Interview

„Alles kann von Idylle in die Katastrophe kippen“ –  Die Macher des neuen Dreiviertelblut-Films im Gespräch mit Hallo

Interview vor der Filmpremiere: Hallo-Redaktionsleiterin Maren Kowitz traf (von re.) Gerd Baumann, Sebastian Horn, Marcus H. Rosenmüller und Johannes Kaltenhauser (li.) im Freilichttheater am Stoa.
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Interview vor der Filmpremiere: Hallo-Redaktionsleiterin Maren Kowitz traf (von re.) Gerd Baumann, Sebastian Horn, Marcus H. Rosenmüller und Johannes Kaltenhauser (li.) im Freilichttheater am Stoa.

Hallo München hat die Macher des neuen Dreiviertelblut-Films interviewt. Regisseur Marcus H. Rosenmüller und die Musiker Gerd Baumann und Sebastian Horn über ihren gemeinsamen Film...

  • Interview vor der Filmpremiere.
  • Die Macher des neuen Dreiviertelblut-Films im Gespräch mit Hallo München.
  • Was für eine Resonanz sie sich erwarten.

Dass sie ein gutes Team sind, haben Regisseur Marcus H. Rosenmüller und die Musiker Gerd Baumann und Sebastian Horn schon bei diversen Filmproduktionen und auf dem Nockherberg bewiesen. Nun hat „Rosi“ – mit Unterstützung von Johannes Kaltenhauser – der Baumann/Horn-Band „Dreiviertelblut“ ein filmisches Denkmal gesetzt. 

Im Film sieht man die Band beim Rundlauf – wer gewinnt an der Tischtennisplatte? Marcus H. Rosenmüller: 

Eine philosophische Frage. In Wirklichkeit gewinnt mal der Florian oder der Luke, der Gitarrist. Aber zum Schluss behauptet Gerd, er hätte gewonnen. Gerd Baumann: Eigentlich muss man sagen, dass wir vier nie zusammen Rundlauf gespielt haben – das machen wir nur mit der Band. Rosenmüller: Aber es ist erbärmlich, wie oft ich gegen den Gerd verloren habe. Mit viel Pech und seinen ewigen Kantenschlägen...

Sie sind eng befreundet – war das beim Dreh ein Vorteil? 

Rosenmüller: Der Vorteil war, dass wir sehr nah an sie ran durften. Der Nachteil ist: Man will fast nicht so intim fragen, wenn man weiß, wo es weh tut. 

Johannes Kaltenhauser: Du hast es immer Freundesscham genannt... 

Rosenmüller: Wir haben sehr lange Gespräche geführt, damit wir das verlieren.

Herr Horn, haben Sie sich im Vorfeld Gedanken gemacht, was Sie rüberbringen wollen? Sebastian Horn: Gar nicht. Ich hatte vollstes Vertrauen in die Herren und war sehr spontan. Einen Moment habe ich großspurig erklärt, ich mache Eisbaden. Und ich war nackt im Eiswasser und fand es so toll, zu spüren, wie der Bach mich trägt und wollte immer weiter drinbleiben. Und irgendwann habe ich nichts mehr gespürt.

Herr Baumann, Sie sagen im Film: „Alles, was wir tun, tun wir, um nicht verrückt zu werden...“ 

Baumann: Das ist ein Gedanke, der mir in jeder Alltagssituation kommt. Jede Situation kann von jetzt auf gleich kippen, von der Idylle in die Katastrophe. In dem Bewusstsein lässt sich Glück stärker empfinden. Jeder Mensch, der schon mal was Schlimmes erlebt hat... 

Horn: Also jeder. 

Baumann: Also jeder weiß das. Und wir leben in der konstanten Verdrängung. Diese Corona- Zeit ist ein gutes Beispiel. Für ein paar Wochen waren Menschen auf der ganzen Welt geeint in dem Bewusstsein, wie zerbrechlich alles ist. Und wenn es dann vorbeigeht, heißt es wieder – übrigens die Börse ist ganz wichtig. 

