Interview

Münchner Autor & Filmemacher Jan Haft über sein Buch „Heimat Natur“

Autor und Filmemacher Jan Haft spricht im Hallo-Interview über sein Buch „Heimat Natur“.
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Autor und Filmemacher Jan Haft spricht im Hallo-Interview über sein Buch „Heimat Natur“.
  • Claudia Theurer
    VonClaudia Theurer
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Er schreibt und dreht Filme über die Natur: der Münchner Autor Jan Haft. Im Interview verrät er, wie er zu seinem Beruf kam, warum der Wald Balsam für die Seele ist und was sich ändern müsste.

Jan Haft, 1967 in München geboren, wusste schon als Kind, dass er als Erwachsener beruflich mit Natur zu tun haben würde. Sein erstes Buch und der Film über „Die Wiese“ wurden ein großer Erfolg und ist mehrfach ausgezeichnet worden.

Nun ist „Heimat Natur“ (Penguin Verlag) als Buch und Film erschienen. Hallo sprach mit dem Autor und Filmemacher, der mit seiner Familie im Isental bei Dorfen lebt.

Herr Haft, was bedeutet Natur für Sie?

Sie ist unser aller Lebensgrundlage. Sie ist wie eine Mutter für uns. Man kann sie gar nicht hoch und groß genug einschätzen. Nur: wir drängen die Natur zurück. Das wird irgendwann mal gefährlich, auch für uns selbst.

Schon als Kind wollten Sie beruflich mit der Natur zu tun haben. Gibt es eine Erklärung dafür?

Das war schon immer so. Als Erwachsener ist das „schlimmer“ geworden und der Wunsch, sich damit zu beschäftigen, wurde immer stärker. Man beginnt, sich damit auseinanderzusetzen, hat immer mehr Fragen und immer mehr Antworten. Wenn man drin ist, wird man nie damit fertig. Das wird auch nie langweilig.

Sie schreiben, dass es in der Natur vor der Haustür viel Spannendes zu entdecken gibt. Ihre Spezialität?

Ich habe auch viel in exotischen Ländern gedreht. Aber hier sind wir zuhause, und da gibt es noch so viel zu entdecken. Wenn ich hier arbeite, will ich nicht nur die Natur feiern. Ich möchte Dinge aufzeigen und etwas bewirken.

Ein Besuch im Wald ist Balsam für Körper, Geist und Seele. Es gibt bereits Therapien. Warum hat der Wald so eine Energie?

Ein ganz dichter und dunkler Wald macht Angst. Ein lockerer Wald mit Lichtungen macht frei. Das ist der Lebensraum, aus dem wir kommen. Früher haben wir nicht in rechtwinkligen Bauten gelebt. In parkartigen, weiten Wäldern haben wir Unterkunft und Nahrung gefunden. Dass uns der Wald gut tut, spüren wir noch heute.

Sie müssen ja ein sehr geduldiger Mensch sein bei Ihren Recherchen. Welches Motiv hat am längsten Zeit gebraucht?

Oh, da gibt es viele. Aber am meisten imponiert haben mir die Wölfe in der Kyritz-Ruppiner Heide. Viele Flächen kann man dort nicht betreten. Das war zu DDR-Zeiten ein militärisches Übungsgelände. Es hat drei Wochen gedauert, bis wir die Tiere sichten konnten. Wölfe halten sich an kein Drehbuch, kommen, wann sie wollen.

Nicht nur der Wolf, auch andere Arten sind wieder zurückgekehrt: Bären, Biber, Störche, Wildkatzen oder Bartgeier. Ist eigentlich alles nicht so schlimm, oder?

Das ist mein Credo. Es ist nicht richtig, dass alles schon zu spät ist. Und ich möchte nachspüren, wie es unserer Natur eigentlich geht. Nämlich nicht schlecht. Man muss wissen, dass das Hauptproblem ist, dass wir Menschen diese großen Tiere abgeschossen haben. Schwierig ist es bei den kleinen Tieren. Kiebitze, Feldlerchen und Falter sind selten geworden. Die verschwinden gerade samt ihren Lebensräumen.

Tiere und Pflanzen haben ja so wunderschöne Namen wie Warzenbeißer, Buchdrucker oder bei Pflanzen Ochsenauge oder Eisenhut. Woher kommen die?

Das sind alles lautmalerische Namen, die teilweise aus dem Mittelalter kommen. Der Buchdrucker zum Beispiel legt unter der Rinde von Fichten symmetrische Brutgänge an, die an das Schriftbild in einem Buch erinnern.

Was müsste sich generell ändern?

Es müsste eine Änderung der Landwirtschaft her. Großbetriebe müssten stärker kontrolliert werden, die biologischen Kleinbauern bräuchten mehr Unterstützung. Es sollte eine neue Berufsform geschaffen werden, der „Biodiversitätswirt“.

Heißt auf Deutsch was?

Das wären dann Bauern, die auf ihren Flächen Artenvielfalt erzeugen. Und dafür besser als bisher mit Subventionen belohnt werden.

Ihr Lieblingstier ist die Kreuz­otter, warum?

Für mich ist sie das schönste Tier, so ästhetisch. Als Kind habe ich immer versucht, sie zu finden. Ich konnte nie verstehen, warum sich so viele Leute vor Schlangen ekeln und auf Kreuzottern sogar noch im letzten Jahrhundert Kopfprämien ausgesetzt waren.

Verlosung

Hallo verlost fünf Bücher von „Heimat Natur“

Teilnahmeschluss: 13. Juli, 12 Uhr.

Das Gewinnspiel ist beendet.
Vielen Dank für Ihr Interesse! Besuchen Sie unsere Seite gerne wieder.

Viel Glück!

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