„München entwickelt sich zur diversen Stadt“

Dimitri Abold spricht in Hallo über sein Kino-Debüt, München und seine Zukunft

„Es gibt so viele 
Geschichten, die noch nicht erzählt wurden, die nichts mit Geflüchteten zu tun haben, 
sondern mit dem 
Afro-Deutsch sein.“ Dimitri Abold über die Rollenbesetzung.
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„Es gibt so viele Geschichten, die noch nicht erzählt wurden, die nichts mit Geflüchteten zu tun haben, sondern mit dem Afro-Deutsch sein.“ Dimitri Abold über die Rollenbesetzung.
  • Sabina Kläsener
    VonSabina Kläsener
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„Beckenrand Sheriff“ ist sein erster Kino-Film. Schauspieler Dimitri Abold verrät im Interview, wie die Zusammenarbeit mit Marcus Rosenmüller war, was München für ihn bedeutet und was er in der Zukunft vorhat.

Auf Jamaika geboren, in München aufgewachsen, ausgebildet in New York: Der Schauspieler gibt als Schwimmmeister-Azubi im Rosenmüller-Film „Beckenrand Sheriff“ sein Kino-Debüt. Wie er privat zum Element Wasser steht, was sich bei der Rollenbesetzung ändern muss und warum er schon immer ein „Spieler“ sein wollte, erzählt er hier.

Herr Abold, Wasser- oder Landratte?

Landratte.

Echt?

Mit Abstand. Früher als Kind habe ich das Wasser schon gemocht, aber reingehen?! Ich hab zwar einen Tauchschein bis zu 40 Meter und bin auch viele Jahre getaucht, aber...

..also fiel es Ihnen nicht schwer Sali, der panische Angst vorm Wasser hat, zu spielen?

So schlimm war es nicht (lacht). Aber ich wurde schon gefragt: Bist du dir sicher, dass du das machen möchtest?

Dann scheidet der Traumberuf Schwimmmeister aus. Wovon haben Sie als Kind geträumt?

Tatsächlich wie bei vielen kleinen Jungs: Fußballspieler. Bei mir wurde dann schnell klar, das wird nichts. Kurz war es Basketballspieler und dann wurde es der Schauspieler – immer irgendein Spieler (lacht).

Der Film ist die erste Zusammenarbeit mit Marcus H. Rosenmüller. Wie war das?

Es war ein sehr schönes Erlebnis, weil ich mit seinen Filmen aufgewachsen bin. Ich bin mit meinen Eltern, meinen besten Freunden ins Kino gegangen, um „Wer früher stirbt ist länger tot“ zu schauen, auch „Schwere Jungs“. Dann 15 Jahre später zu sagen, hey ich spiele in einem Film von Marcus Rosenmüller, das war ein kleiner Kindheitstraum, der sich erfüllt hat.

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Und wie war die Realität?

Da war ich nochmal positiver überrascht, wie nett er ist, wie viel Energie er hat, wie er sein Team antreiben kann, was für eine charismatisch führende Person er ist.

Auch jemand der eine starke Vision hat.

Definitiv. Aber nicht darauf verbissen ist, diese Vision umzusetzen, sondern auch unglaublich kollaborativ arbeiten möchte. Keine Gegebenheit in der Industrie. Ich bin froh, dass ich mein Kino-Debüt bei ihm feiern durfte. Ich habe auch unglaublich viel von ihm gelernt, sowohl vor als auch hinter der Kamera.

Zwei Kaffeeliebhaber: Dimitri Abold und Hallo-Redakteurin Sabina Kläsener.

Das Freibad steht im Film für einen Ort der Sehnsucht, der Kindheit, der geschützt werden soll. Gibt es einen Ort für Sie, der vergleichbar wäre?

Ist vielleicht etwas Klischeehaft: mein Kindheitszuhause. Das hat für viele einen hohen Stellenwert, für mich insbesondere.

Möchten Sie etwas drüber erzählen?

Da gibt’s gar nicht viel zu erzählen. Das Haus, an das ich sehr schöne Erinnerungen habe, und das wir immer noch besitzen. Aber ich bin nicht mehr dort.

Kein Hotel Mama.

Definitiv nicht mehr. Aber ich verbinde es mit Erinnerungen wie dem kleinen aufgepusteten Schwimmbecken, das wir damals „Dimihausener Freibad“ genannt haben und mit Gänseblümchen Eintritt bezahlt haben.

Sehr idyllisch. Im Film kommt es wiederholt zu Missverständnissen – nehmen wir Menschen bei Gesprächen zu viel an, haben zu feste Muster im Kopf?

Genauso. Es ist unglaublich schwierig, Narrative, die wir über viele Jahre in unserer Erfahrung mit uns genommen haben, nicht auf Menschen zu projizieren. Und dann verfehlt man sich oft im Gespräch, leider zu oft. Das ist bei allen Menschen, die sich mit der Zeit näher kennenlernen und dann merken: Oh wow, ich habe unglaublich viel projiziert. Die andere Person auch. Aber jetzt wo wir uns kennen, muss man nicht mehr diese Angst haben, dass man angegriffen wird. Dass man falsch liegt. Sondern man kann der anderen Person mit Offenheit begegnen, eigentlich mit Liebe, Akzeptanz.

