Christine Kugler im Gespräch mit Hallo München

„Die Zukunftsaufgabe schlechthin.“ - Das wird die neue Referentin für Klima- und Umweltschutz

Christine Kugler wird die neue Referentin für Klima- und Umweltschutz.
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Christine Kugler wird die neue Referentin für Klima- und Umweltschutz.

Hallo hat mit der künftigen Referentin des neuen Klima- und Umweltschutzreferats über ihren Aufgabenbereich gesprochen und wie sie München klimaneutral machen will...

München bekommt ab Januar ein eigenes Klima- und Umweltschutzreferat. Leiten wird es die bisherige Bäderchefin der Stadtwerke. Welche Herausforderungen sie auf sich zukommen sieht, wie sie München klimaneutral machen will und wie groß ihr eigener ökologischer Fußabdruck ist, erklärt sie im Hallo-Interview von Andreas Schwarzbauer.

Frau Kugler, wissen Sie, wie groß Ihr eigener ökologischer Fußabdruck ist?

Ich habe ihn mir mal ausgerechnet und er war im Bereich des durchschnittlichen Münchners – obwohl ich nicht fliege, Fahrrad fahre und mich vegetarisch ernähre. Das zeigt, dass Punkte wie Strom oder Heizen eine große Rolle spielen.

Was hat Sie nach 20 Jahren bei den Stadtwerken am Posten der Klima- und Umweltschutzreferentin gereizt?

Mich treibt das Thema schon ganz lange um. Es ist die Zukunftsaufgabe schlechthin und es werden gerade viele Weichen in Richtung Klimaschutz gestellt. Das bietet viel Gestaltungsspielraum. Die Kommunen sind die Orte, an denen man etwas konkret verändern kann.

Welche Ziele haben Sie für die kommenden Jahre?

Der Koalitionsvertrag gibt die Ziele schon relativ konkret vor. Die größte Herausforderung wird sein, den Weg zu gestalten, damit die Verwaltung 2030 und die gesamte Stadt 2035 klimaneutral werden.

Ist das angesichts der finanziellen Lage der Stadt überhaupt noch realistisch? Die Prioritäten haben sich durch Corona zuletzt verschoben.

Es wird sehr schwierig, bis dahin überhaupt keine Emissionen mehr auszustoßen. Aber klimaneutral zu werden, ist möglich. Das bedeutet, man reduziert den Kohlenstoffdioxid-Ausstoß so weit es geht. Wo es nicht möglich ist, muss man die Emissionen kompensieren.

Wie funktioniert das?

Im Flugverkehr gibt es das Projekt „Atmosfair“. Passagiere zahlen je nach dem CO2-Ausstoß ihrer Reise freiwillig mehr für das Ticket. Dieser Klimaschutzbeitrag wird zum Beispiel für den Ausbau erneuerbarer Energien verwendet. Auch die Stadt könnte für ihre Emissionen eine Kompensation an Klimaschutzinitiativen zahlen oder eigene Projekte gestalten, wie Bäume zu pflanzen.

Was muss München unternehmen, um klimaneutral zu werden?

Es gibt viele Handlungsmöglichkeiten. Für mich ist der Ausbau der Geothermie eine wichtige Möglichkeit, um CO2 einzusparen. Außerdem ist es wichtig, eine Verkehrswende in Richtung Fuß- und Radverkehr sowie öffentliche Verkehrsmittel voranzutreiben. Auch die Ernährung ist ein wichtiger Faktor. Ganz grundsätzlich sollte man bei jeder Entscheidung die Kosten für das Klima mitberücksichtigen.

Als ein wichtiges Aufgabengebiet für Ihr neues Referat hat die rot-grüne Koalition das Thema klimagerechtes Bauen genannt. Wie kann das aussehen?

Regionales Holz zu verwenden, ist eine gute Option, weil die Transportwege nicht so lang sind. Aber auch Lehm ist sicherlich ein interessanter Baustoff. Wichtig ist auch, dass das Baumaterial schadstofffrei und gut trennbar ist.

Wie wollen Sie den Spagat bewältigen, dass in München einerseits mehr Wohnraum entstehen muss und anderseits Grünflächen erhalten werden sollen?

Man muss sich für die Folgen des Klimawandels wappnen, die man schon jetzt in Form von Starkregen und Hitzesommern sieht. In einer wachsenden Stadt gibt es da natürlich Konflikte. Aber es ist klar, dass das Mikroklima entscheidend für die Lebensqualität ist.

Würden Sie sich ein Umdenken der Lokalbaukommission wünschen? Derzeit gilt Bau vor Baum. Würden Sie sich stattdessen Baum vor Bau wünschen?

Natürlich. Allerdings ist es ein schwieriges Dilemma. Man kann auch viel über Fassaden- und Dachbegrünung machen, aber grundsätzlich muss man die bestehenden Grünbeziehungen stärken.

Welche Erfahrungen bringen Sie durch Ihre Tätigkeit als Bäderchefin mit?

Wir haben bei den Stadtwerken Themen wie nachhaltige Beschaffung, klimagerechtes Bauen und die Verwendung regenerativer Energien stark vorangetrieben. Wir haben klimaresistente Bäume gepflanzt und Blühwiesen angelegt.

Zu den Bädern gehören große Grünflächen, die wichtig für das Mikroklima sind. Vor meiner Zeit als Bäderchefin war ich bei den Stadtwerken mit energiewirtschaftlichen Fragen befasst und ich habe vor kurzem berufsbegleitend nachhaltige Entwicklung an der Universität in Bern studiert.

Was werden Sie aus Ihrer Zeit als Bäderchefin besonders vermissen?

Die Mitarbeiter. Es ist traurig, dass ich mich von vielen nicht persönlich verabschieden konnte, weil sie in Kurzarbeit sind. Aber vielleicht kann ich das noch nachholen.

Gibt es etwas, das Sie nicht vermissen werden?

Wenn ich mit dem Radl am Wochenende in der Stadt unterwegs bin und ein Kindernotarzt in Richtung Bad abbiegt. Es kommt glücklicherweise selten aber bei der hohen Besucherzahl leider doch auch immer wieder mal zu einem Unglücksfall.

Zur Person

Christine Kugler war 18 Jahre lang in verschiedenen Funktionen bei den Stadtwerken tätig. Seit 2007 arbeitete sie als Bäderchefin und war für die 15 städtischen Schwimmbäder verantwortlich.

„Das war eine schöne Aufgabe. Man hat heuer gesehen, dass die Schwimmbäder sehr geschätzt werden und sich alle gefreut haben, als sie nach dem ersten Lockdown wieder geöffnet hatten“, sagt sie. Dennoch wechselt die 49-Jährige, die auf der Schwanthalerhöhe wohnt, zum 1. Januar als Leiterin in das neue Klima- und Umweltschutzreferat.

Die Grünen hatten sie nominiert, der Stadtrat dem vergangene Woche zugestimmt. Kugler begrüßt, dass es ein eigenes Referat für Klima- und Umweltschutz gibt: „Man kann sich dadurch sehr stark auf das Thema fokussieren.“

Andreas Schwarzbauer

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