Dr. Marie-Therese Schuster (39) im Interview

„Die zweite Welle trifft uns hart“ - Hallo im Gespräch mit Münchens jüngster Chefärztin

Dr. Marie-Therese Schuster (39), Münchens jüngste Chefärztin, von A bis Z.
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Dr. Marie-Therese Schuster (39), Münchens jüngste Chefärztin, von A bis Z.

Hallo hat die neue Lungenfachärztin der Helios Klinik von A bis Z interviewt. Was die  jüngste Chefärztin der Stadt über Weihnachten & Corona sagt...

Sie ist nicht nur die jüngste Chefärztin am Helios Klinikum München West, sondern in ganz München. Durch ihr Fachgebiet ist sie zudem eine der gefragtesten Medizinerinnen der Stadt.

Die gebürtige Münchnerin Dr. Marie-Therese Schuster hat jetzt die Leitung der Klinik für Pneumologie und des Lungenzentrums in der Pasinger Helios Klinik im Münchner Westen übernommen – mit zwölf stationären Betten und einem Team von rund 30 Personen aus dem ärztlichen und pflegerischen Bereich.

„Corona polarisiert und ich bin keine Virologin. Ich beteilige mich nicht an Spekulationen, halte mich bewusst zurück. Unser Team tut aber alles, um alle unsere Lungen-Patienten optimal zu versorgen“, betont die Sollnerin. Schon jetzt rechnet sie aufgrund der zweiten Covid19-Welle aber damit, dass heuer ihr Weihnachten mit der Familie ausfällt.

Wie sie den Herausforderungen als Lungenfachärztin in der Pandemie gewachsen ist, wieso sie für ihre Laufbahn über das Allgäu, Heidelberg und Hanau wieder zurück in die Landeshauptstadt gekommen ist und warum sie gerne Kinder behandelt, aber bisher auf eigenen Nachwuchs verzichtet hat, verrät sie hier von A bis Z.

Dr. Marie-Therese Schuster (39), Münchens jüngste Chefärztin, von A bis Z

Atem verschlägt es mir, wenn ich beim Skifahren bei Sonnenschein auf dem Gipfel stehe und das absolute Gefühl von Freiheit spüre.

Balance finde ich bei Yoga und Pilates. Statt Kursen bin ich nun zum „Home Workout“ übergegangen. Nicht ganz so schön – ohne Wellness.

Corona – ich kannte den Pandemie-Begriff aus dem Studium, hätte aber nicht gedacht, dass die Welt so getroffen wird, ich als Ärztin mittendrin bin. Es ist seit Monaten ein täglicher Kampf um Menschenleben. Trotz „Social Distancing“ sehe ich es als Aufgabe der gesamten Bevölkerung, im übertragenen Sinne „zusammenzurücken“ und gemeinsam alles für die Bekämpfung zu tun. Corona betrifft uns alle.

Doktorarbeit schrieb ich an der LMU München: ein Experiment mit Nasenschleimhautzellen. Irgendwie haben mich die Atemwege einfach immer fasziniert. Ich hatte eine tolle Betreuung, schloss mit „magna cum laude“ ab.

Ehrgeizig war ich schon immer. Mir wurde nichts geschenkt und oft waren die Wege schwierig. Dankbar bin ich meiner Familie. Sie hat mich stets unterstützt und bestärkt.

Freizeit genieße ich am liebsten beim Sport. In letzter Zeit war ich dafür viel mit meinem Mountainbike unterwegs oder auch bei langen Spaziergängen im Wald oder an der Isar. Sport hält fit und macht den Kopf frei.

Gesundheitsamt: Es leistet aktuell sehr viel, um die Pandemie zu bekämpfen. Ich schaue regelmäßig auf die aktuellen Zahlen. Auswirkungen der ansteigenden Infektionen spüren wir im Krankenhaus sehr schnell.

Herausforderungen hatte ich einige, aber die Entscheidung, die Position der Chefärztin des Lungenzentrums am Helios Klinikum München West zu bekleiden, war die bisher größte. Es ist eine Chance, die Patientenversorgung weiter zu verbessern.

Inhalieren sollte man bei Krankheiten der Atemwege – am besten über einen Ultraschallvernebler. So werden alle Atemwege erreicht, Medikamente können gut wirken und Sekrete lösen sich.

