Hallo Interview

„Männer dürfen altern, Frauen nicht“ ‒ Schauspielerin Bianca Hein im Gespräch mit Hallo München

Schauspielerin Bianca Hein kehrt nach Jahren bei „SOKO München“ zum Theater zurück.
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Schauspielerin Bianca Hein kehrt nach Jahren bei „SOKO München“ zum Theater zurück.
  • Sabina Kläsener
    VonSabina Kläsener
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In Saarbrücken geboren, seit vielen Jahren wohnhaft an der Isar: Nun steht die Schauspielerin in der Komödie im Bayerischen Hof erstmals auf einer Münchner Bühne. Über die Rückkehr zum Theater, ihre Zeit bei „SOKO München“ und warum sie die IJB in der Blutenburg so schätzt, spricht sie hier.

Frau Hein, ursprünglich kommen Sie aus dem Saarland, wohnen seit vielen Jahren in München. Sehen Sie sich selbst als Münchnerin?

Nein, ich bin Saarländerin, das ist meine Heimat und ich schätze mein Bundesland sehr. Wahlmünchnerin deshalb, weil ich einfach gerne hier bin. Die Stadt bietet so viele Möglichkeiten und es lässt sich hier, insbesondere mit Familie, sehr schön leben – auch beruflich. Auch eben mal zum Skifahren oder kurz nach Italien klappt ohne größere Planung. Das ist Freiheit und macht die Dinge irgendwie unbeschwerter.

Nach längerer Zeit kehren Sie auf die Theaterbühne zurück. Warum jetzt?

Das kam überraschend. Ich bin für eine Kollegin eingesprungen, ein anderes Projekt wurde nicht realisiert, somit hatte ich glücklicherweise Zeit. Seit meinem Studium war ich im Engagement. Während der Dreh­arbeiten bei der SOKO München war es schwer, „nebenbei“ etwas anderes zu tun. Und wenn ich mal frei hatte, war es mir wichtig, Zeit mit meiner Familie zu verbringen.

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Sie haben nach Jahren „SOKO München“ verlassen, die Serie wurde nicht lange danach eingestellt. War es wichtig, dieses Kapitel selbstbestimmt schließen zu können?

Es ist immer gut, selbst entscheiden zu können. Als ich mich von der „SOKO“ verabschiedet habe, hat keiner über ein Ende nachgedacht. Es war ein riesen Schock. Die Serie gehörte zu München, seit über 40 Jahren. Im Präsidium an der Ettstraße fühlte ich mich willkommen. Da standen auch mal Bilder von uns. Wir haben oft dort gedreht – die Polizei war uns immer wohlgesonnen und hat uns auch beim Dreh unterstützt. Am Set konnten wir immer erkennen, wann ein Polizist echt war und wann ein Komparse. Das lag tatsächlich nicht an der Uniform, sondern an der Ausstrahlung.

Wie kam es zum Abschied?

Nach 13 Jahren Dienstzeit, mit Anfang 40 und dem Gefühl, dass sich meine Figur nicht mehr weiterentwickelt, dachte ich mir: Wenn nicht jetzt, wann dann? Trotzdem war es schlimm, und ich konnte es nicht glauben, als ich dann von dem Ende erfuhr. Ein echter Verlust für die Stadt.

Seitdem spielen Sie vor allem Gastrollen. Was macht deren Reiz aus im Vergleich zu Hauptrollen?

Als Schauspielerin ist es schön, unterschiedliche Charaktere spielen zu dürfen. Und es hat auch mit dem Angebot zu tun. Was bei Frauen ab Mitte 40 noch immer dünn ist. Dabei ist es nach wie vor überhaupt nicht nachvollziehbar, warum es nicht mehr gute Serien für Frauen in meinem Alter und darüber gibt. Jenseits der üblichen Kommissarin und Mutterrolle passiert eine ganze Menge. Das ist ein grundsätzliches Problem im Film- und Fernsehgeschäft. James Bond wird auch älter und hadert mit seinem Körper. Aber die Frauen an seiner Seite bleiben jung. Männer dürfen altern, Frauen nicht.

Sie sind zweifache Mutter, haben sich in einem Interview Ende 2019 auf mehr Zeit mit der Familie gefreut. Wie geht es Ihnen nach zwei Pandemie-Jahren?

Ich hatte noch nie so viel Zeit für meine Familie, worüber ich froh bin. Denn ich habe gemerkt, wie wichtig es war, da zu sein. Die Kinder waren zum Teil überfordert und verloren, kamen mit dem Schulpensum und der Isolation nicht zurecht. Mein Sohn war frisch in die erste Klasse gekommen, meine Tochter aufs Gymnasium. In dieser irren Situation habe ich mich gefragt, was all die Kinder machen, deren Eltern nicht da sein können oder alleinerziehend sind. Wie haben sie das geschafft? Generell hatte ich viel nachzuholen. Sachen, die über die Jahre liegengeblieben sind. Aber ich arbeite auch sehr gerne, das hat mir dann auch gefehlt.

Sie haben beim Vorlesetag in der Schule Ihres Sohnes mitgemacht. Wie wichtig ist Lesen für Kinder?

Es eröffnet ihnen unendlich viele tolle Welten, in die sie eintauchen können, ohne Smartphone und Computer. Es ist so wichtig, dass wir mit den Kindern lesen oder sie dazu animieren, ein Buch in die Hand zu nehmen. Sich die Ruhe gönnen und die eigenen Bilder im Kopf entstehen lassen. Das fördert die Kreativität, die Sprache, den Charakter und ist der Grundstein für jede Bildung.

Fürs Fernsehen haben sie auch einen Beitrag zur Jugendbibliothek in der Blutenburg gedreht.

Was für ein Schatz ist die Internationale Jugendbibliothek! Im Keller gibt es ein Labyrinth mit über einer halben Million Büchern in 150 Sprachen. Und das hier in München. Überhaupt ist die Blutenburg mit dem Museum, der wunderschönen Schlossschänke, den Schwänen und Enten ein perfektes Ziel für einen Ausflug.

Zur Person

Mit fünf Jahren stand Bianca Hein, geboren am 9. September 1975 in Saarbrücken, erstmals auf der Bühne. Diese Zeit prägte sie – so sehr, dass sie Schauspielerin werden wollte. Sie bekam Gitarren- und Klavierunterricht und sang im Kinderchor des Saarländischen Staatstheaters. Nach dem Abitur studierte sie an der Folkwang-Hochschule in Essen Schauspiel, Gesang und Tanz. Hein spielte Theater in Düsseldorf und Aachen, wo sie 2000 mit einem Nachwuchsförderpreis ausgezeichnet wurde.

Mit Hauptrollen in „Unter uns“ und in „Verliebt in Berlin“ etablierte sie sich im TV, bevor sie ab 2006 für „SOKO München“ vor der Kamera stand. Bianca Hein lebt mit Mann und zwei Kindern im Münchner Westen. In der Corona-Pandemie hatte sie mehr Zeit für die Familie: „Am Anfang habe ich meinen Beruf überhaupt nicht vermisst, es gab so viel zu tun.“ Doch ganz ohne das Schauspielen geht es nicht: „Wenn ich arbeite, bin ich einfach ein glücklicher Mensch und auch zuhause sehr viel erträglicher.“

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