Markus Stoll im Interview mit Hallo

„Die Bühne ist nix für schwache Nerven“

Hut ist Pflicht: Markus Stoll alias Harry G und sein Markenzeichen.
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Hut ist Pflicht: Markus Stoll alias Harry G und sein Markenzeichen.

Den Anfang machten Youtube-Videos, jetzt ist Markus Stoll alias Harry G in der Amazon-Serie „Der Beischläfer“ zu sehen.

  • In der Amazon-Serie schlüpft Markus Stoll alias Harry G in die Rolle des Charlie Menzinger 
  • Wegen derCorona-Pandemie mussten die Termine seiner Harry-G-Tour verschoben werden. 
  • Der Komiker im Interview

München - Den Anfang machten Youtube-Videos, in denen die Schickeria nicht allzu gut weg kam. Es folgten Millionen Klicks und ausverkaufte Hallen. Jetzt ist Markus Stoll alias Harry G in der Amazon-Serie „Der Beischläfer“ zu sehen. Ob der Münchner inzwischen selber zu besagter Prominenz gehört und was er von Online- statt Live-Auftritten hält

Komiker Markus Stoll alias Harry G im Interview

Herr Stoll, bleiben wir beim Sie oder duzen wir uns? 

Das „Sie“ ist manchmal schwierig. Nicht, dass ich dann nur der Herr G bin.

Da hast du Recht. Markus, was macht der Herr G dieses Jahr im September? So ganz ohne die Wiesn? 

Ich bin der Meinung, dass man die Wiesn auch durchaus einmal aussetzen – also eher aussitzen kann – wenn das einem guten Zweck dient. Auch, weil ich mir durchaus vorstellen kann, was die Wiesn für eine Riesen-Virenschleuder ist. Es ist doch auch sonst schon jeder krank danach, mit dem sogenannten „Wiesn-Katarrh“. Das wäre doch nicht auszudenken, wenn dieser Wiesn-Katarrh jetzt Corona wäre.

Durch deine Videos, in denen du dich über die Schickeria auf der Wiesn lustig machst, wurdest du berühmt. Inzwischen gehörst du mit deinem Bekanntheitsgrad aber doch selber zu genau diesem Kreis? 

Es gibt einen Unterschied zwischen Schickeria und Bekanntsein. Nicht jeder bekannte Münchner macht sich lächerlich durch übertriebenes Auftreten, durch BussiBussi und Angeben. Meistens amüsiert mich das und ist Inspiration für meine Programme. Ohne den Isarpreißn, wie ich die Schickeria nenne, wäre es doch fad.

"Schlechter Geschmack kennt keine Grenzen"

Du warst ursprünglich im Finanzsektor tätig. Bei deinen Videos und Programmen kommt diese Branche ja nicht allzu gut weg. Müsstest du dauernd einspielen, dass jegliche Ähnlichkeiten zu realen Personen reiner Zufall sind?

Eigentlich ja. Natürlich baut das Programm auch auf echten Personen auf, meistens aber sehr überspitzt. Die Farbkombination, mit der ich zum Beispiel das Outfit des Isarpreißn beschreibe, ist noch ein bisserl übertriebener als sie wirklich ist. Wobei ich gerade beim Reden merke, dass das gar nicht so stimmt. Eine hellblaue Hose mit mintgrünem Poloshirt und gelbem Pullover zu kombinieren? Ganz ehrlich, eigentlich sollte ich noch einen drauflegen...

Und wie schaut das dann aus? 

Gerne noch mit Seidenschal in Kontrastfarbe. Ich habe schon Männer gesehen, die haben zwei Poloshirts übereinander getragen und beide Kragen hochgestellt. Einfach so als „Style-Element“. Schlechter Geschmack kennt keine Grenzen.

Warst du früher als BWL-er auch so? 

Überhaupt nicht. Ich hatte damals immer „akkurate Kleidung“ an: Jeans, Hemd und bei Terminen Anzug und Krawatte. Das hat sich bis heute nicht geändert, nur, dass Jeans und Hemd jetzt meistens fleckig sind, ich habe zwei Kinder...

"Auf der Bühne stehen: eine der geilsten Sachen der Welt"

Bisher warst du in Filmen und Serien in Nebenrollen zu sehen. Mit „Der Beischläfer“ hast du jetzt eine Hauptrolle übernommen. Wie war das? 

Das war richtig aufregend. Auf der Bühne überzeichnet man und als Schauspieler sollte man das eigentlich nicht. Das war eine Herausforderung.

Was hat dich am Drehbuch überzeugt? 

In der Rolle des Charlie Menzinger kann ich eine andere Facette von mir zeigen. Es gibt viel zu lachen, aber die Komik ist weniger brachial als die des Harry G. Es ist Situations- und Lebenskomik, unaufdringlich und mit viel Wahrheit über München und die Münchner...

Macht es mehr Spaß, zu drehen oder auf der Bühne zu stehen? 

Beides ist toll. Aber auf der Bühne bekomme ich sofort eine Resonanz vom Publikum, gut oder schlecht. Frontal und gnadenlos, das ist nix für schwache Nerven. Aber genau deshalb ist auf der Bühne zu stehen auch eine der geilsten Sachen der Welt.

Gerade ist das nicht möglich. Wie geht es mit deiner Hoamboy-Tour weiter? Planst du Online-Auftritte? 

Man kann online nicht das liefern, was man auf der Bühne liefert. Und beim Zuschauer ist es auch so: Der will das Live-Erlebnis. Alle Termine werden verlegt. Tatsächlich weiß unsere Branche noch nicht, wann und wie es weitergeht. Ich bin froh, dass meine Auftritte nur verlegt und nicht abgesagt wurden.

von Sophia Oberhuber

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Zur Person

Der gebürtige Regensburger Markus Stoll alias Harry G verbrachte einen Großteil seiner Kindheit am Schliersee. Nach dem Abitur studierte er Betriebswirtschaftslehre in Innsbruck und Buenos Aires. Seit 2006 lebt der ehemalige Investment Manager in München. Was mit Videos à la „Harry G über die Wiesn – Guide zum Oktoberfest“, das aktuell etwa 1,4 Millionen Mal angeklickt wurde, in den sozialen Netzwerken begann, entwickelte sich innerhalb der letzten Jahre zu einem außergewöhnlichen Bühnenerfolg. Die Shows des 40-Jährigen sind bissig, sein bayerischer Grant zuweilen politisch unkorrekt. Auf das Debütprogramm „Leben mit dem Isarpreiß“ in 2014 folgte 2016 „#HarrydieEhre“. Inklusive bisher elf ausverkaufter Shows im renommierten Circus Krone. Seit Dezember 2019 ist Harry G mit seinem dritten Bühnenprogramm „Hoamboy“ in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz auf Tour – dann aber kam Corona. Die Shows wurden allesamt verlegt.

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