerung der U-Bahn von Moosach über Untermenzing nach Pasing – der Ringschluss – ein Zukunftsthema sein wird. Und wir sind uns einig im BA Pasing-Obermenzing, dass ein P+R-Parkplatz am Ende der Autobahn A8 sinnvoll ist, um alles, was momentan in die Stadt hineindrängt, dort an einem Verkehrsverknüpfungspunkt abzufangen.
Fuckerieder: Zur U-Bahn haben wir einen ziemlich gleichlautenden Beschluss gefasst. Wir befürworten eine Anbindung des Stadtbezirks Allach-Untermenzing an die U-Bahn. Sicher muss man nochmal über die Linienführung diskutieren. In dem bisherigen Entwurf war Allach nicht angebunden, sondern Untermenzing, und der Bahnhof Allach ist schon auch ein sehr, sehr wichtiger Bahnhof. Also: Dass wir einen U-Bahn-Ausbau möchten, da sind wir uns einig, nur die genaue Linienführung, darüber muss und sollte man dann sprechen, wenn sich in dieser Richtung auch etwas tut.
Bei allen Gemeinsamkeiten: Jeder Stadtbezirk hat auch seinen eigenen Charakter. Was unterscheidet Pasing-Obermenzing von anderen Stadtbezirken?
Vogelsgesang: Pasing war mal eigenständige Stadt. Und da würde mir kein BA einfallen, der das von sich behaupten könnte. Und wenn man jetzt betrachtet, dass wir als Stadtbezirk Pasing-Obermenzing heute 75 000 bis 80 000 Einwohner haben, dann ist das eine Stadt. Aber es ist auch klar: Wir gehören zu München.
Und was macht Allach-Untermenzing einzigartig?
Fuckerieder: Allach-Untermenzing ist flächenmäßig sehr groß, einwohnermäßig eher klein. Wir haben noch richtig viel Grün, auch Waldflächen, gleichzeitig sind wir immer noch von sehr großen Industriebetrieben geprägt. Das gibt’s so in der Größe in vergleichbarer Form nicht nochmal in München – diese Mischung aus dem Dörflichen und dem Industriellen und dem vielen Grün am Rand.
Was möchten Sie persönlich in der laufenden Amtszeit bis zur nächsten Kommunalwahl 2026 erreichen?
Vogelsgesang: Dass für die diversen Schulneubauten und die Feuerwache der Spatenstich erfolgt ist und dass wir all diese Themen im friedlichen Miteinander gelöst haben.
Fuckerieder: Dem schließe ich mich an und ergänze noch das neue Kulturbürgerhaus für Allach-Untermenzing – und da nicht nur den Spatenstich, sondern die Eröffnung. Und dass wir ein gemeinsames Verkehrskonzept haben. Wenn wir das hinbekommen, dann haben wir wirklich was geschafft.

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