1. hallo-muenchen-de
  2. Interviews

Münchner Kabarettistin Constanze Lindner im Interview über Krisen, Selbstliebe und die diesjährige Wiesn

Erstellt:

Von: Claudia Theurer

Kommentare

„Auch zuhause brenn und brenn ich und mein Mann passt auf, dass nichts anbrennt“, sagt Constanze Lindner.
„Auch zuhause brenn und brenn ich und mein Mann passt auf, dass nichts anbrennt“, sagt Constanze Lindner. © Martina Bogdahn

Für die Münchner Kabarettistin ist das ganze Leben ein „Miss Verständnis“, wie ihr neues Buch verlautbart. Warum das so ist und wie sie damit umgeht, was sie aus der Pandemie gelernt hat und ob sie heuer wieder beim „betreuten Trinken“ auf der Wiesn mit dabei ist, erklärt die gebürtige Schwabingerin im Hallo-Interview.

Frau Lindner, liebe „Miss Verständnis“, in Anbetracht der jetzigen Situation könnte man meinen, das ganze Leben ist ein Missverständnis, oder?

Die Coronazeit ist einfach ein absoluter Wahnsinn! Ich habe trotz zweifacher Impfung und Booster eine heftige Covid-Erkrankung gehabt. Ich hoffe, dass ich jetzt einigermaßen immunisiert bin.

Und jetzt noch Krieg...

Es ist einfach unfassbar, dass wir jetzt die größte Krise seit dem Zweiten Weltkrieg haben. Ich bin wirklich ein Optimist und habe versucht, die letzten zwei Jahre durchzuhalten. Und jetzt passiert so was. Ich bin fassungslos.

Wie waren denn die vergangenen Jahre für Sie, ohne Bühne, ohne Auftritte, ohne Einkommen?

Ich bin schon sehr ausgebremst worden, aber im Vergleich zu manchen meiner Kollegen hatte ich das große Glück, mit dem „Vereinsheim Schwabing“ eine eigene TV-Sendung zu haben.

In Ihrem Buch schreiben Sie, dass Frauen meinen, sie müssten für alles Verständnis haben. Woher kommt denn dieser Irrglaube?

Das weiß ich nicht. Wir Frauen sind schon diejenigen, die immer alles am Laufen halten. Aber wir wachsen auch mit so gewissen Vorurteilen auf, wir müssen immer gut aussehen, können nicht mit Geld umgehen, sind die schlechteren ­Autofahrer...

Hallo München verlost zehn Exemplare von Constanze Lindners neuem Buch „Miss Verständnis“.

Aber woher kommt das?

Die Gesellschaft entwickelt sich leider zu langsam. Wenn man bedenkt, dass verheiratete Frauen ja erst ab 1969 voll geschäftsfähig wurden, fasst man sich doch an den Kopf. Das war geschichtlich erst vorgestern... Ich denke manchmal, viele Frauen machen sich immer noch selber klein.

Sind Sie und Ihre Protagonistin im Buch gute Freunde geworden und gehen durch dick und dünn?

Ja so ist es. Ich habe zum Beispiel vor vier Jahren aufgehört, Menschen zu werten. Es tut anderen und einem selber nicht gut.

Und die Wiesn? Da waren Sie ja auch als rasende Reporterin unterwegs?

Ich finde es interessant, dass sich OB Reiter so querstellte. Ich konnte mir früh vorstellen, dass die Wiesn in gewisser Form wieder stattfindet. Womöglich unter der Kategorie „betreutes Trinken“ (lacht). Als echtes Münchner Kindl vermisse ich die Wiesn sehr.

Vergeht einem momentan nicht die gute Laune?

Ich bin ein kleines Kraftwerk, das immer in Betrieb ist und viel Liebe verteilt. Ich muss sagen, dass ich in dieser schweren Zeit mehr bei mir angekommen bin und gemerkt habe, was wirklich wichtig ist im Leben.

Und das wäre?

Dass man sich selber lieb hat. Es war aber nicht immer leicht. Viele haben gesagt: Jetzt haben die Künstler ja zwei Jahre Urlaub gehabt. Denen war aber nicht klar, dass hier auch Existenzen kaputt gegangen sind.

Sind Sie denn schon wieder in der Normalität angekommen?

Nein, auf keinen Fall. Ich glaube, die Normalität, die wir alle kannten und uns wünschen, wird noch eine Weile auf sich warten lassen. Die Leichtigkeit, sich wieder zu begegnen oder Partys zu feiern, das wird noch ein bisschen dauern. Man merkt es auch an den Veranstaltungen. Die Leute dürfen zwar wieder kommen, aber sie können noch nicht so schnell loslassen. Aber gut, wir sind erwachsen, die junge Generation hat noch mehr gelitten.

Inwiefern?

Ja, die armen Jugendlichen, da bleibt ja alles auf der Strecke, die erste Liebe, der erste Kuss – die habens richtig abgekriegt. Das tut mir so leid. Hoffentlich finden die sich wieder. Und werden nicht komplett vom Netz verschluckt. Und den Kindern wurde ein Stück unbeschwerte Kindheit genommen.

Was haben Sie für sich aus der Pandemie gelernt?

Ich habe mich darauf konzentriert, was wichtig ist im Leben. Und das sind Gesundheit, Familie und Freunde. Das sind Werte, die ich in den letzten Jahren ein bisschen vernachlässigt habe. Wir können uns glücklich schätzen, in Deutschland zu leben und dass es uns so gut geht.

Wie hält es Ihr Mann mit Ihnen aus? Sind sie zuhause auch so aufgedreht?

Jaaa (lacht). Er ist ein Morgenmuffel und ich bin ein Duracell-Hase. Aber er ist für mich der Fels in der Brandung. Ich bin ein biologisch abbaubarer Heizpilz. Ich brenn und brenn und brenn. Und er passt auf, dass nichts anbrennt.

Wir verlosen zehn Exemplare von Constanze Lindners neuem Buch „Miss Verständnis“.

Zur Person

Constanze Lindner wurde am 16. April 1973 in München geboren. Die gebürtige Schwabingerin wohnt seit zehn Jahren mit Mann und Mops am Wörthsee. Letzterer hört auf den Namen Bruno Opel. Woher sie ihren Wahnsinns-Optimismus nimmt, erkärt Lindner so: „Ich bin kreativ und lustig groß geworden. Bei uns war alles a bissl kunterbunt. Wir sind alle lieb miteinander umgegangen. Und das hat mich geprägt.“ Während der Corona-Zeit hat sie zusammen mit Michi Altinger, Alex Liegl und Gabi Rothmüller das „einzig wahre Bonnie & Clyde“-Stück „Ratatata“ geschrieben und produziert. Außerdem moderiert die 49-Jährige die BR-Sendung „Vereinsheim Schwabing“, die heuer ihr zehnjähriges Bestehen feiert. Seit 2010 ist das „Stanzerl“, wie sie liebevoll genannt wird, für das Bayerische Fernsehen als rasende Reporterin auf der Wiesn unterwegs.

Auch interessant

Kommentare