Münchner Kostümbildnerin ist für den Deutschen Filmpreis nominiert

Sie kreiert die Outfits für Mosi

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Mosis geliebter Doppelreiher in Szene gesetzt: Thomas Schmauser als Rudolph, Hannelore Elsner als Else Moshammer.

München – Martina Müller hat ein Auge fürs Detail: Bei unzähligen Inszenierungen hat sie das letzte Wort bei der Kleidung der Figuren – jetzt ist sie für den Deutschen Filmpreis nominiert

Für ihre Arbeit in „Der große Rudolph“ wurde Kostümbildnerin Martina Müller für den Deutschen Filmpreis nominiert.

In über 30 Filmen und unzähligen Theater-Inszenierungen hat Martina Müller die Figuren eingekleidet. Jetzt wurde sie für ihre Arbeit in „Der große Rudolph“, einem Film über das Leben von Rudolph Moshammer, für den Deutschen Filmpreis nominiert. Im Interview gibt sie Einblick hinter die Kulissen und Kostüme.

Frau Müller, was machte Rudolph Moshammers Stil aus?
Er liebte den Prunk. Er hat fast immer Doppelreiher getragen, er hat Gold geliebt, Einstecktücher. Es war immer von allem ein bisschen mehr. Thomas Schmauser in dieser Rolle einzukleiden war sehr spannend; herauszufinden, was ihn äußerlich unterstützt, mit der Figur zu verschmelzen. Es hat auch Spaß gemacht, dass man ein bisschen auf den Putz hauen konnte. Hannelore Elsner als seine Mutter Else stand einmal vorm Spiegel und hat gesagt: Das ist scheußlich schön.

Ist es leichter, Kostüme mit realem Vorbild zu entwerfen?
Ja und nein. Moshammer hätte sich niemals in Jeans und Lederjacke blicken lassen. Dann gibt es Bilder von der realen Person. Die Herausforderung ist, dass man keine Karikatur daraus macht. Der Film spielt Anfang der 80er. Und das sind nicht die 80er, wie wir sie in der Erinnerung haben. Die ganz breiten Schultern, das ganz Schrille, das war erst Mitte des Jahrzehnts.

Wie recherchieren Sie, was damals getragen wurde?
Ich sammelte ganz viele Bilder und Eindrücke. Ich habe damals gelebt und war kein Baby mehr. Das macht es leichter. Ich habe sogar Original-Accessoires von mir und einen Morgenmantel von meiner Mama im Film.

Laut Martina Müller hätte Rudolph Moshammer sich niemals in Jeans und Lederjacke blicken lassen.

Wie zeigt man über Kostüme, dass der Film in München spielt?
Das habe ich über andere Figuren gemacht. Etwa die Besitzer des Hauses, in dem Moshammer seine Boutique hatte. Die sollten münchnerisch angezogen sein: Sie mit einem schönen 80er-Jahre Dirndl mit dicken, großen Ärmeln, er im Trachtenanzug. Oder eine Kundin im Kosmetik-Salon. Die sollte so eine richtige aufgebrezelte Münchnerin aus dem Schwabing der 80er-Jahre sein. In Paris wäre so jemand nicht rumgelaufen.

Wie kommen Sie an solche Kleidung?
Man geht in Secondhand-Läden, in den Kostüm-Fundus und sucht Sachen, die es gibt. Die, die es nicht gibt, lässt man anfertigen. Wie etwa die Anzüge für Rudolph Moshammer.

Haben Sie schon Stücke gefunden, die Sie gern selber behalten hätten?
Ganz viele. Aber da muss man stark bleiben.

Was passiert mit den Kostümen nach dem Dreh?
Viele kommen in den Fundus. Irgendwann sieht man sie dann vielleicht wieder in einem anderen Film. Ein goldenes Kleid, das ich für einen Fernsehfilm gefunden habe, habe ich sicher schon drei oder viermal wieder gesehen. Was für das Kleid spricht. Da freue mich jedes Mal.

Interview: Sebastian Obermeir

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