Gisela Schneeberger im Gespräch mit Hallo München

Gisela Schneebergers Einstellung: Politisch engagieren statt nur zu debattieren

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Gisela Schneeberger darüber, wie sich ihr Viertel in den letzten 45 Jahren verändert hat: „In Schwabing gibt es heute nur noch junge hippe Leute, die oft auch rücksichtslos sind.“

Die bairische Mundart ist ihr Markenzeichen: Im Hallo-Interview spricht die Schauspielerin über bucklige und eifrige Münchner – und einen neuen TV-Kult

Von Kabarett und Komödie bis hin zu Satire und ernsten Rollen: Seit über vier Jahrzehnten spielt sich die Münchnerin durch die verschiedensten Genres. Nun kommt sie als Brauerei-Witwe ins Fernsehen. Wie sich die Stadt verändert hat, warum Til Schweiger als Lover zu alt ist und Veganer manchmal zu eifrig erscheinen, erklärt sie hier. von SABINA KLÄSENER

Frau Schneeberger, Ihre Figur Gisela Hofstetter kokettiert in „Bier Royal“ mit Klischees. Ist im Spinning, brezelt sich auf für die Homestory, hat einen Callboy. Wie viel Spaß hat es gemacht sie zu spielen?
Das Fitnessstudio finde ich sehr heutig und dass sie so einen Callboy hat, das finde ich sehr mutig, denn sie zeigt sich ja auch offen mit ihm. Sie hat auch ihre Zärtlichkeitsbedürfnisse. Ich finde an der Rolle schön, dass sie da auch mal so schwach wird. Das hat schon Spaß gemacht. Ich mag generell gern so überspitzte Situationen spielen. Das ist ja auch was leicht Satirisches.   

Auch die Presse wird teilweise satirisch dargestellt. Nicht nur eine namentliche Ähnlichkeit zu Kir Royal...
Wie ich den Titel gelesen habe auf dem Drehbuch – Bier Royal – habe ich überhaupt nicht Kir Royal assoziiert.  

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Wirklich?
Ich stehe manchmal auf dem Schlauch. Bei diesen Pressegeschichten, vielleicht kann man da Ähnlichkeiten finden. Andererseits finde ich, ist da schon nochmal eine neue Farbe drin. Allein durch diese Journalistin, die älter ist als ihr Chefredakteur, der sie immer so machohaft abkanzelt. Und diese Parallele zur Gisela, die diesen jungen Lover hat – da sind schon feministischere Elemente drin und das finde ich auch gut.   

Sie spielen sehr vielseitige Rollen. Gibt es für Schauspielerinnen ab einem gewissen Alter Beschränkungen bei der Rollenauswahl?
Bei mir sind die Rollenangebote sogar besser geworden, je älter ich geworden bin. Ich sollte mit Ende 40 eine Laudatio beim Bayerischen Fernsehpreis halten über genau dieses Thema. Die haben mir aber so einen albernen, seichten Text geschrieben. Also habe ich meine eigene Rede geschrieben und zum Beispiel vorgeschlagen: Ich wünsche mir eine Zeit, in der Inge Meysel sagt, nein, sie will nicht Til Schweiger als Lover haben, der ist ihr zu alt. Also eine Umkehrung.

„München hat sich total verändert“

„Bier Royal“ befasst sich auch mit Veganismus, der aber verspottet, belächelt wird. Ist das heute noch zeitgemäß?
Dass es verspottet und belächelt wird, das ist schon zeitgemäß, weil es die Menschen tun. Als ich von Veganismus erstmals gehört habe, fand ich es erstmal als Idee gut – überhaupt nichts von Tieren zu essen. Da ist auch ein großer Umweltgedanke dahinter. Nur habe ich inzwischen das Gefühl, dass es bei einigen eine Ersatzreligion geworden ist. Das ist mir dann manchmal zu eifrig.   

Wo wäre der Eifer vielleicht besser aufgehoben?
Wenn er umgeleitet werden würde in eine aktive Umweltpolitik. Da gibt’s bestimmt welche, die das aus diesem Gedanken auch machen. Diese jungen Leute, die vegan leben, gerade diese aufgeklärten Großstädter, die sich in Cafés treffen und zwei Stunden debattieren – wenn die sich mal politisch engagieren würden, das fänd ich viel wichtiger. Aber nicht in einer neuen, veganen Partei sondern in einer schon bestehenden. Aber das ist wie so ein Sektierertum, so als würde dadurch schon die Welt gerettet. Das finde ich tragisch, denn die jungen Leute betrifft ja die Erderhitzung viel eher als mich noch. Ich komm vielleicht grade noch drum herum. Ich habe einen Sohn, aber noch keine Enkelkinder. Aber es beschäftigt mich grundsätzlich.

Ihre Figur in „Wir sind die Neuen“ muss aus ihrer Wohnung raus und sagt: Ich kann mir diese Stadt nicht mehr leisten. Wie sehen Sie die Stadt heute, was das anbelangt?
München hat sich total verändert. In der Wohnung, in der ich heute wohne, bin ich schon seit 1974. Ich kenn diese Gegend an der Grenze von der Maxvorstadt und Schwabing eigentlich seit 1966. Damals gab es dort ein Fischgeschäft, eine Metzgerei und einen Schuster. Heute ist da nur noch ein Café an dem anderen. Natürlich sind die ganzen Leute weggezogen, die Alten, oder sind raus modernisiert worden. Überhaupt all die Menschen, die ich in meiner Kindheit gesehen habe: Alte Männer mit Stöcken, alte Menschen mit Buckel. Solche Menschen siehst du heute in der Stadt nicht mehr, als wären sie eine Zumutung.   

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Stattdessen?
Heute sind es nur junge hippe Leute, die oft auch rücksichtslos durch die Straßen marschieren. Ich habe bestimmt nichts gegen Junge, aber es gibt so eine egomanische Entwicklung, die sicher durch die neuen Medien kommt – diese ewige Selbstdarstellung. Das ist natürlich auch sehr verführerisch.

Zur Person

Gisela Schneebergers Figur Gisela Hofstetter kokettiert in „Bier Royal“ mit Klischees.

Geboren am 3. Oktober 1948, wuchs Gisela Schneeberger in Freimann auf. Nach dem Abitur begann sie ein Psychologie-Studium, das sie zugunsten einer Schauspielausbildung aufgab. Seit 1975 arbeitete sie häufig mit Gerhard Polt zusammen. Zur gleichen Zeit lernte sie auch ihren Mann Hanns Christian Müller kennen, von dem sie sich 1993 nach 18 Jahren Ehe trennte. 

Bei ihren Film- und Fernsehrollen wurde eines ihr Markenzeichen: die bairische Mundart, Erbe eines Kindheitstraumas. Zu Volksschulzeiten sprach Schneeberger wie ihre Eltern hochdeutsch. „Dann hat mir eine Mädchengang auf dem Schulweg aufgelauert und mich verschlagen von oben bis unten.“ Am nächsten Tag ging sie in die Schule und sprach Dialekt. Wann immer jemand Bairisch spricht, schaltet sie um. „Heute verdiene ich Geld damit, eigentlich müsste ich dankbar sein.“ Neben dem ZDF-Zweiteiler kann man heuer die 70-Jährige auch in der Fortsetzung von „Eine ganz heiße Nummer“ sehen.

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