Am Anfang sind Sie „der Immigrant“, dann werden Sie mehr als Mensch gesehen. Auch im Theater haben Sie mit diesem „Label“ gespielt. Ist es etwas, mit dem Sie sich beschäftigen, was Rollenbesetzungen angeht?

Klar, man bemerkt innerhalb der Industrie, an dem Punkt, an dem wir noch sind, dass diese Art von Rollen auf einen zukommen. Es ist leicht, alles in eine Kiste zu packen. Was beachtet werden muss: Das Grundnarrativ kann sich gleichen, aber diese Menschen sind immer irgendwie anders oder unterscheiden sich. Und mein Job ist es, diese Nuancen zu finden und so detailliert und klar abzubilden.

Müsste sich da etwas ändern?

Auf jeden Fall. Grundsätzlich wenn man es auf schwarze Schauspieler bezieht, dann muss man narrativ-inklusiver sein. Es gibt so viele Geschichten, die noch nicht erzählt wurden, die nichts mit Geflüchteten zu tun haben, sondern mit dem Afro-Deutsch-Sein, dem Afro-Amerikanisch-Sein in Deutschland und gar nichts mit dem Schwarz-Sein.

Ich war mir nicht sicher, ob ich die Frage stellen soll, ob ich in die gleiche Kerbe schlage, Sie auf diesen Faktor anzusprechen.

Es ist unglaublich wichtig dieses Gespräch zu führen, solange in unserem Kontext, Deutschland, es diese Fragen noch gibt, und es Menschen gibt, die sich über einiges nicht klar sind. Natürlich ist es schwierig, eine konkrete Antwort auf so komplexe Fragen zu haben. Ich bin grundsätzlich ein Fan davon, lasst uns die Situation oder die Fragen aufklären. Und nicht in eine Situation verfallen, in der man Angst hat, diese Fragen zu stellen.

Sie haben knapp fünf Jahre in New York gelebt. Wie war die Rückkehr? München darf man als Heimat bezeichnen...

Definitiv. München ist klein, im Vergleich zu New York auf alle Fälle. New York lebt ja schon seit geraumer Zeit von der Diversität. Man braucht nur fünf Minuten gehen und bekommt einen neuen kulturellen Kontext mit. Und das hat man in München nicht. Ob jetzt leider, kann man diskutieren. Daher war es jedes Mal, wenn ich zurückgekommen bin ein „oh wow“, hier ist alles ein bisschen einheitlicher, aber nicht unschön. Anders. Die Stadt entwickelt sich zu einer sehr diversen Stadt. Vielseitiger. Und mit jedem Mal ist mir das mehr aufgefallen.

Das ist Ihr Film-Debüt. Was sind Ihre Pläne? Gibt es eine Richtung, in die Sie jetzt gehen möchten?

Nein, mir ist es wichtig, mich breit aufzustellen, nicht nur schauspielerisch sondern auch künstlerisch. Also ist einerseits der Plan, schauspielerisch einfach Geschichten zu erzählen, die noch nicht erzählt sind. Aus Perspektiven, die noch nicht erzählt wurden. Ob das jetzt im Theater ist oder im Film oder Fernsehen ist mir eigentlich gleich. Ich liebe Projekte und ich arbeite nach Projekten. Ich probiere mich auf der Drehbuch-Schiene aus, Produktion, auch verschiedene andere Medienplattformen, die mit den Themen wie Diversity zu tun haben. Ich versuch mich da breit aufzustellen.

Einfach weil man beim Schauspiel nicht weiß, wie es weitergeht oder einfach weil es Sie interessiert?

Weil es mich interessiert. Wir befinden uns in einer Zeit, in der wir multidisziplinär arbeiten sollten. Auch wegen der Menge an Kreativität und Innovation. Als Künstler versucht man immer, etwas Neues zu entdecken. Es wurde in den letzten Tausenden von Jahren schon so viel gemacht, wie findet man was Neues? Wenn man mit der Zeit mitgeht, merke ich: Mediensynthese.

Möchten Sie das kurz erklären?

Für mich ist es die Zusammensetzung und Zusammenarbeit von zwei verschiedenen Elementen. Lass es Film und Theater sein, das sieht man derzeit eh häufig. Oder Film und Gemälde kombiniert, ein Fashion-Event und Kunst.

Weil es sich auch einfach befruchtet.

Ja, genau.

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ZUR PERSON

Auf Jamaika 1995 geboren, kam Dimitri Abold als Dreijähriger nach München, besuchte die Munich International School in Starnberg. 2013 zog es ihn zum vierjährigen Schauspielstudium nach New York. Nach seiner Rückkehr an die Isar gab er im Münchner Polizeiruf sein TV-Debüt.

In der Komödie im Bayerischen Hof war er 2019 in „Wer hat Angst vorm weißen Mann“ zu sehen. Theaterpädagogik liegt ihm am Herzen: „Welche befreiende Wirkung das Theater, das Spielen hat – vor allem in Entwicklungsjahren zwischen zwölf und 18.“ Kinder könnten so auf offene Art gebildet und ihre Kreativität angeregt werden.

„Ich liebe Kaffee, habe eine Kaffeesucht“, gesteht er im Interview. Auf der Jagd nach neuen Kaffee-Spezialitäten treibt es den Aubinger in Cafés vom Gärtnerplatz über das Westend bis nach Giesing.

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