Hallo-Interview

Django Asül erhält den „Bayerischen Kabarettpreis“ ‒ Hallo München hat mit ihm gesprochen

Von niederbayerischen Aborigines sozialisiert: Django Asül.
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Von niederbayerischen Aborigines sozialisiert: Django Asül.
  • Claudia Theurer
    VonClaudia Theurer
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Django Asül wird mit dem „Bayerischen Kabarettpreis“ ausgezeichnet. Im Hallo-Interview spricht er darüber und verrät, warum das Kabarett weit weg von der Normalität ist.

Der niederbayerische Kabarettist und Satiriker erhält im Dezember den „Bayerischen Kabarettpreis“ im Lustspielhaus. Hier erklärt er, warum diese erneute Auszeichnung für ihn Olympia-Gold, Lotto-Sechser und Nobelpreis zugleich ist, warum er nicht Sepp sondern Django heißt und wo er sich fremd gefühlt hat.

Herr Asül, 2000 haben Sie den Senkrechtstarterpreis gewonnen, jetzt den Hauptpreis. Wie sehr fühlt man sich da geehrt?

Da fühle ich mich enorm geehrt! Vor allem habe ich jetzt ein tolles Trio beieinander: 2018 bekam ich den Bayerischen Verdienstorden, 2019 den Bayerischen Kulturpreis und jetzt noch den Bayerischen Kabarettpreis. Das ist statistisch gesehen wie Olympiagold, Lotto-Sechser und Nobelpreis zusammen.

Nach den Corona-bedingten Einschränkungen dürfen Sie jetzt wieder auftreten. Was ist das für ein Gefühl?

Die Kabarettbranche ist weit weg von jedweder Art von Normalität. Es fallen bei allen Kollegen etliche Auftritte aus, weil ohne einer bestimmten Auslastung es für viele Veranstalter zum Verlustgeschäft wird. Ich habe es seit dem Lockdown ganz pragmatisch gesehen: Wenn die Veranstalter wollen, dass der Auftritt stattfindet, komme ich gerne.

Sie sagten in einem Ihrer Programme: Die Wahl im Osten ist unwichtig. Die Wahl in Deutschland schon. Sind Sie zufrieden mit der Ampelkoalition, die bald kommen wird?

Als Satiriker finde ich es äußerst schräg, dass die Union die Wahl im Osten verloren hat, weil die CDU dachte: Es ist doch völlig egal, welchen Kandidaten unsere Wähler wollen. Und jetzt gewinnt die Wahl einer, den die SPD-Basis nicht mal als Parteichef wollte. Da können wir Kabarettisten eigentlich gar nichts mehr überzeichnen.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Markus Söder?

In meiner Funktion als Maibockredner im Hofbräuhaus habe ich ja Söder aufgebaut zum Ministerpräsidenten. Wir haben also ein Vertrauensverhältnis. Ich kann mich darauf verlassen, dass er konstant Stoff liefert. Und für uns Satiriker wäre es schlicht entsetzlich, wenn wir einen bayerischen Ministerpräsidenten hätten, der alles richtig macht.

Mit ihrem „Rückspiegel“ treten Sie im Lustspielhaus auf. Rückblicke sind selten positiv. Wie fällt Ihrer aus?

Der diesjährige Jahresrückblick wird natürlich von der Bundestagswahl dominiert werden. Da sind ja schon die Monate davor genug lustige Sachen passiert. Und ich bin sicher, dass es auch dieses Jahr wieder eine ziemliche Gaudi wird für die Zuschauer. Das Vorgeplänkel für die Wahl war ja das grandiose Abschneiden der DFB-Elf bei der EM. Jogi Löw und Angela Merkel beenden ihre ewigen Amtszeiten synchron: Selbstzufrieden und weit weg von der Realität. Aber sie sind natürlich nicht selber schuld. Denn ihr Vorgehen wurde immer von einer Mehrheit legitimiert.

Seit 2004 sind Sie Botschafter von Niederbayern, offiziell ernannt vom damaligen Staatskanzleileiter Erwin Huber. Was bedeutet das und muss man da besondere Aufgaben erfüllen?

Das ist – ähnlich wie der Bayerische Verdienstorden – quasi Auftrag und Anerkennung zugleich. Ich soll also durch mein Wirken die niederbayerische Heimat würdig repräsentieren. Von daher gebührt die Hälfte des Bayerischen Kabarettpreises auch meiner Heimatregion.

Django ist ja nicht gerade ein niederbayerischer Name, warum nicht Sepp oder Hans?

Mit Sepp oder Hans wird man schnell automatisch für einen Vertreter des hochgeschätzten Bauernverbandes oder für den Generalsekretär der CSU gehalten. Da wollte ich mich nicht mit fremden Federn schmücken und ging daher mehr in Richtung Italo-Western.

2011 haben Sie die türkische Staatsbürgerschaft abgelegt, warum?

Ganz einfach: Weil das der deutsche Staat von mir verlangt hat. Und als loyaler Neu-Staatsbürger in spe macht man das dann auch ganz artig. Wobei all die Passformalitäten für mich keine Rolle mehr spielen seit 2018. Denn der Bayerische Verdienstorden ist auf Augenhöhe mit einem Diplomatenpass. Ich kann beispielsweise ohne Visum von Niederbayern aus nach Unterfranken fahren.

Verliert man seine türkischen Wurzeln jemals?

Naja, meine türkischen Wurzeln waren nie so ausgeprägt, weil ich eigentlich von klein auf hauptsächlich von niederbayerischen Aborigines sozialisiert wurde. Der Fremde war ich immer nur, wenn ich in der Türkei war. So viel zum Thema Wurzeln. Von daher fühlte ich mich auch nie als einer, der zwischen den Stühlen sitzt. Also macht da auch eine Wurzelbehandlung keinen Sinn.

„Rückspiegel 2021“: Hallo verlost Karten für Django Asül im Lustspielhaus.

Zur Person

Der Kabarettist Django Asül ist türkischer Abstammung, heißt eigentlich Ugur Bagislayici, wurde 1972 in Deggendorf geboren und ist überzeugter Niederbayer. Offiziell abgesegnet wurde der „Botschafter Niederbayerns“ 2004 vom damaligen Leiter der bayerischen Staatskanzlei, Erwin Huber.

2011 hat er seine türkische Staatsbürgerschaft abgelegt. Mit seinem ersten Bühnenprogramm „Hämokratie“ trat er 1997 auf. Er war Gast in der satirischen Talkshow „7 Tage, 7 Köpfe“, und ist seit 2008 Redner beim Politiker-Derblecken beim traditionellen Maibockanstich im Hofbräuhaus.

Seit 2009 hat er seine eigene Sendung „Asül für alle“. Mit seinem Programm „Offenes Visier“ ist er seit 2019 unterwegs. Django Asül lebt in Hengersberg in Niederbayern.

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