„Schatzi, eins nach dem andern“

Silja Schrank-Steinberg: Hofbräukeller-Chefin über Corona, Familie & die Wirtshaus-Wiesn 

Silja Schrank-Steinberg (49), Wiesn-Wirtin und Chefin im Hofbräukeller.
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Silja Schrank-Steinberg (49), Wiesn-Wirtin und Chefin im Hofbräukeller.
  • Daniela Borsutzky
    VonDaniela Borsutzky
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Hofbräukeller-Chefin Silja Schrank-Steinberg im Portrait: Im Hallo-Interview spricht sie über neue Wege, die Wirtshaus-Wiesn und Prioritäten von A bis Z.

Nach ihrer Familie wird Silja Schrank-Steinberg andauernd gefragt – genervt ist sie davon allerdings niemals. Gute Laune hat sie fast immer, so auch heute beim Hallo-Interview.

Herzlich begrüßt sie jeden einzelnen Mitarbeiter, der an diesem Vormittag im Hofbräukeller ankommt, mit Namen. Seit Kurzem ist sie die alleinige Chefin hier am Wiener Platz. „Ich hatte ja genug Jahre, um reinzuwachsen und meine Familie unterstützt mich immer“, so die Enkelin des Wienerwald-Gründers Friedrich Jahn.

Seit 1980 führen die Steinbergs zudem das Hofbräu-Festzelt auf der Wiesn, 2012 hat die heute 49-Jährige die Leitung übernommen. Doch heuer muss das Oktoberfest zum zweiten Mal in Folge wegen Corona ausfallen.

Wie die Pandemie Schrank-Steinberg emotional mitgenommen hat, warum die Wirtshaus-Wiesn, die am Samstag, 18. September, startet, trotzdem ein Trost ist und welche Sprüche ihr Leben prägten, verrät die Zweifach-Mama von A bis Z.

Silja Schrank-Steinberg (49), Wiesn-Wirtin und Chefin im Hofbräukeller, von A bis Z

Aloisius: Seit ich denken kann, hängt er bei uns im Hofbräu-Zelt und dreht sich. Das Zelt gehört der Brauerei, die übers Jahr alles in Containern lagert. 

Biergarten: Er ist für uns die wichtigste Stütze und eine wunderschöne Oase mit den beleuchteten uralten Kastanien. 1800 Plätze haben wir normalerweise, letztes Jahr waren es 800, inzwischen sind wir wieder bei 1500.

Culinary Ladies: Ein tolles Netzwerk, um Frauen in der Gastronomie und allem rund um Kulinarik sichtbarer zu machen. Wir unterstützen und inspirieren uns gegenseitig. 

Doppelspitze: Mein Bruder Ricky hat sich mit seiner Frau neu orientiert, seit Juli führe ich den Hofbräukeller alleine. Unsere Eltern unterstützen seine und meine Projekte weiterhin, und ich bin jeden Tag dankbar für diese tolle Familie. 

Erfolg ist für mich, wenn ich zufrieden bin, mit dem was ich tue. Wenn ich am Abend sagen kann, das war ein guter Tag. 

Fußstapfen: Mich hat es nie unter Druck gesetzt, die Steinberg-Tochter zu sein. Meine Eltern sind meine größten Vorbilder. Mein Stil hebt sich vielleicht nicht groß von ihnen ab, aber ich habe nie versucht, eine Kopie zu sein. Wie wir sind, wurde uns wohl allen einfach in die Wiege gelegt.

Geschäftsführung: Chefin sein ist manchmal ein bissl anstrengend, wenn 35 Leute gleichzeitig was von einem wollen. Dann denk ich an meinen Papa, der immer gesagt hat: Schatzi, eins nach dem andern.

Hausaufgaben habe ich während der Wiesn im Zelt gemacht. Natürlich wollte ich viel lieber rumlaufen. Aber oft hat mir jemand geholfen, damit es schneller geht (lacht).

Internat: Anfangs bin ich nur sehr widerwillig hingegangen und jedes Wochenende von der Schweiz heimgefahren.Als ich in der Skimannschaft war, war ich gerne dort. Ich habe Freundschaften aus der Zeit, die bis heute halten.

