Eva Karl Faltermeier im Gespräch mit Hallo München

Lustig motzen dürfen nicht nur Männer: Die Bayerische Kabarettpreisträgerin im Interview

Ein bisserl die bayerische Mrs. Masel: Eva Karl Faltemeier.
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Ein bisserl die bayerische Mrs. Masel: Eva Karl Faltemeier.
  • Sebastian Obermeir
    VonSebastian Obermeir
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Eva Karl Faltermeier sorgt für grantige Gaudi. Die Newcomerin hat in den letzten zwei Jahren die Kabarett-Bühnen gerockt und wurde dafür mit einem Preis ausgezeichnet. Wie es bei ihr weitergeht.

Vom Bürojob hatte die zweifache Mutter genug. Also machte sie sich auf, die Kabarett-Bühnen zu erobern – erster Halt München, Zwischenstopp Bayerischer Kabarettpreis, dann ausgebremst vom Lockdown. Und jetzt? Geht’s weiter, grantig genug ist die zweifache Mutter nämlich. Und die irrsten Pointen schreibt das Leben selbst.

Frau Karl Faltermeier, als Oberpfälzerin starteten Sie Ihre Kabarett-Karriere im Vereinsheim in Schwabing. Ein guter Ort?

Sehr. Ich glaube, das Vereinsheim ist eine der wichtigsten Institutionen fürs Kabarett in Bayern. Ich bin schon 2008, 2009 hingefahren und hab dort bei den Schaumschlägern gelesen. Dann habe ich meine Familie gegründet und irgendwann bin ich als Kabarettistin zurückgekommen. Nach Acht-Stunden-Tagen im Büro hab ich mich ins Auto gesetzt und mich für die Unkostenpauschale ein wenig ausprobiert.

Das erinnert mich an die Fernsehserie „Marvelous Mrs. Masel“.

Ich hab mich da auch wiedererkannt. Ich musste lachen, sie hat ihre Kinder, hat sich dann scheiden lassen, so wie ich. Dann dieses Emanzipieren aus dem bürgerlichen Leben, wenn man weiß, dass das Herz für was anderes schlägt. Ich bin halt keine Jüdin im New York der 60er-Jahre.

Worum geht’s in Ihrem Programm „Es geht dahi“?

Grob gesagt: Um eine Mutter, die aus der Oberpfalz kommt und mit den Dingen hadert, die auf sie zukommen.

Nicht so weit weg von der Realität, oder?

Es ist schon eine Bühnenfigur – in der sich möglichst viele berufstätige Frauen wiedererkennen sollen. Freunde und Bekannte fragen mich oft: Was ist denn da wirklich passiert? Und ich kann nur sagen: Je irrer, desto eher hab ich’s erlebt.

„Die Leute raten grantigen Frauen ständig: ‚Sei halt ein nettes Mädel, lach doch mal.‘ Weiblicher Grant ist aber genauso berechtigt.“

Wie finden Ihre Kinder, dass Mama die Kabarett-Bühnen erobert?

In meinem aktuellen Programm erzähle ich einmal, wie meinem Sohn die Windel überläuft. Das findet er jetzt als Vorschulkind natürlich nicht so lustig wie das Publikum (lacht). Klar ist es für die Familie besonders, wenn man so einen Beruf hat. Ich mache in Bezug auf meine Arbeit und alles, was damit einhergeht, immer wieder den Check mit meinen Kindern: Kommt ihr damit klar? Bin ich zu viel unterwegs? Und sie sagen: Mama, du bist viel mehr daheim als jede andere Mama.

Würden Sie Ihnen den Kabarettisten-Beruf ans Herz legen?

Wenn sie Lust haben, dann bin ich dabei. Wenn sie einen anderen Beruf ergreifen, wäre das auch schön. Es wäre toll, einen Handwerker in der Familie zu haben. Mein Kreuz könnte auch einen Masseur vertragen. Mein Sohn tendiert momentan zwischen Landwirt und Koch, das find ich auch praktisch.

Für den BR schreiben Sie die Kolumne „Der emanzipatorische Grant“. Woher kommt der?

