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Günther Sigl von der Spider Murphy Gang im Interview: Auftritte gegen den Corona-Blues

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Von: Claudia Theurer

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Günter Sigl (75) von der Spider Murphy Gang im Hallo-Interview.
Günter Sigl (75) von der Spider Murphy Gang im Hallo-Interview. © Hangenfoto

Immer ausgebremst zu werden und nur daheim rumhocken findet Günther Sigl, der Mitbegründer der Münchner Rock’n’Roll-Band Spider Murphy Gang, überhaupt nicht gut. Was ihn trotzdem immer wieder antreibt und wann bei ihn das Gefühl aufkommt, mitten im Leben zu stehen, erklärt er im exklusiven Hallo-Interview.

Herr Sigl, wie geht es Ihnen?

Ich war grad zwei Wochen in Quarantäne, bin jetzt aber wieder negativ. Hab immer noch a bissl a verschnupfte Nase und a bissl an Huastn, aber es geht scho wieder aufwärts. Aber woast scho, des is nix für uns, immer daheim zu sitzen.

Eine gute Zeit, neue Stücke zu schreiben, oder?

Das mache ich sowieso immer. Aber das so etwas mal daherkommt, damit hat niemand gerechnet. In meinem Alter braucht man so etwas eigentlich nicht mehr. Aber man muss immer in Bewegung bleiben. Immer ausgebremst zu werden und daheim rumsitzen, ist gar nicht gut.

Also nix mit aufhören?

Vor Corona haben wir 80 bis 100 Konzerte im Jahr gemacht. Und da haben die Leute gesagt: Langsam musst du jetzt aufhören. Oder meine Lebensgefährtin sagt: Musst schon ein bissl schaun auf dich. Aber die Konzerte pushen mich eher. Das ist mein Lebenselixier. Da ist die Bühne, man geht raus und hat das Gefühl, mitten im Leben zu sein. Deswegen freuen wir uns besonders auf unseren Auftritt im Lustspielhaus. Die Leute kommen ja schließlich für das Gemeinschaftserlebnis. Mitsingen, mittanzen, mitklatschen und einfach eine gute Zeit haben.

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Was ist das für ein Gefühl, gute Laune zu verbreiten, wenn nebenan Krieg herrscht?

Natürlich: Wenn man die Bilder im Fernsehen sieht, die Kinder, die Vertreibung, die Flucht, die Frauen. Und die Männer müssen dort bleiben, kriegen ein Gewehr in die Hand gedrückt. Das ist einfach nur grausam. Da werden Städte bombardiert ohne Rücksicht auf Verluste. Für mich ist die UN ein zahnloser Tiger. Aber: Das Leben muss ja weitergehen. Man muss zwischendurch abschalten, sonst geht es auf die Psyche und man wird depressiv. Die Leute sollen raus und Spaß haben. Das gibt Zuversicht und Lebensmut.

Wenn Sie heute noch einmal als Band durchstarten würden, welche Musik würden Sie machen?

Das weiß ich nicht. Keine Ahnung. 1962 habe ich meine erste Gitarre gekriegt, da war ich 15 Jahre alt. Da habe ich mit den Shadows und Cliff Richard angefangen. Es gibt auch heute noch junge Leute, die sich an den 50er-Jahren orientieren. Ich könnte mir aber gut vorstellen, Hip-Hop zu machen, Rap-Battles oder Poetry-Slams, wenn gerade aktuelle Themen anstehen. Unsere Kracher müssen wir natürlich spielen, da kommen wir nicht drum herum. Wir spielen ja auch Titel von Chuck Berry und Elvis, da sieht man, wo wir herkommen und wo unsere Wurzeln sind.

Welches eurer Stücke kommt beim Publikum am meisten an?

Natürlich warten viele schon auf den „Skandal“, das verpulvern wir also nicht gleich am Anfang. Die München-Themen waren immer sehr gefragt. Das Lebensgefühl von München, das alte Schwabing, war damals meine Zeit. Dort hatte ich mein Studio.

„Sommer in der Stadt“ – gönnt ihr euch immer noch eine Maß in der WaWi, am Chinaturm, sitzt ihr high auf dem Monopteros oder flaniert auf der Leopoldstraße?

(lacht) Nein, eher weniger. Ich bin kein Biertrinker und rauche nicht. Ich bin nicht so der Biergartengänger. Ich geh immer mal wieder durch Schwabing. Und fühle nach, wie das damals war, in Hippiezeiten, wo wir noch mit langen Haaren rumgelaufen sind.

Würden Sie den Text heute anders schreiben?

Nein. Alles hat seine Zeit. Es hat sich doch nicht viel verändert. Die Leute sitzen immer noch am Chinaturm und klopfen auf ihrer Gitarre am Monopteros.

Ein Blick in die Zukunft?

Ich spiele, bis es mi owidraht. Wichtig ist, dass wir g’sund bleim. G’sund sterben ist mein Tipp. Mein Vater ist mein Vorbild, der ist gerade 96 geworden. Und dass es vielleicht doch mal einen Frieden gibt. Es wieder ein Leben gibt, wie es mal war.

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Zur Person

Günther Sigl wurde am 8. Februar 1947 in Schongau geboren, bekam mit 15 Jahren seine erste Gitarre und war fasziniert von den „Shadows“ und Cliff Richard. Gegründet hat der gelernte Bankkaufmann die „Spiders“ 1977 zusammen mit dem Fernmeldehandwerker Barny Murphy. Der Bandname kommt aus dem Elvis Presley Song „Jailhouse Rock“, in dem ein gewisser Spider Murphy einen fiktiven Gangster spielt.

Der 75-jährige Sigl hat eine 38-jährige Tochter und einen 40-jährigen Sohn. Große Freude hat Sigl mit seinem zweijährigen Enkelsohn Paul, der ihn „La-la-Opa“ nennt. Der Vollblutmusiker lebt mit seiner Lebensgefährtin in Gräfelfing.

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