Aljona Savchenko im Gespräch mit Hallo München

„Ich wollte immer die Beste sein“

Bei der fünften Olympiateilnahme hat es für Aljona Savchenko endlich geklappt: Gold im Paarlauf in Pyeongchang.
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Bei der fünften Olympiateilnahme hat es für Aljona Savchenko endlich geklappt: Gold im Paarlauf in Pyeongchang.

Mit Gold zum Bestseller? Hallo sprach mit Aljona Savchenko über ihren Weg zum Olympia-Gold, ihr Buch und über Comeback-Pläne

München - Sie hatte alles gewonnen, was man im Paarlauf nur gewinnen konnte. Bis auf eine Medaille: die Goldene mit den fünf Ringen. Dann kam Olympia 2018. Als Aljona Savchenko mit ihrem Partner Brunot Massot eine Kür hinlegte, die in die Geschichte einging. Jetzt ist über die Eiskunstläuferin aus Oberstdorf ein Buch erschienen

Eiskunstläuferin Aljona Savchenko im Hallo-Interview

Frau Savchenko, die Olympischen Spiele in Tokio wurden wegen des Coronavirus verschoben. Was bedeutet das für die Sportler? 

Es ist mental und physisch schwierig zu verkraften. Man bereitet sich das ganze Leben lang auf den Wettkampf vor. Im Sport muss man aber mit Niederlagen umgehen können und trotzdem das Ziel weiter verfolgen. Wir sollten 2011 die Weltmeisterschaft auch in Japan laufen. Wegen Fukushima wurde der Wettkampf abgesagt und zwei Monate später nach Moskau verlegt. Es war für uns eine Katastrophe.

Die WM in Moskau haben Sie trotzdem gewonnen. 

Ja, es ist vieles Kopfsache.

Ihre Karriere begann mit drei Jahren, als Sie das erste Mal auf dem Eis standen. Wie sieht es bei Ihrer acht Monate alten Tochter Amilia aus? 

Das hat noch Zeit (lacht). Aber sie hat Socken in Form von Schlittschuhen geschenkt bekommen und war schon in meinen Armen auf dem Eis. 

Können Sie sich an Ihre erste Zeit auf dem Eis erinnern? 

Ich war mit meinem Papa auf einem gefrorenen See und er hat mir spielerisch das Schlittschuhlaufen beigebracht. Wir haben Fangen gespielt.

Wussten Sie da schon, dass Sie Eiskunstläuferin werden wollen? 

Ja, ich wusste das von Anfang an. Eiskunstlauf war bei uns zuhause ein großes Thema, wir haben das im Fernsehen angeschaut. Ich wollte schon immer so laufen können wie die Großen. Alles andere hat mich nicht interessiert. Ich wollte unbedingt immer die Beste sein.

"Eiskunstläufer haben so ihre Macken"

Zur Weltspitze gehören Sie seit über einem Jahrzehnt. 2018 klappte es auch mit dem Olympiasieg. War das in Pyeongchang die perfekte Kür? 

Wenn ich auf einen Wettkampf gehe, stelle ich mir das Programm vor. Ich stelle mir vor, wie ich es laufen möchte. Nie klappt es so gut. Bei Olympia, beim ersten Element, dachte ich mir nur: „Wow, das ist das Beste, das ich jemals gemacht habe.“ Ich musste schmunzeln. Es war wie ein Traum. Die Kür, die ich mir immer vorgestellt habe. 

Könnten Sie die Olympiakür auch sofort jetzt tanzen?

Ja, ich könnte alle Programme tanzen. 

Alle Programme? Auch die aus dem Jugendalter? 

Ja. Wenn ich die Musik höre, dann kommt jeder Schritt wieder.

In Pyeongchang hatten Sie ein kleines Kuscheltier dabei. Was hatte es damit auf sich? 

Die Puppe hat mir ein Fan extra für Olympia gestrickt. Eiskunstläufer haben so ihre Macken, wie jeder andere auch. 

Was sind Ihre? 

Glücksbringer. Und ich ziehe immer als erstes den linken Schlittschuh an. Ich habe auch gemerkt, dass ich es liebe, von links das Laufen anzufangen. Ihre Geschichte, Ihren langen Weg bis zum Olympiagold, haben Sie jetzt in ein Buch gepackt. Wenn ich Olympiasiegerin werde, dann wollte ich darüber gerne ein Buch schreiben lassen. Das ist Realität geworden. Ich möchte zeigen, dass man sein Ziel niemals aufgeben sollte. Egal, wie schwierig die Situation ist. 

"Ich vermisse die Wettkämpfe"

Zeit Ihres Sportlerlebens kämpften Sie damit, dass es kaum Sponsoren im Eiskunstlauf gibt. Was läuft falsch? 

Wir haben uns immer gefragt, warum wir als einzige Olympia- sieger keinen Sponsor haben. Das ist Wahnsinn. Ich bin der Deutschen Eislauf-Union, der Bundeswehr und der Sporthilfe dankbar, dass die uns unterstützen. Ansonsten hätten wir gar nichts.

Auch jetzt nicht? Nach Ihrem legendären Olympiasieg?

Nein, leider auch dann nicht.

Möchten Sie dennoch wieder zurück in den Profisport? Nach Olympia 2018 haben Sie eine Wettkampfpause eingelegt. Anfang des Jahres war Ihr mögliches Comeback aber in aller Munde. 

Wettkämpfe bedeuten viel für mich, ich vermisse sie. Ich würde sehr gerne zurück in den Profisport. Im Moment ist es aber wegen Corona ungewiss. Wir warten einfach nur, dass wir überhaupt wieder aufs Eis dürfen, um zu trainieren.

Sophia Oberhuber


Hallo verlost vier handsignierte Exemplare des Buchs.

Zur Person

Aljona Savchenko wurde am 19. Januar 1984 in der Ukraine geboren. Für das blonde Mädchen gab es von Kindesbeinen an nur das Eislaufen. 2003 zog sie der Karriere wegen nach Chemnitz. Zusammen mit Robin Szolkowy holte Savchenko zweimal die olympische Bronzemedaille für Deutschland. 2014 zog Savchenko nach Oberstdorf und fand in Bruno Massot ihren neuen Laufpartner. Januar 2018, Olympia in Pyeongchang: Wegen eines Fehlers am Vortag lag das Paar vor dem Finale auf Platz Vier. Ein Sieg? Zu diesem Zeitpunkt undenkbar. Doch dann zauberten die beiden eine Kür auf das Eis, die Menschen vor den Fernsehern zu Tränen rührte, Katarina Witt auf der Tribüne in Pyeongchang miteingenommen. Mit einem halben Punkt Vorsprung zum Zweitplatz- ierten erfüllte sich Savchenko an diesem Tag ihren Traum vom Olympischen Gold. Danach folgten ein Jahr Wettkampfpause, Auftritte bei „Dancing on Ice“ und die Geburt ihrer Tochter Amilia.

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