In einer Zeit, in der die großen Kinofilme wegen Corona nach hinten verschoben werden, haben Sie den Starttermin vorgezogen. Was erwarten Sie sich für eine Resonanz? 

Baumann: Für mich ist es das Schönste, dass ich mir nichts davon erwarten muss. Es ist klar, dass wir nicht die direkte Konkurrenz zu James Bond sind. Ich weiß nicht, wie es euch geht – als Regisseure und Produzenten hat man einen anderen Erfolgsdruck... 

Rosenmüller: Hätten wir Erfolgsdruck gehabt, hätten wir keinen Film mit euch gemacht. Der Motor war die Begeisterung für die Themen und für die grandiose Musik.

Der ganze Film ist sehr poetisch – der Zuschauer muss sich viel selbst erklären. 

Rosenmüller: Es muss nicht alles erklärt oder begründet werden, solange man es fühlt. Das ist auch ein Verdienst vom Johannes und seiner feinen Kameraführung. 

Kaltenhauser: Da muss ich dem Wastl danken, wie nah du mich auf der Bühne im Prinzregententheater mit der Kamera an dich herangelassen hast, ich war teilweise ja wirklich fünf Zentimeter vor deiner Nase. Nur einmal habe ich eine abgekriegt. 

Horn: Da habe ich dich am Schlafittel packt und zurückgezogen. Da war’s ma dann doch zu viel.

Die Konzertausschnitte im Film sind von 2016 im Prinzregententheater und von 2018 im Circus Krone – warum diese beiden? 

Horn: Ersteres war die Chance mit den Symphonikern und mit Olivier Tardy als fantastischem Dirigenten zu spielen. Und im Circus Krone habe ich die fantastischsten Konzerte meines Lebens erlebt – Smashing Pumpkins, Faith No More, L7. 

Baumann: Das erste war ein Experiment, von dem wir nicht wussten, wie es funktioniert. Der Circus Krone ist eine der schönsten Bühnen überhaupt, ein heiliger Ort für jeden Musiker, wenn man bedenkt, wer da schon gespielt hat.

Eine Sequenz spielt in der Nockherberg-Kulisse „Zur schönen Aussicht“ 2017, Ihrem letzten Jahr als Singspiel-Macher. Ich vermisse Sie als Team beim Nockherberg... 

Horn: Ich mich auch. Die Möglichkeit, vor einem Millionenpublikum eine hintergründige, hinterfotzige Nachricht an die Leute zu schicken, wie das Volk Politik sieht, geht mir total ab. Rosenmüller: Das war eine wahnsinnig schöne Arbeit. Aber es war auch toll, dass wir die Zeit so unbeschadet hinter uns gebracht haben. Ich habe gespürt, dass ich mich nach fünf Jahren wiederhole und es war gut, dann aufzuhören.

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ZUR PERSON 

Sebastian Horn (geb. am 2.12. 1970 in Bad Tölz) wurde als Bassist und Sänger der Band „Bananafishbones“ bekannt. 2013 gründete er die Band „Dreiviertelblut“ gemeinsam mit 

Gerd Baumann (geb. am 28.8. 1967 in Forchheim). Er ist verantwortlich für die Musik zu

vielen Filmen, zum Beispiel „Wer früher stirbt, ist länger tot“ von 

Marcus H. Rosenmüller (geb. 21.7.1973 in Tegernsee). Der Kultregisseur („Sommer in Orange“, „Schwere Jungs“, „Beste Zeit“) studierte an der Hochschule für Film und Fernsehen mit 

Johannes Kaltenhauser (geb. am 8.10.1971 in Ebersberg), der 2008 die Südkino Filmproduktion gründete und als Regisseur, Produzent und Kameramann tätig ist.

MAREN KOWITZ

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