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Ein nachhaltigeres Weihnachtsfest: „Beisammensein statt Konsum“ - worauf Sie achten können

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Von: Romy Ebert-Adeikis

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Ob die Geschenkverpackungen, den Weihnachtsbaum oder das Menü - an Weihnachten kann man vieles nachhaltiger gestalten.
Ob die Geschenkverpackungen, den Weihnachtsbaum oder das Menü - an Weihnachten kann man vieles nachhaltiger gestalten. © dpa/Franziska Gabbert

Im Vorweihnachtsstress ist der Gedanke an Nachhaltigkeit vielleicht nicht der Erste. Doch gerade dann ist er wichtig. Über ein nachhaltigeres Weihnachten...

Die Klimaerwärmung macht auch an Weihnachten keine Pause. Bei Geschenken, Braten und Lichterschmuck mag man daran vielleicht nicht so gern denken. Gleichzeitig spielt Nachhaltigkeit für immer mehr Menschen eine Rolle. Warum gerade das Fest der Liebe ein guter Anlass ist, sich darüber Gedanken zu machen und wie ein nachhaltigeres Fest in Zukunft aussehen könnte, darüber hat Hallo mit Christian Grundmann vom Münchner Verein Green City gesprochen.

Christian Grundmann von Green City spricht über Möglichkeiten für ein nachhaltigeres Weihnachtsfest.
Christian Grundmann von Green City spricht über Möglichkeiten für ein nachhaltigeres Weihnachtsfest. © privat

Herr Grundmann, wie wichtig ist es, an Weihnachten an Nachhaltigkeit zu denken? Macht das wirklich einen Unterschied?

Die Klimakrise löst man natürlich nicht mit einem komplett nachhaltigen Weihnachten. Aber so sehr wir das Fest lieben – ressourcenschonend ist es in vielerlei Hinsicht nicht. Entsorgtes Verpackungsmaterial oder Geschenkpapier fällt im Übermaß an. Gegen Ende des Jahres werden zehn Prozent mehr Müll produziert als in den Monaten davor. Ähnlich sieht es beim Energieverbrauch in der Vorweihnachtszeit aus. Die Zahl der Tierschlachtungen steigt um ein Vielfaches. Das Fest der Liebe ist ein guter Anlass, sich bewusst zu machen, welche Auswirkungen unser Handeln – Konsum, Mobilität, Lebensstil – auf unsere Mitmenschen in anderen Teilen der Welt und den Planeten hat.

Wie kann man mit einfachen Mitteln für mehr Nachhaltigkeit beim Fest sorgen?

Ein einfacher Ansatzpunkt ist die Verpackung: Wie wär’s, Geschenke in Geschenke zu verpacken? Das Buch für die Mama macht sich wunderbar im Schal für den Papa beispielsweise. Oder zumindest das Geschenkpapier aufheben und wiederverwerten. Viele Alltagsgegenstände eignen sich als Verpackung. Marmeladengläser mit einem Stoffband machen zum Beispiel echt was her.

Viele machen sich derzeit Gedanken um den Christbaum...

Für wen ein Weihnachtsbaum unabdingbar ist, der kann zumindest auf die Zertifikate und Herkunft achten. Auch ein kleineres Bäumchen im Topf ist eine Möglichkeit. Der Baum kann dann entweder gepflanzt oder nächstes Jahr wiederverwendet werden.

Und bei den Geschenken?

Wirklich wertvoll ist es doch, gemeinsame Zeit zu verbringen. Also warum nicht Gutscheine für gemeinsame Ausflüge, Kino- oder Theaterbesuche schenken? Eine weitere, nicht-materielle Idee: Viele gemeinnützige Umwelt- oder Naturschutzorganisationen bieten Mitgliedschaften als Geschenk an. Übrigens auch Green City.

Viele denken, bei Nachhaltigkeit geht es vor allem um Verzicht. An Weihnachten für manche ein rotes Tuch...

Wenn man beispielsweise daran denkt, was zu Weihnachten auf den Tisch kommt, ist doch ein fleischloses Menü längst kein Verzicht mehr. Wie wäre es denn, zumindest einen der drei Weihnachtsfeiertage vegetarisch zu gestalten? Man kann das auch als Chance sehen, als Familie gemeinsam etwas Neues auszuprobieren. Der Kern des Weihnachtsfests ist doch eigentlich sowieso das Beisammensein und nicht der Konsum. Aber klar: Wenn man einfach Sachen verbietet, wird man die Menschen nicht dafür gewinnen.

Immer mehr Menschen achten auf einen nachhaltigen Lebensstil. Glauben Sie, dass ein nachhaltiges Weihnachtsfest etwa in zehn Jahren ganz selbstverständlich sein wird?

Das wäre natürlich unser Weihnachtswunsch! Man sieht an den Produkten in den Läden, dass nachhaltige Produkte eine große Nachfrage haben. Gleichzeitig sollten wir immer wieder auf die Frage zurückkommen, was uns glücklich macht: soziale Kontakte, Erlebnisse, Freiheit, Kreativität… Wenn der Trend zu „Weniger ist Mehr“ und einem einfachen Leben weitergeht, wäre das viel wert.

Wie sähe so ein total nachhaltiges Weihnachten dann aus?

Idealerweise würden auch Lieferketten noch eine größere Rolle spielen. Also mehr darauf geachtet werden, wo Geschenk­artikel herkommen, ob sie fair und nachhaltig produziert wurden... Aber da sind wir zuversichtlich, weil sich in der Hinsicht sowieso mehr tut.

War Nachhaltigkeit vielleicht schon früher Thema? Wie die Wittelsbacher Königskinder wie König Ludiwg II. das Weihnachtsfest feierten, erfahren Sie im ersten Teil unserer Serie „Die drei Geister der Weihnacht“.

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