Tänzer Michael Flatley im Hallo-Interview

Der „Lord of the Dance“ Michael Flatley im Hallo-Interview: „Wenn du Tänzer bist, gehört Schmerz dazu“

Mit „Lord of the Dance - 25 Years of Standing Ovations“ geht Michael Flatley auf große Jubiläums-Tournee.
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Mit „Lord of the Dance - 25 Years of Standing Ovations“ geht Michael Flatley auf große Jubiläums-Tournee.
  • Sabina Kläsener
    VonSabina Kläsener
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Mit „Lord of the Dance“ begeisterte der Tänzer Michael Flatley Millionen von Menschen auf der ganzen Welt. Wie sein Leben ohne das Tanzen wäre, verrät er hier.

Als ihm der Durchbruch als Tänzer gelang, war Michael Flatley 35 und arbeitete auf Baustellen. Zum 25-jährigen Jubiläum wird „Lord of the Dance“ nun neu aufgelegt – innovativ und originell.

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Herr Flatley, „Lord of the Dance“ gibt es nun seit 25 Jahren. Haben Sie eine Erklärung dafür, warum die Show nach wie vor erfolgreich ist?

(klopft sich auf die Schulter) Weil es die beste Show der Welt ist. Ich glaube das, aber es geht nicht nur um mich, sondern auch den Spirit und das Herz der Tänzer. Die arbeiten so hart. Wir kommen gerne nach Deutschland, da die Menschen wertschätzen, was wir tun, das monatelange Training, Tag für Tag.

Sie hatten beim Eurovision Song Contest 1994 mit „Riverdance“ Ihren Durchbruch. Wie sehr hat die Pausenshow Ihr Leben verändert?

Dramatisch. Ich habe zuvor auf Baustellen gearbeitet und nur davon geträumt, zu tanzen. Das hat mich angetrieben. Nachdem ich beim Eurovision aufgetreten bin, gab es Schlagzeilen in ganz Europa. Es war eine neue, aber willkommene Erfahrung. Es gab mir den Antrieb, noch mehr zu tun. Und so habe ich „Lord of the Dance“ geschaffen. Denn mit „Riverdance“ waren wir in den Theatern. Aber mein Traum war es, eine Show für jedermann zu machen.

Wie wäre Ihr Leben ohne das Tanzen?

Ich kann es mir nicht vorstellen. Jetzt, wo ich nicht mehr live auf der Bühne tanze, mache ich vieles: Ich bin Filmemacher, über mein Leben kommt eine Doku, ein Hollywood-Film ist geplant. Ich bin Flötist, arbeite an einem neuen Album. Mein Sohn ist 14 und ein großer Teil meines Lebens. Ich verbringe gerne viel Zeit mit ihm. Es passiert viel in meinem Leben, das nicht möglich gewesen wäre, wenn ich als junger Mann nicht diesen Traum gehabt hätte.

Sie kommen aus einer Tänzer-Familie, Ihre Großmutter und Mutter tanzten bereits. Ihr Sohn auch?

Nein, das möchte er nicht. Mein Sohn ist Schauspieler, Regisseur, Sänger und Flötist, spielt E-Gitarre und Klavier.

Sehr talentiert.

Er ist sehr künstlerisch. Und er ist sehr intelligent... Er muss nach seiner Mutter kommen (lacht). Er ist ein kluger, junger Mann und ich bin gesegnet, ihn zu haben.

Eine praktische Frage: Gibt es eine gewisse Anzahl von Schuhen, die man als Tänzer für eine Tournee braucht?

Auf jeden Fall. Ich konnte nur auf die Bühne gehen, wenn ich backstage fünf Paar Schuhe hatte. Der Absatz kann abfallen oder Ähnliches. Es ist der schönste und vielleicht der schlimmste Teil, eine Live-Show zu machen: Etwas kann schiefgehen, die ganze Zeit. Aber ich liebe das, denn du lebst im Jetzt. Man kann es nicht ersetzen. Eine Live-Show ist wie ein Bild, das du jeden Abend neu malst.

Das hört sich toll, aber auch anstrengend an.

Manchmal ist es hart. Aber es ist so, wie man sagt: Wenn du das tust, was du liebst, ist es keine Arbeit.

Haben Sie einen Tipp, wie man Blasen verhindert?

Man kann sie nicht verhindern. Wenn du ein Tänzer bist, gehört Schmerz dazu. Als Lead-Tänzer ist es nochmal anders, denn der ist der Einzige, der keinen Abend frei nehmen kann. Egal wie krank man ist, egal wie viele Schmerzen oder Blasen man hat. Das Publikum wartet und wenn die Lichter ausgehen, passiert etwas im Inneren eines Performers. Dein Herz schlägt, du kannst das Publikum hören, ihre Energie spüren. Diese Energie trägt dich.

Das geht nicht spurlos am Körper vorbei.

Wenn ich morgens aufstehe und mein Sohn sieht, wie ich versuche, meinen Rücken gerade zu machen... Das braucht ein paar Minuten. Aber ich bin deswegen nicht verlegen, sondern erkläre ihm: Gott hat mir diese Möglichkeit, diese Herausforderung gegeben. Ich sage jungen Menschen: Wenn du einen Traum in deinem Herzen hast, egal was es ist, egal ob andere sagen, dass es nicht möglich ist, ignoriere es. Gott würde dir nicht dieses Verlangen geben, ohne die Möglichkeit auf Erfolg. Wenn du deinen Traum folgst, bereit bist, zu arbeiten, dann ist nichts unmöglich.

Haben Sie eine besondere Beziehung zu München?

Sie ist sehr besonders. Wenn ich nach München komme, spüre ich dieses warme Gefühl, sehr europäisch. Es fühlt sich einfach richtig an. Es ist, als würdest du in eine irische Stadt gehen. Wenn ich dorthin gehe, schaue ich den Menschen in die Augen und sehe ihre Wärme. Das liebe ich.

Zur Person

In Chicago wurde Michael Flatley am 16. Juli 1958 geboren, doch seine Familie stammt aus Irland. Ist er dann ein amerikanischer Ire oder ein irischer Amerikaner? Oder ist das eine sehr deutsche Frage? Flatley antwortet lachend: „Ich glaube ich muss zum Teil deutsch sein, so viel Zeit wie ich hier verbracht habe.“ Für ihn ist klar: Er sieht sich als Ire. „Amerika ist schön, aber Irland ist mein Herz.“ Sobald er genug Geld hatte, zog er nach Irland.

Mit vier Jahren begann Flatley zu tanzen, unterrichtet unter anderem von seiner Großmutter, damals eine Spitzentänzerin des Irish Dance. Seinen weltweiten Durchbruch hatte er 1994 beim Eurovision Song Contest, für den er die fünfminütige Tanzeinlage „Riverdance“ entwickelte. Heute arbeitet er als Filmemacher, Flötist, hat das Malen für sich entdeckt und widmet sich wohltätiger Arbeit.
Mit seiner Frau Niamh O’Brien hat er einen Sohn.

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