Mama hinterm Tresen

Luise Kinseher im Interview mit Hallo München - Warum die Mama Bavaria jetzt kocht und kellnert

Erfolgsduo: Luise Kinseher und Sigi Zimmerschied bei der Premiere von „Weißbier im Blut“.
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Erfolgsduo: Luise Kinseher und Sigi Zimmerschied bei der Premiere von „Weißbier im Blut“.
  • Sebastian Obermeir
    vonSebastian Obermeir
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Kellnerin statt Mama Bavaria: Luise Kinseher spricht im Hallo-München-Interview über ihre neue Rolle in „Weißbier im Blut“. Warum sich damit der Kreis für sie schließt.

Als Mama Bavaria teilte die Kabarettistin auf dem Nockherberg aus. Jetzt ist sie in „Weißbier im Blut“ auf der Kinoleinwand neben Sigi Zimmerschied zu sehen. In Hallo verrät die Schauspielerin, warum sich damit gleich mehrere Kreise schließen und welche neuen Projekte ihr noch über ihren Corona-Frust hinweg geholfen haben.

Frau Kinseher, 1994 haben Sie Ihre Magisterarbeit über Sigi Zimmerschied geschrieben. Was würde Ihr Ich von damals dazu sagen, dass Sie jetzt gemeinsam auf der Kinoleinwand zu sehen sind?

Oh, mein damaliges Ich würde nicht einmal glauben, dass ich selbst Kabarettistin geworden bin, geschweige denn, dass es jemals in einem Kinofilm mit Sigi Zimmerschied spielen würde! Es ist schön, wenn sich das Leben so entwickelt und sich Kreise so schließen.

Ein wenig hat sich das ja angekündigt.

Ja, wir waren immer schon in Kontakt. Und der Film basiert auf dem Kreuzeder-Hörspiel, das wir gemeinsam gemacht haben. Da war ich die Erzählerin, die Gerda ist aber die noch viel bessere Rolle für mich.

Sie haben während des Studiums gekellnert, richtig?

Im Fraunhofer, wo ich damals den Sigi kennengelernt hab, ja.

Noch ein Kreis, der sich schließt!

Genau! Sagen wir so, kellnern ist eine gewisse Kernkompetenz von mir. Das musste ich nicht schauspielern.

Luise Kinseher als Kellnerin im Film „Weißbier im Blut“.

Gerdas Abhängigkeit vom Wirt und die Ausweglosigkeit der Figur, die Sie spielen, haben mich – so lustig der Film an anderen Stellen ist – recht nachdenklich gestimmt.

Das Schöne an der Gerda ist, dass sie sich trotz allem ihr großes Herz behalten hat. Die Figur ist gar nicht mal so erfunden. Ich glaube, so geht es vielen Frauen, die alleinstehend sind, und sich durchs Leben schlagen müssen. Denen hilft auch keiner. Sie will sich selbst retten. Mit allen Mitteln. Und so hängt sie sich an den Kreuzeder. Und wenn man die Geschichte weitererzählen möchte, könnten die beiden ja vielleicht sogar ein Erfolgsduo werden.

In Anlehnung an den Filmtitel: Weißbier oder Helles?

Helles! Aber das kommt auf die Tageszeit an. Am späten Vormittag zum Beispiel wäre ein Weißbier die bessere Wahl. Am Abend dann aber lieber manchmal ein Helles.

Helles wundert mich nicht – Ihr Dackel heißt schließlich Gustl.

Meinen Sie, dass hat vielleicht was mit der Augustiner Brauerei zu tun?

Nicht?

Nein, eigentlich nach dem Gustl Bayrhammer. Dass das Augustiner Bier im Volksmund Gustl heißt, hab’ ich ehrlich gesagt lange gar nicht gewusst.

Wie sehr vermissen Sie die Bühne und inwiefern ist einen Film zu drehen Ersatz dafür?

Naja, den Film haben wir im März 2020 gedreht, dann mussten wir unterbrechen. Im Juni konnten wir ihn unter entsprechenden Auflagen fertig drehen, Gottseidank! Aber grundsätzlich ist es natürlich so, dass uns Bühnenkünstlern die Bühne fehlt. Ich kann zwar nur für mich sprechen, aber ich glaube, so geht es vielen Kollegen auch: Wir machen das, weil wir es tun müssen, weil es unser Leben ist. Wenn das wegfällt, fällt viel weg.

Älteres Interview: Die Bavaria im Gespräch mit Hallo München

Und Ängste und Sorgen wachsen.

Der Herbst war frustrierend, weil wir gehofft haben, wieder spielen zu können, aber das ging dann gar nicht mehr. Da gab es ein paar dunkle Momente. Ich habe es aber geschafft, die Kurve zu kratzen und habe sehr viele neue Projekte begonnen. Ich mache beispielsweise zusammen mit anderen ein Kochbuch.

Mit bayerischem Essen?

Nein, international. Es geht darum, dass hier im Westend 25 Nationen miteinander leben – die alle das Essen aus ihrer Heimat mitbringen. Es heißt „Mama Bavarias kulinarische Nachbarschaft“. Dann mache ich noch eine Ausbildung als Synchronsprecherin. Irgendwann wird man meine Stimme dann hoffentlich in internationalen Filmen hören können. Dafür musste ich aber erstmal richtig Deutsch lernen. (lacht)

Wie froh ist Mama Bavaria, dass ihr der digitale Nockherberg erspart geblieben ist?

Ja, klar, das ist keine wünschenswerte Situation. Aber der Maxi hat das super gemacht. Das mit dem Stream ist nix, wo man sagt, das macht man weiter, weil’s so schön ist. (lacht) Natürlich: Die Digitalisierung bietet viele tolle Möglichkeiten und man muss sich schon öffnen. Aber für die Bühne und fürs Publikum ist es kein Ersatz, sondern eben eine Notlösung.

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ZUR PERSON

Geboren 1969, aufgewachsen in Niederbayern, schloss Luise Kinseher ihr Studium in München mit einer Magisterarbeit über Siegfried Zimmerschied ab. Vier Jahre später folgte ihr erstes Soloprogramm „Ende der Ausbaustrecke – Silent Thrill of Kabarett“.

Von da an geht es steil bergauf, Preise und Auszeichnungen werden ihr zuteil. 2010 schlüpfte Kinseher dann erstmals beim Singspiel auf dem Nockherberg in ihre bisher vielleicht wichtigste Rolle: die Bavaria. Von 2011 bis 2018 hielt sie als Mama Bavaria die Salvatorrede am Nockherberg – als erste Frau überhaupt. Luise Kinseher lebt im Münchner Westend.

Verlosung

Hallo verlost Kino-Tickets für den neuen Film „Weißbier im Blut“ mit Luise Kinseher, Sigi Zimmerschied und Brigitte Hobmeier.

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