Bhavya Heubisch im Gespräch mit Hallo München

Über den süßen Duft des Geldes

Die Münchner Autorin Bhavya Heubisch
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Die Münchner Autorin Bhavya Heubisch hat einen neuen Roman veröffentlicht.
  • Claudia Theurer
    vonClaudia Theurer
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Die historische Hochstaplerin Adele Spitzeder ist Protagonistin des neuen Romans von Bhavya Heubisch. Hallo hat mit der Autorin über Gift, Geld und Gier gesprochen.

Sie war eine der skandalträchtigsten Frauenfiguren Ende des 19. Jahrhunderts: Völlig abgebrannt kehrt die erfolglose Schauspielerin Adele Spitz­eder 1868 von Berlin nach München zurück. Und hier beginnt sie mit dem Geld anderer Leute zu spekulieren... Bhavya Heubisch hat daraus den spannenden Roman „Das süße Gift des Geldes“ gemacht. Hallo München sprach mit der Autorin.  

Frau Heubisch, was hat Sie an der Figur der Adele Spitz­eder fasziniert?

Dass Sie eine sehr zwiespältige Frau war, die von vielen gehasst, von vielen aber auch bewundert und verehrt wurde. Sie wird oft als schamlose Betrügerin bezeichnet, doch Betrug im eigentlichen Sinne konnte ihr nie nachgewiesen werden, sie wurde wegen verschleppten Bankrotts verurteilt. Trotzdem haben Tausende durch sie ihr Geld verloren.

Wie haben Sie recherchiert?

Ich habe in der Staatsbibliothek, im Stadtarchiv und in der Monacensia Material über die politischen und sozialen Gegebenheiten des damaligen München gesammelt, zeitgenössische Zeitungen und die Memoiren der Adele Spitz­eder gelesen.

Tausende haben durch Adele Spitzeder ihr Geld verloren.

Bhavya Heubisch

Was war das Ergebnis Ihrer Recherchen?

Dass für den armen Teil der Bevölkerung katastrophale soziale Bedingungen, Hunger und Elend herrschten. In Bezug auf Adele Spitzeder: Dass sie in etlichen zeitgenössischen Zeitungen als skrupellose Betrügerin abgestempelt, von den Armen aber wegen ihrer zahlreichen Spenden als Wohltäterin gepriesen wurde.

Aber ihre Bankgeschäfte waren doch nicht ganz sauber. Sehen Sie Parallelen zum Heute?

Auch heute lassen sich zahlreiche Anleger durch Versprechen auf hohe Renditen und trotz des damit verbundenen Risikos auf dubiose Anlagemöglichkeiten ein.

Zurück zu Adele Spitzeder. Woher rührt ihr Ruhm?

Ein wesentlicher Aspekt für den Aufstieg Adele Spitzeders war sicher die bittere Armut eines Großteils der Bevölkerung. Da sie auch für geringe Beträge der bei ihr eingezahlten Gelder horrende Zinsen ausschüttete, wollten viele der „kleinen Leute“ so ihre mageren Ersparnisse aufbessern. Hinzu kam die Gier vermögender Anleger, die durch die versprochenen hohen Zinsen auf Vermehrung ihres Kapitals hofften. Eine wichtige Rolle haben auch ihre wohltätigen Aktivitäten gespielt, wie die Eröffnung einer Volksküche, ihre zahlreichen Patenschaften für mittellose Kinder und viele mehr.

Wie viel Fiktion steckt in Ihrem historischen Roman?

Die Beschreibungen der sozialen Zustände, wie die der Mörtlweiber, des Trockenwohnens neuer Wohnungen oder des Elends in der Kreppe, sind belegt. Auch ihre Freundin Rosa hat es gegeben. Andere Figuren, habe ich entwickelt, um eine Rahmenhandlung für meinen Roman zu schaffen. Auch dass sie Geld im Englischen Garten versteckt hat, ist fiktiv.

Wie gelang es Ihnen, sprachlich die Atmosphäre einzufangen?

Ich wollte den bayerischen Sprachduktus wiedergeben, ohne im Dialekt zu schreiben.

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