Jan Weiler im Gespräch mit Hallo München

Der Münchner Bestseller-Autor Jan Weiler über die Folgen seiner Corona-Erkrankung

Ob in Kolumnen oder Büchern: Autor Jan Weiler lässt sich von seinem Alltag inspirieren.
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Ob in Kolumnen oder Büchern: Autor Jan Weiler lässt sich von seinem Alltag inspirieren.

Am 31. August erscheint das Buch "Ältern" von Jan Weiler. Was ihn trotz allem jung bleiben lässt, wie er als Künstler und Mensch die Corona-Pandemie erlebt, verrät er im Interview.

Herr Weiler, Ihr neues Buch heißt „Die Ältern“. Was unterscheidet Eltern von Ältern?
Eltern sind die, die noch einen Auftrag haben. Ältern bleibt davon nichts mehr übrig – außer, älter zu werden. Die werden von ihren Kindern nicht mehr über die Absicht informiert, dass sie sich ein Tattoo stechen lassen. Sondern die bekommen das zwei Wochen nach dem Stechen einfach gezeigt.

Sind Sie auch eine „sagenhafte, flauschig befiederte Glucke“ wie der Ich-Erzähler in Ihrem neuen Buch?
Ja, na klar. Dabei habe ich ja jetzt kein Gluck-Recht mehr, das ist schon schmerzhaft. Es fällt mir wahnsinnig schwer, loszulassen. Weil es ja mit einem gewissen Bedeutungsverlust verbunden ist.

Wie war Ihre Abnabelung von den Eltern?
Auch nicht so leicht. Ich bin mit 23 Jahren aus dem Elternhaus in eine WG gezogen. Relativ spät, wie ich finde – meine Tochter ist jetzt mit 21 ausgezogen. Für meinen Vater war mein Auszug definitiv leichter. Meine Mutter hat darauf bestanden, dass ich ihr meine Klamotten zum Waschen bringe, damit sie wenigstens einmal die Woche einen Zugriff auf mich hat.

Sie sind vor mehr als einem Jahr vom Münchner Umland nach Schwabing zurückgezogen. Hält Stadtluft jung?
Ich empfinde das tatsächlich so. Wir haben 18 Jahre lang so weit draußen gelebt, dass man sich für jeden Liter Milch ins Auto setzen musste. In Schwabing benutze ich mein Auto kaum noch. Das ist eine ganz neue Lebensqualität. Es macht mich glücklich, dass ich viel mehr Optionen habe und abends auch mal spontan mit Freunden einen Wein trinken gehen kann.

Sie vermissen das Land nicht?
Überhaupt nicht. Dort lebt man ein Familienkonzept: Garten, Spielplatz, Kirchturm. Die Kinder wollten unbedingt in die Stadt und nicht mehr mit der S7 fahren müssen. Letztlich hatten sie damit recht. Ich finde es in der Stadt auch super.

Haben Sie noch einen anderen „Jungbrunnen“?
Der Kontakt mit meinen Kindern, ihnen zuzuhören. Außerdem bin ich Dozent an der Deutschen Journalistenschule in München und mache dort mit den Schülern einmal im Jahr ein Zeitschriftenprojekt. Das ist hervorragend, um herauszufinden: ‚Was interessiert die jungen Leute? Wie reden die?‘ Ich sage das meinen Schülern zwar nicht, aber manchmal profitiere ich von ihnen viel mehr als sie von mir. 

Mit „Ältern“ wollten Sie auf Lese-Tournee gehen. Geht das trotz Pandemie überhaupt?
Wir hatten Termine in 42 Städten geplant. Sieben sind übrig geblieben, natürlich überall mit zahlreichen Vorkehrungen. Dabei ist es nicht mehr wirtschaftlich mit 130 Mann in einem Raum für 700 zu sitzen. Aber wir probieren jetzt aus, ob das noch angenehme Veranstaltungen sind und dann sehen wir weiter.

Sie sind im Frühjahr selbst an Covid19 erkrankt. Wie haben Sie das erlebt?
Unheimlich unangenehm und auch traumatisierend. Das war mit 52 Jahren nochmal eine neue Krankheitserfahrung: hohes Fieber, tagelang, mit Halluzinationen. Auch der Husten ist anders als bei einer normalen Erkältung. Das macht Angst, weil man nicht weiß, wie man damit umgehen soll.

Haben Sie Spätfolgen?
Ja, ich habe meinen Geruchssinn verloren.

Wie schlimm ist das für Sie?
Wenn ich die Wahl hätte, welchen Sinn ich verliere, ist das Riechen noch am besten für mich zu ertragen. Aber ich habe jetzt in meinem ganzen Italienurlaub keinen Lavendel gerochen, obwohl alles damit voll war. Das ist sehr schade.

von ROMY EBERT-ADEIKIS

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