Couragiert und ihrer Zeit voraus

Münchner Landschaftsarchitektin erhält Auszeichnung von Stadt – In Hallo spricht sie über ihre Projekte

Die Landschaftsarchitektin Andrea Gebhard wurde mit dem Architekturpreis der Stadt ausgezeichnet.
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Die Landschaftsarchitektin Andrea Gebhard wurde mit dem Architekturpreis der Stadt ausgezeichnet.
  • Ursula Löschau
    VonUrsula Löschau
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Die Neuhauser Landschaftsarchitektin Andrea Gebhard bekommt den Architekturpreis der Stadt. Im Hallo-Interview spricht sie über Perspektivwechsel, Freiräume und ihre aktuellen Projekte.

Was bedeutet der Architekturpreis für Sie, Frau Gebhard?

Der Preis ist für mich etwas ganz Besonderes. Ich wusste nicht, dass ich vorgeschlagen worden bin, deshalb freue ich mich sehr. Vor allem über die Einschätzung der Jury, dass ich eine „eigenständige, differenzierte und couragierte Haltung“ einnehmen würde und dass meine Planungen als „besonders angemessen, ästhetisch und ökologisch wertvoll“ bezeichnet werden.

Haben Sie Vorbilder unter den früheren Preisträgern?

Unter anderem meinen Großonkel Sep Ruf. Es ist eine sehr große Ehre, in den Reigen dieser Persönlichkeiten aufgenommen zu werden, besonders Landschaftsarchitekten wie Günther Grzimek, der unter anderem mit dem Olympiapark vorgemacht hat, dass gute Planung nur aus einer klaren Haltung heraus entstehen kann. Der Ort ist entscheidend. Man muss je nach Ort sowohl ästhetisch und ökologisch als auch für die Nutzer das Beste herausholen.

Welche Ihrer Projekte in München haben für Sie bis heute einen besonderen Stellenwert?

Unter anderem der Park in Baumkirchen in Berg am Laim, der 2019 eröffnet wurde. Er gilt als Inkubator für Biodiversität. Dann war ich ja auch lange bei der Stadt München als Abteilungsleiterin und konnte die Freiflächengestaltungssatzung für München mitentwickeln, ebenso Richtwerte für genügend Freiflächen bei neuen Baugebieten. Um dem Klimawandel gewachsen zu sein und vor allem die Biodiversität zu stärken, muss Stadtentwicklung mit der Landschaftsentwicklung Hand in Hand gehen.

Der 2019 eröffnete Park in Baumkirchen hat für die Neuhauserin bis heute einen besonderen Stellenwert.

Und die BUGA 2005, deren Geschäftsführerin Sie waren?

Das war eine wunderbare Aufgabe. Ziel war die nachhaltige Entwicklung eines neuen Stadtteils. Wir haben damals diese Themengärten angelegt, zum Beispiel das Vogelnest, den Klimagarten und den Tierblick. Das ermöglichte den Besuchern einen Perspektivenwechsel und sollte für Nachhaltigkeit sensibilisieren. 2005 haben das viele als zu intellektuell kritisiert. Heute sind es wichtige Themen. Wir waren unserer Zeit wohl ein bisserl voraus.

Das BUGA-Gelände in Riem von 2005 gehört zu den Projekten, auf die Andrea Gebhard besonders stolz ist.

Und was gestalten Sie aktuell in München?

Unter anderem eine öffentliche Grünfläche am Oberwiesenfeld sowie das Konzept für Freiräume innerhalb des Altstadtrings. Das ist so spannend und macht riesig Spaß. Mit kleinen Interventionen können wir erreichen, dass Menschen ihr Umfeld noch mehr nutzen und genießen können. Die Frage lautet doch: Wie leben wir und wie können wir für diese Lebensformen gute Räume schaffen? Durch Corona sieht man jetzt noch deutlicher, dass vor allem auch den Jugendlichen mehr Platz gegeben werden muss.

Was sagen Sie zu den Plänen für die Paketposthalle? Schließlich haben Sie selbst 2015 das Konzept „Resonanz“ für eine kulturelle und bürgerschaftliche Nutzung des Areals vorgelegt.

Das wird gut weiterentwickelt. Ich bin froh, den Anstoß gegeben zu haben, sich mit einer kulturellen Nutzung der Halle auseinanderzusetzen. Das ist sehr wichtig für die Entwicklung eines Viertels. Schon früher war es so in München: erst kam das Theater, dann die Siedlung, zum Beispiel am Gärtnerplatz- oder dem Prinzregententheater. Der Osten ist damit nun ganz gut versorgt. Aber der Westen ist bisher viel zu kurz gekommen.

Was treibt Sie an, sich auch ehrenamtlich auf Landes- und Bundesebene für Ihre Kollegen und die Zukunft des Landschafts- und Städtebaus zu engagieren, seit kurzem nun auch als Präsidentin der Bundesarchitektenkammer?

Es ist eine sehr schöne Aufgabe, die Belange unserer Profession zu vertreten und wichtige Themen wie Klimawandel und Nachhaltigkeit, die uns ganz intensiv beschäftigen, öffentlich in den Fokus zu rücken. Die Bereiche Bauen und Umwelt spielen eine zentrale Rolle. Und wenn man Teil des Problems ist, ist man auch Teil der Lösung. Wir müssen künftig viel ganzheitlicher denken und interdisziplinäre Lösungen finden. Das Ehrenamt bietet Freiräume im Denken.

Was erwarten Sie von der Politik?

Wir lösen Probleme nur gemeinsam über politischen Konsens. Wir, die planenden Berufe in Deutschland, haben gemeinsam Wahlprüfsteine formuliert, die wir jetzt bei den Bundestagsabgeordneten und -fraktionen platzieren. Wir haben klare Erwartungen an die nächste Bundesregierung.

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