„Scheitern ist ein Teil meines Programms“

Helmfried von Lüttichau im Hallo-Interview: Welche alten Lebensträume er wieder neu entdeckt hat

Hatte immer den Traum, sein eigenes Programm zu schreiben: Helmfried von Lüttichau.
+
Hatte immer den Traum, sein eigenes Programm zu schreiben: Helmfried von Lüttichau.
  • Claudia Theurer
    VonClaudia Theurer
    schließen

Als Polizist „Staller“ begeisterte Helmfried von Lüttichau ein Millionenpublikum. Jetzt rockt er lieber die Kabarettbühnen. Im großen Hallo-Interview spricht er darüber, wie es jetzt für ihn weitergeht.

Nach seinem Ausstieg aus der Kult-Fernsehserie „Hubert und Staller“ ist der Schwabinger Schauspieler unter anderem als Schwiegervater von Harry G. in der Serie „Der Beischläfer“ zu sehen. Im exklusiven Hallo-Interview spricht der 64-Jährige über die Rolle seines Lebens, wiederentdeckte Lebensträume, falsche Instrumente und alte Säcke.

Herr von Lüttichau, bedauern Sie mittlerweile, mit „Hubert und Staller“ Schluss gemacht zu haben?

Überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil. Ich bin glücklich über meine Entscheidung. Es passieren so viele neue Sachen...

Zum Beispiel?

Gerade drehe ich die zweite Staffel von „Der Beischläfer“ mit Harry G., der die Hauptfigur, einen Kfz-Mechaniker und Schöffen spielt (Beisitzer werden bei Gericht ironisch Beischläfer genannt, Anm. d. Red.). Die Serie spielt in einem typischen Münchner Viertel und man könnte sie ein bissl als Hommage an „Münchener Geschichten” sehen. Ich spiele darin Paul Seidl und diese Vaterrolle „alter Sack” passt wunderbar zu meinem eigenen Älterwerden.

Vermissen Sie trotzdem ein bisschen Johannes Staller und sein Team?

Ich war sieben Jahre mit großer Begeisterung dabei. Plötzlich war ich 60 und wollte was Neues machen. Natürlich vermisse ich das Team. Die Serie hat einen Platz in meinem Herzen.Vielleicht war es die Rolle meines Lebens? Ich weiß es nicht. Aber ich wollte was ändern und bin ins kalte Wasser gesprungen, ohne auch nur ein einziges Angebot zu haben. Plötzlich war ich wieder auf der Suche. Außerdem hatte ich das Gefühl, etwas Neues zu machen, hält jung.

Sie kommen aus einem alten deutschen Adelsgeschlecht, da stelle ich mir vor, wie der kleine Helmfried durch ein Märchenschloss rauscht und in einem französischen Garten rumtobt.

(lacht) Ich bin in einer dreieinhalb Zimmerwohnung mit knapp 100 Quadratmetern aufgewachsen, im ersten Stock. Allerdings hingen dort viele Ahnenbilder. Meine Mutter nannte es unser „Etagenschloss“. Wir wohnten nach Hannover, wo ich geboren bin, erst in Bremen, dann in Gilching. Mein Vater hatte einen Garten, einen Steingarten, mit dem ich überhaupt nichts anfangen konnte.

Eigentlich wollten Sie ja Rockmusiker werden.

Irgendwie habe ich immer die falschen Instrumente gespielt. Mit Blockflöte hat es angefangen, Geige hat auch nicht funktioniert, es hat nie zu einer wirklichen Qualifikation gereicht.

Und dann?

Zur Schauspielerei bin ich gekommen, weil ich in der Theatergruppe meiner Schule Erfolg hatte.

Trotzdem lässt Sie die Musik nicht los.

Mit anderen Musik zu machen, begeistert mich einfach. Ich übe grad sehr viel Gitarre. Wenn ich es schaffe, bis 80 ein passabler Gitarrist zu werden, bin ich sehr happy.

Und jetzt Kabarett?

Ja, das Programm heißt „Plugged“ und damit habe ich vor 20 Jahren schon einmal angefangen. Ein bisschen was von damals habe ich übernommen. Ich hatte immer den Traum, mein eigenes Programm zu schreiben. Den habe ich mir nun erfüllt und meine Agentur hat mich ermutigt.

Auf zum Kabarettsolo: Hallo verlost 5x2 Karten für Helmfried von Lüttichau

Um was geht es?

Um mein schiefgelaufenes Leben und wie es dazu kommen konnte, also größtenteils autobiographisch. Vielleicht ist es nicht unbedingt Kabarett, weil ich kein Kabarettist bin. Aber das Scheitern ist ja Teil des Programms.

Ihr zweiter Wohnsitz neben dem in Schwabing liegt am Schliersee...

Ich lebe mehr am Schliersee. Mich fasziniert die Natur, die Stille und wenn man durch den Ort schlendert trifft man Leute, die man kennt und mit denen man ratscht. Das Landleben dort ist überschaubarer als das in Schwabing. Es tut mir gut.

Sie sind, nach dem Krebstod Ihrer Frau vor zwölf Jahren, im Stiftungsrat der Deutschen Palliativstiftung. Was können Sie da bewirken?

Zum Beispiel dazu beitragen, dass die Palliativmedizin bekannter wird und dass sie nichts mit Sterbehilfe zu tun hat, sondern die Lebensqualität erhöht. Ich möchte das Thema in die Öffentlichkeit transportieren.

ZUR PERSON

Helmut Friedrich Wilhelm „Helmfried“ Graf von Lüttichau wurde 1956 in Hannover geboren und wuchs in Gilching bei München auf. Seine Schauspielausbildung hatte er ab 1977 an der Otto-Falckenberg-Schule in München. Ab 1980 spielte er dann, wie er einmal gestand, 15 Jahre lang „mittlere Rollen an mittleren Theatern“.

Aber eigentlich wollte er Rockmusiker werden. Seine Idole sind die Rolling Stones, Jimi Hendrix, The Doors oder Janis Joplin. Von 2010 bis 2017 spielte er zusammen mit Christian Tramitz den beliebten tolpatschigen Polizisten Johannes Staller in der Kult-Fernsehserie „Hubert und Staller“.

Nach sieben Jahren und über hundert Folgen beschloss Helmfried von Lüttichau, neue Wege zu beschreiten. So dreht er gerade die zweite Staffel der Amazon-Prime-Serie „Der Beischläfer“ mit Harry G. und feilt noch an seinem ersten Kabarettprogramm „Plugged“. Er lebt mit seiner zweiten Frau in Schwabing und am Schliersee.

Auch interessant:

Meistgelesen

„Die Bühne ist nix für schwache Nerven“
INTERVIEWS
„Die Bühne ist nix für schwache Nerven“
„Die Bühne ist nix für schwache Nerven“

Kommentare