Jagdschlössl: Ich bin stolz auf meinen Bruder, was er draus gemacht hat. Harlaching ist kein einfaches Pflaster, um sich zu etablieren. 

Kurzarbeit: Mich hat’s zamgelassen als ich letztes Jahr im März vor meinen 80 Mitarbeitern im großen Saal stand. Ich hab geheult und musste erstmal das Mikro aus der Hand geben.

Lockdown: Wir hoffen alle sehr, dass es keinen mehr geben wird. Das Schlimmste war, nie zu wissen, wie es weiter geht. Obwohl die Fluktuation in der Gastro sehr hoch ist, habe ich durch Corona nur zwei Mitarbeiter verloren, eine kommt als Aushilfe zurück. Ich habe wirklich ein tolles Team.

Münchner Kindl war ich von 1995 bis 97. Neben Christian Ude, den ich bis heute sehr schätze, auf dem Fass sitzen zu dürfen, empfand ich als Privileg. Nach dem Anstich im Schottenhamel ging es aber gleich ins eigene Zelt. 

Nachwuchs: Meine Kinder sind das Wichtigste für mich, sie haben immer Prio eins. Ich würde sie nie zwingen, ins Familiengeschäft einzusteigen – aber es würde mich natürlich schon freuen. 

Ohne Wiesn fehlt was. Und ohne unseren Herrgott geht’s für mich nicht.

Pferde-Allergie: Als ich Münchner Kindl wurde, habe ich keinem erzählt, dass ich gegen Pferde allergisch bin. Unter meiner Kutte hatte ich lauter Tempos versteckt und musste dauernd aufpassen, dass ich das Pferd ja nicht anlang und mir dann ins Gesicht fasse.

Quelle meiner Kraft sind meine Familie, Freunde und mein Glaube. 

Rat: Man sollte immer authentisch sein und andere so behandeln, wie man selbst behandelt werden möchte. 

Stiftung s’ Münchner Herz: Die Stadt hat uns so viel gegeben, deswegen wollten meine Eltern der Stadt etwas zurückgeben. Letztes Jahr ist die Stiftung zehn Jahre alt geworden, das Jubiläum holen wir heuer am 13. Oktober mit einem Konzert im Prinze nach.

Traditionen: In Bayern gibt es viele schöne Traditionen, die man nicht aufbrechen sollte. Ich finde es schade, wenn man nicht mehr Christkindlmarkt oder Nikolaus sagen soll. Ich liebe Traditionen, wir haben in der Familie viele, wie unseren Heringssalat an Weihnachten. 

Urlaub kommt leider viel zu kurz. Im Winter gehe ich am liebsten Skifahren und sonst hab ich im Urlaub einfach gerne meine Ruhe. 

Veggie: Wir haben mittlerweile vegane Fleischpflanzerl und einen veganen Burger auf der Karte, beides schmeckt hervorragend. Für mich geht nichts über einen Schweinsbraten, wir werden nie ein vegetarischer Biergarten, aber Alternativen bieten ist nie schlecht. 

Wirtshaus-Wiesn: Ich freu mich total drauf! Wir machen eine Hopfen-Deko wie im Zelt, die Speisekarte wird inhaltlich und optisch wie im Zelt, jeden Tag gibt’s Live-Musik und ich sehe hoffentlich viele Wiesn-Mitarbeiter und Stammgäste wieder. 

Xanthippe: Zickig werde ich eigentlich nie, höchstens sauer. Dann, wenn sich Menschen unnötig streiten. Mein Opa hat immer gesagt: Leben und leben lassen. 

Yeah: Begeistern kann ich mich für das Leben. Ich liebe es, mit Menschen zusammen zu sein. Und ich mach auch gerne Party. Als ich letztens im Open-Air-Club am Maximiliansplatz war, war das ein tolles Gefühl, wieder was zu erleben. 

Zeitmanagement: Ich bin eine Power-Frau und geb gerne Gas. Mir genügend Auszeiten für mich zu nehmen, da bin ich aber noch nicht, wo ich hin möchte.

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