Kochen ist eine Kulturfähigkeit

Doris Dörrie über die Kultur des Kochens – in Hallo München erinnert sie sich an ihre Kindheit

Regisseurin und Autorin Doris Dörrie
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Doris Dörrie (65) spricht über die Kultur des Kochens in Hallo München.

Sie ist nicht nur Regisseurin, sondern auch eine erfolgreiche Autorin. In Hallo München spricht Doris Dörrie über das Essen ihrer Kindheit und warum die Kultur des Kochens nicht verloren gehen sollte...

  • Doris Dörrie ist auch als Autorin erfolgreich.
  • Im Interview mit Hallo spricht sie über die Kultur des Kochens und von ihrer Kindheit.
  • Hallo verlost fünf Exemplare von ihrem neuen Buch „Die Welt auf dem Teller – Inspirationen aus der Küche“

München  – Knusprige Brotkrusten, Eier von glücklichen Hühnern, Innehalten bei grünem Tee und Kindheitserinnerungen an Melonenmomente in der Kindheit – wenn Regisseurin und Autorin Doris Dörrie über das Essen schreibt, liest sich das, als umarme sie die Welt.

Als Kind ließ sie sich von ihrer Mutter mit süßer Erbsensuppe und Griesklößchen verwöhnen. Limonade hat man ihr vorenthalten. Sie lebte also schon immer gesund. Über die Kultur des Kochens spricht sie in unserem Interview.

Frau Dörrie, Sie haben das Buch Ihrer Mutter gewidmet. War sie eine leidenschaftliche Köchin und hat auch mal deftige Hannoveraner Hausmannskost serviert?

Sie war keine leidenschaftliche Köchin, weil sie neben ihrer sonstigen Arbeit jeden Tag eine sechsköpfige Familie versorgen musste und jeden Tag mittags gekocht hat. Mein Lieblingsessen war süße Erbsensuppe mit Grießklößchen und fein geschnittenem Schinken, was außerhalb von Hannover wohl niemand kennt.

Wer kochen darf, kann sich Leidenschaft leisten, wer kochen muss, eher weniger.

Doris Dörrie

Hat Sie Ihnen Rezepte vererbt oder Anleitungen zur Haushaltsführung gegeben?

Wir haben maulend mitgeholfen und sie hat mir sicherlich eine Vorstellung von gesundem Essen mitgegeben, denn bei uns gab es damals schon sehr viel Gemüse und Salat, kaum Fleisch, nie Limonade.

Sind Sie eine leidenschaftliche Köchin?

Ab und zu. Aber bestimmt nicht jeden Tag. Wer kochen darf, kann sich Leidenschaft leisten, wer kochen muss, eher weniger.

Die Vorstellung, alle Tiere, die man im Lauf seines Lebens verspeist hat, stehen plötzlich vorwurfsvoll vor einem, was kommen da für Gefühle hoch?

Darüber habe ich oft geschrieben. Diese Vorstellung sollte man sich ab und an machen, um vielleicht auch mal auf Fleisch zu verzichten und sich zu fragen, wie viel tierisches Protein man wirklich unbedingt braucht. Wir haben uns angewöhnt, sehr viel davon zu essen, wir könnten es uns zum Wohl aller – nicht nur der Tiere, auch unserem eigenen! – auch wieder abgewöhnen.

Kochen ist eine Kulturfähigkeit, und wenn wir sie verlieren, verlieren wir auch uns selbst.

Doris Dörrie

Sie sind ja oft im Ausland, vermissen Sie da die deutsche Brotkultur?

Ja, ich liebe knuspriges Brot, aber inzwischen gibt es in vielen Ländern ohne alte Brotkultur, wie zum Beispiel Japan, hervorragendes Brot.

Gibt es Speisen, die Sie an verschiedene Jahreszeiten, wie zum Beispiel Maroni im Winter, erinnern? 

Stachelbeeren und Wassermelone an Sommer, Orangen an Winter, Äpfel an Herbst, Petersilie an Frühjahr.

Sie schreiben, „In der Küche lassen sich Kultur und Struktur einer Gesellschaft ablesen.“ Wie ist das gemeint?

Daran, wie wir kochen, essen und mit Lebensmitteln umgehen, lässt sich ablesen, wie viel Wert wir dem Essen und damit unserer Umwelt und uns selbst beimessen. Kochen ist eine Kulturfähigkeit, und wenn wir sie verlieren, verlieren wir auch uns selbst.

Bei uns ist das Essen von Lerberkäs-Semmeln in der U-Bahn, Fischsemmeln im Bus Usus. In Japan wäre das ein Unding...

Es hat etwas mit der Aufmerksamkeit zu tun, die wir einem Lebensmittel entgegen bringen: Stopfen wir etwas nebenher in uns hinein oder essen wir aufmerksam und machen uns klar, wie viel Arbeit und Energie in die Herstellung dieses Lebensmittels geflossen ist, auch wie viel Leid?

Hallo verlost fünf Exemplare von ihrem neuen Buch „Die Welt auf dem Teller – Inspirationen aus der Küche“

Claudia Theurer

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