„Ab in die Natur, statt vors viereckige Kastl“

Interview mit Felix Neureuther ‒ Über die Liebe zu Bergen und Natur, ihren Schutz und sein neues Kinderbuch

Der frühere Skifahrer Felix Neureuther, 1984 in Pasing geboren, im Hallo-Interview über seine Liebe zur Natur und den Bergen und wie man sie Kindern näher bringt.
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Der frühere Skifahrer Felix Neureuther, 1984 in Pasing geboren, im Hallo-Interview über seine Liebe zur Natur und den Bergen und wie man sie Kindern näher bringt.
  • Sabina Kläsener
    VonSabina Kläsener
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Im Buch „Ixi und die Gipfelstürmer“ verbindet der frühere Skifahrer Themen, die ihm wichtig sind: Kinder in Bewegung zu bringen und den Naturschutz. Warum Emotionen dabei eine wichtige Rolle spielen, welche Bitte er als Partenkirchner an Ausflügler hat und warum er im Sommer ins Münchner Olympiastadion einlädt, verrät er im Interview.

Herr Neureuther, bis heute habe ich Wandern nicht für mich entdeckt. Wie begeistert man Kinder fürs Bergsteigen?

Es geht nicht nur ums Bergsteigen, sondern, dass man die Kinder wieder in die Natur rausbringt, sie ein Bewusstsein für die Natur entwickeln. Dass sie lernen, welche Pflanzen es gibt, wie sie mit der Natur umgehen. Zu lernen, ihren Müll wieder mit nach Hause zu nehmen. Dass die Berge etwas Einzigartiges sind, dass man sie aber auch respektieren muss.

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Manche kennen das Stempelheft, um Kinder zu Ausflügen zu motivieren. Braucht es eben einen Anreiz, um Kinder in die Natur zu bringen?

Ja, natürlich. Und man muss die Kinder früh abholen. Weil dieses Thema in der Schule im Unterricht einfach zu wenig präsent ist. Die Klimaerwärmung und was mit unserer Welt passieren wird, wird das Thema der nächsten Jahrzehnte sein. Da hat unser Schulsystem zu wenig darauf reagiert, um Kindern klarzumachen, worum es wirklich geht. Heutzutage kannst du Menschen nur für dieses Thema emotionalisieren, wenn sie die Natur erleben. Wenn sie wissen, wie ein Wald riecht oder wie es sich anfühlt, oben auf einem Gipfel zu stehen, und diese Faszination der Weite zu erleben, auch das geschafft zu haben – da baut man automatisch ein Bewusstsein auf.

Was bedeuten Ihnen die Berge?

Alles. Ich bin auf ihnen groß geworden, lebe schon immer dort. Kann mir auch nicht vorstellen, woanders zu leben. Berge bedeuten Freiheit, Ruhe und Entschleunigung. Auch Weitblick. Selbst wenn du am Meer bist, hast du dieses Rauschen. Wenn du einen Platz der Ruhe brauchst, dann sind es die Berge. Es schaffen viele nicht mehr, so eine Ruhe zu erleben. Das ganze Leben muss immer mehr, schneller, höher, weiter sein.

Und immer erreichbar sein.

Genau. Oben auf den Bergen ist es noch so, wie es mal ursprünglich war. Das ist diese Ursehnsucht des Menschen, dieses Gefühl zu haben.

Beim Thema Nachhaltigkeit gibt es auch die Frage der Generationengerechtigkeit: Wie können auch künftige Generationen die Natur genießen?

Wenn wir darauf aufpassen und die nächsten Generationen darauf vorbereiten, was dieses Thema anbetrifft. Das hat auch nichts mit Gerechtigkeit zu tun, nur weil wir das früher anders machen konnten, und die das nicht mehr so – das tut nichts zur Sache. Es geht um die Welt, es geht um deren Zukunft, wie gesund sie ist. Da müssen wir schon die Kleinen emotional darauf vorbereiten.

Sie wohnen in Garmisch, einem Ort, der von Stau geplagt ist. Nun werden neue Tunnel gebaut, die den Individualverkehr fördern, nicht die Bahn. Eine vertane Chance?

Man muss definitiv versuchen, den Bahnverkehr auszubauen, weil das das Nachhaltigste ist. Es war im Rahmen der Olympiabewerbung geplant, eine neue Bahnlinie beispielsweise zwischen München und Garmisch-Partenkirchen zu bauen. Da die Bewerbung nicht zustande kam, war auch das Thema vom Tisch. Das ist sehr schade. Bei uns ist es rein verkehrstechnisch absolut am Limit. Da ist eine Chance vertan worden. Aber wenn sich jeder bewusst wird, worum es geht, und sein Leben danach ausrichtet, dann kann man viel erreichen. Nicht zu den absoluten Stoßzeiten fahren, sich zusammentun.

Ihrer Bewegungsinitiative lockt mit einen Wettbewerb, der im Sommer bei den Championships in München sein Finale feiern wird. Welche Rolle spielt der Wettkampf für die Sportbegeisterung?

Du musst den Menschen Ziele geben, eine Motivation mitgeben, wenn du möglichst viele erreichen willst. Mit den Beweg-dich-schlau-Championships wollen wir möglichst viele Kinder erreichen. Der Bewegungsmangel ist enorm, Corona hat das beschleunigt. Bei uns früher war der Spielplatz draußen die Natur, heute ist der Spielplatz ein viereckiges Kastl namens Computer oder Smartphone. Wir müssen es schaffen, sie in die Natur zu bekommen, dass sie sich bewegen.

Ihr Titelheld heißt Ixi, weil Ihr Neffe Schwierigkeiten hatte, Felix auszusprechen. Warum wurden Sie in der Schule Fuchs genannt?

Einmal habe ich auf eine Probe statt Felix Neureuther nur roter Fuchs drauf geschrieben. Da habe ich einen großen Rüffel vom Lehrer bekommen und musste hundert Mal meinen Namen an die Tafel schreiben. Das ist noch sehr präsent. Fuchs war eher von Felix abgeleitet.

Also nicht, weil Sie die Schlauberger-Fragen gestellt haben?

Ich hab sie weder gestellt noch beantwortet.

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Zur Person

In Pasing am 26. März 1984 geboren, wuchs Felix als Sohn der Ski-Asse Rosi Mittermaier und Christian Neureuther gemeinsam mit Schwester Ameli in Garmisch-Partenkirchen auf. Wie es sich da gehört, feierte er seinen 38. Geburtstag mit der Familie beim Skifahren. Für den SC Partenkirchen startend holte er 13 Weltcupsiege, elf davon im Slalom. Seit seinem Karriereende vor drei Jahren arbeitet er als TV-Experte. Die von ihm gegründete Stiftung setzt sich mit Initiativen wie „Beweg dich schlau!“ dafür ein, dass sich Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene mehr bewegen und somit ihre Gesundheit stärken. Und, welchen persönlichen Gipfel will er noch erklimmen? „Puh, den Gipfel der Gesundheit und des Glücks“, verrät er im Interview.

Seit Ende 2017 ist Neureuther mit der früheren Biathletin Miriam Gössner verheiratet. Gemeinsam mit Tochter Matilda und Sohn Leo freuen sie sich gerade auf ein Geschwisterchen.

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