Wenn eine Frau grantig ist, dann ist sie sofort eine schwierige, eine mit Haar auf d’Zähn. Wenn ein Mann grantig ist, grantelt er halt. Der weibliche Grant wird von allen Seiten relativiert. Die Leute raten grantigen Frauen ständig: „Sei halt ein nettes Mädel, lach doch mal.“ Weiblicher Grant ist aber genauso berechtigt und nicht unbedingt aggressiver als männlicher.

Was macht Sie zum Beispiel grantig?

Eine Mutter kann es zum Beispiel nicht richtig machen, egal ob sie arbeitet oder nicht. Es gibt immer jemanden, der sie für ihre Entscheidung kritisiert. Wenn man drei Mal am Tag erklären muss, warum man nach einem Jahr arbeiten geht, oder halt nicht, da wird man zwider.

Ihrem Unmut haben Sie auch im Zuge der Blackfacing-Debatte bei Schleichfernsehen Luft gemacht. Als Newcomer eine besonders schwierige Situation?

Es war eine schwierige Entscheidung. Mir ging es dabei um eine politische Stellungnahme zur Praxis des Blackfacing hinter der ich als Frau mit Mitte 30 und meinem persönlichen Background nicht stehen kann. Dass ich eine politische Frau bin, ist nicht neu. Das war ich schon immer. Und es gibt Grenzen bei mir. Das Abstecken solcher wird interessanterweise oft als sehr männlicher Charakterzug wahrgenommen.

Es geht dahi – wie geht’s weiter?

Erste Programme behandeln oft die Fragen: Wer bin ich, wo komm ich her? Beim zweiten geht’s dir dann wie Nirvana nach Nevermind: In den letzten drei Jahren bloß getourt und nichts erlebt. Aber wir hatten eine weltweite Pandemie, ich habe mich scheiden lassen – das ist natürlich Comedy-Gold, wie man so sagt. Die Einschulung meiner Tochter, die Corona-Zeit, gesellschaftliche Bewegungen…

Allerhand Stoff.

Vielleicht kriegen wir eine grüne Bundeskanzlerin. Das könnte das ganze Kabarett verändern. Du bist ja eh a Greane, sagen die Leute zu mir. Das stimmt nicht, ich bin gelernte Journalistin und Kabarettistin, ich kann bei Gott bei keiner Partei sein. Aber das gewohnte Feindbild plötzlich in der Opposition? Das könnte eine wahre Kabarett-Krise hervorrufen und sehr spannend werden.

ZUR PERSON

Nach dem Germanistik-, Politik- und Spanisch-Studium arbeitete Eva Karl Faltermeier als Journalistin, Dozentin und Social-Media-Expertin. Doch dann zog es sie auf die Bühne: Nach Poetry-Slams und ersten Kabarett-Auftritten legte sie 2019 ihr Programm „Es geht dahi“ vor – der Bayerische Kabarettpreis 2021 wird ihr dafür in der Kategorie Senkrechtstarter verliehen.

Zuhause ist die zweifache Mutter in der Oberpfalz – „dort wo es ein bissi off ist“, wie sie sagt und was besonders im Lockdown schön war. „Ich habe wahnsinnigen Respekt vor Familien, die das in der Stadt durchgestanden haben.“

Ist München also keine Option? „Eine Zweitwohnung würd ich schon nehmen. Wer weiß, vielleicht kommt ja ein Geldregen. Oder so ein Gspusi könnt ich mir auch halten!“

Erleben Sie Eva Karl Faltermeier live

Mit dem Begriff „Frauenkabarett“ kann Eva Karl Faltermeier nach eigenen Angaben nicht allzu viel anfangen. Zu unterschiedlich seien die bayerischen Kabarettistinnen, um dann in den Genre-Topf geworfen zu werden.

Und wenn zwei aufeinandertreffen? Dann ist die Gaudi doppelt so groß: Etwa bei den Stadtteilwochen Sendling, wo Eva Karl Faltermeier am Sonntag, 18. Juli, mit Claudia Pichler ab 19.30 Uhr auf dem Festplatz am Luise-Kiesselbach-Platz zu sehen ist. Eintritt frei. 

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