„Lockdown? Für mich total uninspirierend!“

Amy Macdonald über ihr neues Album, Corona und ihre Zukunft

Amy Macdonald kann es nicht erwarten, ihre Münchner Fans wiederzusehen.
+
Amy Macdonald kann es nicht erwarten, ihre Münchner Fans wiederzusehen.
  • Sabina Kläsener
    VonSabina Kläsener
    schließen

Warum die Singer-Songwriterin lieber über ihr Umfeld statt Corona singt und wie sie als Ehefrau eines schottischen Erstligaspielers zum FC Bayern steht, verrät sie im exklusiven Hallo-Interview.

Bereits mit ihrem Debüt eroberte die Sängerin die Chartspitze. Mit ihrem fünften Album im Gepäck stehen nun nach der Corona-Pause endlich wieder Live-Konzerte an. Ein Gespräch über die Lieder, die sie dann nach München mitbringt, wie sie als Glasgow-Rangers-Fan zum FC Bayern steht und eine mögliche Zukunft im Reisebüro.

Frau Macdonald, Sie haben das Album bewusst während der Pandemie veröffentlicht, während andere Künstler verschoben haben. War das die richtige Entscheidung?

Ja, ich denke schon. Sonst würden wir wahrscheinlich immer noch warten. Es war keine leichte Zeit, ein Album herauszubringen. Alle wollten nur über die Pandemie reden. Aber ich bin froh, denn ich habe tolle Rückmeldungen von den Fans bekommen. Viele haben berichtet, wie sehr es ihnen geholfen hat, wie sie es genossen haben, ein neues Album zu hören, als sie zuhause waren.

Ich habe gelesen, Sie wollten kein Lockdown-Album machen, weil keiner in zwei Jahren davon noch etwas hören will. Andere Musiker beschreiben es als eine sehr kreative Zeit, für Sie also nicht?

Ich glaube, diese Menschen sind ehrlich gesagt verrückt (lacht). Es war die uninspirierendste Zeit, weil alle nur zuhause gesessen sind. Niemand ist irgendwo hin, man hat keine Freunde getroffen, es gab keine Geschichten zu erzählen. Ich würde es hassen, Songs zu schreiben, mit denen auf Tour zu gehen, über diese zu sprechen und dann geht es nur um die Pandemie, die eh schlimm genug war.

Auf dem Album geht es auch um Ansprüche, wie immer erreichbar sein zu müssen. Wie entkommen Sie dem?

In der Musikindustrie kann das hart sein, denn die Menschen erwarten viel von dir. Du musst selbstsicher sein und froh, wenn du einen Fuß in der Tür hast. Es gibt Zeiten, da denkst du, ich mache die eine Sache, dann das, dann das. Am Ende hat man keine Zeit für sich oder anderes. Ich schaue, dass der Spaß nicht zu kurz kommt.

Verlosung: Gewinnen Sie Karten für Amy MacDonald im Zenith München

Sie singen auch über mentale Gesundheit. Ein Song wurde von Freunden, die zu kämpfen hatten, inspiriert. Für diese war es eine Überraschung. Wie haben sie reagiert?

Ich bin froh, dass ich so großartige Freunde habe, die mich unterstützen und sich darüber freuen, wenn ich in meinen Songs ihre Geschichten erzähle. Sie waren sehr bewegt. Es passieren nun mal schlimme Dinge. Darüber einen Song zu schreiben, kann aus etwas Negativem etwas Gutes machen. Vielleicht gibt es Menschen, die sich den Song anhören, die dasselbe erleben und denen der Song zeigt, sie sind nicht alleine. Oder die sich dadurch besser fühlen.

Sie sind Fan der Glasgow Rangers. Hoffen Sie darauf, dass die mal gegen den FC Bayern spielen?

Ich habe tatsächlich schon mal ein Spiel vom FC Bayern gesehen. Es war sehr kalt, kurz vor der Winterpause. Es ist ein beeindruckendes Stadion. Mein Mann ist Fußballer und hat schon mal gegen den FC Bayern im UEFA Pokal gespielt. Das war ziemlich cool für ihn.

Sind die Bayern dann ein rotes Tuch zuhause?

