Der Herr der Tasten sagt Servus

Domvikar & Domorganist der Münchner Frauenkirche hört nach knapp 20 Jahren auf ‒ Sein Rückblick in Hallo

Zum Abschied erinnert sich Domvikar Hans Leitner in Hallo an seine Anfänge.
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Zum Abschied erinnert sich Domvikar Hans Leitner in Hallo an seine Anfänge.
  • Kassandra Fischer
    VonKassandra Fischer
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Der langjährige Domvikar Hans Leitner wird seinen Dienst an Münchens berühmtester Orgel 2022 beenden. In Hallo lässt er seine Zeit dort Revue passieren.

Die Titelmelodie von Don Camillo hat schon im Kindesalter seine Faszination für die Orgel geweckt. Schnell war der Grundstein seiner musikalischen Laufbahn gelegt: Inzwischen ist Hans Leitner seit mehr als 18 Jahren Münchner Domvikar und Domorganist.

Der gebürtige Traunsteiner hat Theologie und Kirchenmusik studiert und war nach seiner Priesterweihe zunächst als Kaplan in Milbertshofen tätig. Danach verschlug es ihn für einige Jahre an den Passauer Dom. Seit 2003 ist er zurück in München und für die vier Orgeln im Liebfrauendom zuständig.

An der großen Orgelanlage, bestehend aus der Haupt- und der Chororgel, ist er Herr über mehr als 9000 Pfeifen. Im November 2012 hat Papst Benedikt XVI. dem heute 60-Jährigen den Ehrentitel Monsignore verliehen. Im März kommenden Jahres wird Leitner seinen Dienst an der Orgel beenden und München verlassen.

Für ihn geht es dann zurück in die Traunsteiner Heimat, wo er in der Seelsorge tätig sein wird. Sein Nachfolger steht noch nicht fest –die Ausschreibung läuft noch bis Ende Juli. Zum Abschied erinnert er sich in Hallo an seine Anfänge und Gespräche mit dem Papst.

Domvikar Hans Leitner (60) von A bis Z

Abschied: An München werde ich vor allem die Gastronomie vermissen. Die ist ja quasi eine Lebensaufgabe. 

Benedikt XVI., damals noch Joseph Ratzinger, gehört bereits zu meinen Kindheitserinnerungen. Bevor er Papst wurde, besuchte er meine Heimat Traunstein regelmäßig. Das letzte Mal bin ich ihm 2006 beim Papstbesuch in München begegnet. Damals hat er sich nach meiner Mutter und meiner Hausorgel erkundigt.

Chororgel: Seit 1936 gibt es eine Verbindung von der Haupt- zur Chororgel. Wenn ich möchte, kann ich mit Hilfe der Registerschaltung auch beide gleichzeitig klingen lassen.

Domvikar: Am Münchner Dom gibt es insgesamt sechs Domvikare, die für unterschiedliche Bereiche zuständig sind. Meine Hauptaufgabe ist die Orgel.

Empore: Betrete ich eine Kirche, geht mein Schritt nach vorne und mein Blick nach hinten. Was auf der Empore steht, ist für mich als Organist instinktiv anziehend. 

Frauenkirche: Hier habe ich unzählige Konzerte gehört und inzwischen etwa 100 selbst gespielt. 

Gottesdienste: Vor Corona gab es 17 Gottesdienste mit Orgelbegleitung pro Woche. Davon habe ich bei sieben die Orgel gespielt. Aktuell findet bloß noch einer pro Tag statt. 

Hauptorgel: Die Hauptorgel im Dom hat 95 Register, meine eigene ist viel kleiner und hat bloß elf. Zum Üben reicht das aber. 

Improvisieren ist eine Zwangsvoraussetzung für einen Organisten. In Gottesdiensten gibt es immer wieder unberechenbare Zeiträume, die ich so überbrücken muss.

Jahrelange Übung: Mit elf Jahren habe ich angefangen, Orgel zu spielen. 

Klemika hieß meine frühere Katze. Sie ist mir zugelaufen und der Name stand als Abkürzung für „Kleine Miezekatze“. Als sie einmal weglief, habe ich ein Gedicht über sie geschrieben. Nach ein paar Wochen kam sie aber glücklicherweise zurück. 

Lehrauftrag: An der Hochschule für Musik und Theater habe ich Liturgische Praxis unterrichtet. 

Musikgeschmack: Auch privat höre ich gerne Kirchenmusik. 

Nachfolger: Meinem Nachfolger rate ich, gute Nerven zu haben. Denn die Tätigkeit ist auch mit Stress verbunden, vor allem bei den großen Gottesdiensten. 

Orgeln haben eine begrenzte Lebensdauer. Das ist aber nicht der Hauptgrund, warum sie ausgetauscht werden. Meistens liegt es am Zeitgeschmack, der musikalischen Entwicklung und dem technischen Fortschritt. 

Priesterweihe hatte ich am 30. Juni 1990. Für mich war das ein ganz besonderer Moment der Freude, Erfüllung und Dankbarkeit. 

Quintadena ist ein Orgelregister, das sich auch in meiner Hausorgel findet. 

Rückblick: Die Geschichte der Domorgeln ist eine immense Wachstumsgeschichte. Jede neue Orgel wurde deutlich größer als die vorherige. 

Seelsorge: Meine Hauptaufgaben sind künftig die Liturgie und Krankenbesuche. 

Theologie: Was ich studieren möchte, wusste ich zum Ende meiner Gymnasialzeit. Durch das frühe Orgelspielen hatte ich außerdem ein kirchliches Umfeld. 

Umzug: Ob meine Hausorgel wieder mit nach Traunstein kommt, weiß ich noch nicht. Ursprünglich stammt sie von dort. In dem Zimmer stehen jetzt aber andere Sachen.

Vorgänger: Franz Lehrndorfer war für mich Vorbild, Vorgänger und Lehrer. Er hat meine Faszination an der Orgel und auch mein Spiel stark beeinflusst und gefördert.

Wismeyer: 1973 durfte ich zum ersten Mal im Münchner Dom Orgel spielen. Damals war ich zwölf Jahre alt. Mein Vor-Vorgänger Heinrich Wismeyer hat mich eingeladen, nachdem ich ihm einen Brief und eine gezeichnete Orgel geschickt hatte. 

X -Mas: Die Weihnachtszeit mit all den Gottesdiensten bedeutet für mich stapelweise Noten und ist immer besonders stressig. 

Youtube: Seit Corona werden täglich Gottesdienste gestreamt. Youtube ist für uns eine Plattform, die uns in die ganze Welt bringt.

Zukunft: Die Orgel werde ich künftig nur noch hobbymäßig spielen. 

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