Jugendtraum war die Reise ans Great Barrier Reef. Nach dem Facharzttitel habe ich sechs Wochen mit dem Rucksack die Ostküste Australiens bereist.

Kinder mag ich sehr und auch fast alle Kinder mich. Ich hatte aber noch nie einen besonders intensiven Kinderwunsch. Bisher bin ich kinderlos. Aber wer weiß, vielleicht ändert sich das ja noch. Mein jüngster Patient war übrigens vier Jahre und hatte eine Nuss eingeatmet!

Lungenentzündung ist eine sehr häufige, gefährliche Erkrankung, oft verursacht durch Bakterien und Viren. Aber auch Pilze, giftige Dämpfe, allergische Erkrankungen können eine Lungenentzündung auslösen. 

Männerdomäne ist der Beruf keiner mehr. Jetzt müssen wir es nur noch schaffen, dass Frauen auch in den Führungsetagen der Krankenhäuser ankommen. Dies muss zum einen über flexiblere Arbeitszeiten gelingen, damit Kind und Job besser vereinbar werden und zum anderen müssen sich Frauen einfach mehr zutrauen!

Niemals würde ich meine Familie oder Freunde im Stich lassen. Nicht nur in medizinischen Sinn bin ich immer für sie da.

Orientierung : Mein Interesse an der Pneumologie hat sich über Jahre entwickelt. Es gab immer berufliche Wegweiser und Vorbilder. Ein Einblick in den Fachbereich überzeugte mich, Pneumologin zu werden.

Packyears (py) ist eine Einheit, um die Rauchdosis von Rauchern zu ermitteln. Dafür muss man die Anzahl der gerauchte Packungen mit den gerauchten Jahren multiplizieren. 

Qualifiziert bin ich nicht nur als Lungenfachärztin, sondern auch in meiner Sozialkompetenz – das bekomme ich aus meinem beruflichen und privaten Umfeld rückgemeldet.

Reizvoll an meinem Beruf ist die Arbeit an und mit Menschen. Dadurch ist mein Beruf abwechslungsreich und spannend. Kein Tag ist wie der Tag zuvor. Man muss immer flexibel bleiben, sich neuen Situationen anpassen. Das gefällt mir.

Sonderwünsche bei meinen Patienten versuche ich immer zu erfüllen. Sie sind meist schwer krank, haben Angst, Schmerzen und Luftnot. Wenn ich ihnen das Leben ein Stück weit leichter machen kann, dann mache ich dies.

Tatsache ist, dass ich ohne den Glauben an Gott meinen Beruf nicht durchführen könnte.

Unsicherheit betrifft mich selbst auch ständig. Durch selbstreflektiertes Handeln auf Basis von Expertise lassen sich neue Situationen gut meistern und aus der ersten Unsicherheit wird Sicherheit!

Verantwortung dem Patienten gegenüber bin ich mir immer bewusst. Der Patient legt quasi sein Leben in meine Hände. Ich kann und will mir keine Fehler vorhalten müssen. Meine Patienten sollen sich bei mir sicher fühlen und auch sein.

Weihnachten fällt für mich heuer aus, wenn ich durch meine Arbeit zu riskante Kontakte mit Covid19-positiven Patienten hatte, selbst infiziert wäre und das Risiko einer Infektion für meine Familie zu groß wird. Die Wahrscheinlichkeit ist für beides leider sehr hoch.

X -trem Situation für uns als medizinisches Personal besteht seit Februar/März. Aber die Gesellschaft wird die zweite Welle hart treffen. In den Krankenhäusern werden die Intensivkapazitäten bereits teilweise knapp, die Stimmung ist angespannt. Kapazitäten für die Behandlung von Covid19-Patienten und für Verdachtsfälle werden erweitertet. Der Teil-Lockdown kann diese Eskalation vielleicht noch ganz knapp retten, aber auch nur kurzfristig. Corona wird uns noch über Jahre begleiten.

Ypsi heißt ein Atemtrainer, der Erkrankten hilft, die Lunge zu trainieren. Damit wird das Einatmen und das Ausatmen geübt.

Zufrieden bin ich, dass meine Familie und ich gesund sind und ich beruflich genau da bin, wo ich immer hinwollte.

Marie-Julie Hlawica

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