Oh nein, ich freue mich immer, wenn die deutschen Teams gut spielen.

Mit 19 schafften Sie den Durchbruch. Ihr Gewicht und Ihre Gesundheit wurden kommentiert. Heute zeigen Sie sich auf Instagram ungeschminkt, verschwitzt nach dem Sport. Machen Sie sich um Kommentare keine Gedanken mehr?

Tatsächlich mache ich das nicht mehr. Als ich jung war, gab es viele Kommentare über mein Aussehen, die mich angegriffen und beeinflusst haben. Ab einem gewissen Alter interessiert es einen nicht mehr und genau an dem Punkt bin ich gerade. So bin ich, wenn Leute das nicht mögen... Ich werde nicht versuchen, sie zufrieden zu stellen.

Haben Sie einen Rat für junge Sängerinnen?

Es ist ein hartes Geschäft. Grundsätzlich ist es das Beste, sicherzustellen, dass man von guten Menschen umgeben ist. Es gibt viele Menschen im Musikbusiness, die nicht gut sind. Es macht einen großen Unterschied, wenn du Menschen um dich hast, die du kennst, die du magst und denen du vertraust. Das war das Wichtigste für mich.

Ein Blick in die Zukunft: Wollen Sie Musik machen, bis Sie 70 sind, wie Ihr Idol Bruce Springsteen?

Ich glaube nicht. Dafür hätte ich nicht die Energie. Ich habe darüber noch nicht viel nachgedacht, was ich stattdessen machen würde. Ich organisiere sehr gerne, helfe zum Beispiel meinen Eltern, wenn die in den Urlaub fliegen, beim Buchen. Vielleicht mache ich also ein Reisebüro auf.

Ist Weihnachten eine besondere Zeit für Sie?

Ja, aber ich gehöre nicht zu denen, die komplett ausflippen. Ich genieße es, mit Freunden und Familie an den Feiertagen zusammen zu sein. Den Teil mag ich sehr.

Verlosung: Gewinnen Sie Karten für Amy MacDonald im Zenith München

Zur Person

Geboren wurde Amy Macdonald am 25. August 1987 im schottischen Bishopbriggs, einem Vor­ort von Glasgow. Mit 15 Jahren stand sie dort regelmäßig auf kleinen Bühnen. Der Durchbruch gelang der Sängerin 2007 mit dem Debütalbum „This Is The Life“. Es folgten weitere Chart-Platzierungen und Preise, bevor sie im Oktober 2020 ihr fünftes Album „The Human Demands“ veröffentlichte.

Ob sie jemals auf Deutsch singen wird? Unwahrscheinlich, obwohl sie in der Schule Deutsch gelernt hat. „Gelernt ist nicht ganz das richtige Wort“, scherzt sie im Interview mit Hallo München. Ein „Guten Abend, München“, könnte beim Konzert aber trotzdem zu hören sein. Wenn auch nicht mit bairischem, sondern mit schottischem Akzent.

Macdonald lebt in Glasgow und ist mit dem Fußballer Richard Foster verheiratet, der derzeit bei Ross County in der schottischen 1. Liga spielt.

Auch interessant:

Meistgelesen

Marcus Everding: „In jedem Menschen steckt ein Künstler, man muss ihn nur wecken.“
INTERVIEWS
Marcus Everding: „In jedem Menschen steckt ein Künstler, man muss ihn nur wecken.“
Marcus Everding: „In jedem Menschen steckt ein Künstler, man muss ihn nur wecken.“
Münchens berühmtester Pfarrer wird 60: Rainer Maria Schießler geht in den Vorruhestand
INTERVIEWS
Münchens berühmtester Pfarrer wird 60: Rainer Maria Schießler geht in den Vorruhestand
Münchens berühmtester Pfarrer wird 60: Rainer Maria Schießler geht in den Vorruhestand
„Der Riedl braucht keinen Karriereschub“
INTERVIEWS
„Der Riedl braucht keinen Karriereschub“
„Der Riedl braucht keinen Karriereschub“
Comeback der 80er-Helden
INTERVIEWS
Comeback der 80er-Helden
Comeback der 80er-Helden

Kommentare