"Auch mit 20 Leuten eine großartige Stimmung"

Hofspielhaus mit neuen Projekten zurück - Leiterin Christiane Brammer im Interview 

Das Hofspielhaus geht neue Wege: Dienstags, Mittwochs und Donnerstags treten Künstlerinnern und Künstler vor dem Theater in der Münchner Altstadt auf - der Abstand zwischen ihnen und den  Zuschauenden beträgt dabei mindestens fünf Meter.
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Das Hofspielhaus geht neue Wege: Dienstags, Mittwochs und Donnerstags treten Künstlerinnern und Künstler vor dem Theater in der Münchner Altstadt auf - der Abstand zwischen ihnen und den  Zuschauenden beträgt dabei mindestens fünf Meter.

Das Hofspielhaus in München spielt wieder ein Programm. Theaterleiterin Christiane Brammer verrät im Interview mehr über die neuen Projekte. 

  • Das Hofspielhaus hat wieder geöffnet - unter besonderen Voraussetzungen. 
  • Die Corona-Pandemie machte erfinderisch: Deshalb gibt es jetzt "Hofspiel (vorm) Haus" und „Hofspiel (zu) Haus“.
  • Theaterleiterin Christiane Brammer im Interview.

München/Altstadt - Kunst und Corona schließen sich nicht aus: Das Hofspielhaus legt wieder los. Leiterin Christiane Brammer verrät im Interview, welche Vorteile kleine Theater in der Pandemie haben und wie die Premiere verlief. Und auch anderswo tut sich in der Münchner Kulturlandschaft wieder etwas. Denn trotz Corona fährt das gesamte Kulturleben in der Landeshauptstadt hoch. Mit entsprechenden Abständen gibt es wiederKonzerte, Theater und sogar ein Autokino.

Hofspielhaus mit neuen Projekten am Start - Leiterin Christiane Brammer im Interview 

Frau Brammer, wie lief die Premiere der Aktion „Hofspiel (vorm) Haus“? 

Es war eine unglaublich Aufbruchstimmung, alle waren glücklich, dass wieder etwas passiert. Viele Leute sind stehen geblieben, der ganze Bürgersteig war voll: Stammgäste, Künstler, Fremde, Kinder – und alle haben Abstand gehalten. Es waren etwa 70 Leute da, das sind sogar mehr, als drinnen rein passen.

Wie funktioniert das Konzept? 

Dienstags, mittwochs und donnerstags ab 18 Uhr gibt es vor dem Haus jeweils unterschiedliche Programme. Immer 30 Minuten lang und extra dafür konzipiert. Jeder kann einfach stehen bleiben und zuschauen. Wer möchte, kann etwas spenden oder eine Stuhlpatenschaft abschließen.

Wochenlang war jetzt alles auf Zwangspause. Wie war der Corona-Lockdown für das Hofspielhaus?

Zuerst war es ein Schock, das Haus war verlassen, die Seele ausgehaucht. Dann haben wir langsam wieder angefangen künstlerisch zu arbeiten, wir haben eine Show produziert und jetzt sind wir die ersten nach zwei Monaten, die Theater live bieten!

Christiane Brammer (Mitte) ist die Leiterin des Hofspielhauses an der Falkenturmstraße. Mit neuen Projekten ist das Theater auch während der Corona-Pandemie für Münchnerinnen und Münchner da. 

Die Show „Hofspiel (zu) Haus“ gibt Einblicke in Ihre Arbeit. Wie kann man sich das vorstellen. Ist das eine Dokumentation oder fiktiv? 

Ich würde sagen eine Mischung: Man erlebt wie wir Klaviere herum schieben, aber es hat auch eine Spielhandlung und Gäste treten auf.

Ist das eine Notlösung oder ein neu entdecktes Format, das Zukunft hat? 

Ich möchte, dass es eine Zukunftssache ist und würde es gerne aufführen. Im Live-Act wird die Show gezeigt und danach treten ein oder zwei Gäste auf. Es soll aber eine lockere Reihe werden.

Demnächst ist das Open Air-Programm „Dinner for You – Marlene serviert“ geplant. Wie funktioniert das in Zeiten einer Pandemie? 

Es ist eine reine Gastro-Veranstaltung, ein künstlerisches Menü: Chris Kolonko serviert dabei als Marlene Dietrich mit Maske ein Drei-Gänge-Menü. Für uns gelten deshalb die gleichen Regeln wie auch in der Gastronomie. Ein Gönner des Theaters ist im echten Leben Virologe und hat mit uns ein Konzept entwickelt. Es dürfen beispielsweise nur 20 Leute kommen. Wir staffeln die Besucher, niemand muss dadurch anstehen und es wird sehr persönlich.

Chris Kolonko serviert den Gästen in "Dinner for You - Marlene serviert" das Essen als Marlene Dietrich - natürlich mit Maske.

Wie geht es einem kleinen privaten Theater in so einer Zeit? 

Der größte Vorteil ist, dass wir als erstes aufmachen konnten, meine Wege sind natürlich schneller. Normal passen 60 Leute rein, jetzt sind es 20. Große Einrichtungen müssen von 2000 auf 300 Besuchern reduzieren, da ist der Verlust größer. 20 Personen sind außerdem überschaubar, ich finde ein Hygienekonzept mit 300 Leuten eher schwierig. In unseren Räumlichkeiten entsteht auch mit 20 Leuten eine großartige Stimmung.

...und die Nachteile? 

Wenn man subventioniert wird, muss man sich nicht so viele Sorgen machen.

Ein Hofspielhaus-Openair-Kino und -Theater sind derzeit in Planung. Was können wir sonst erwarten? 

Es war immer mein Traum, Theater vor dem Haus – kostenlos und für alle. Mein großes Ziel für den Sommer ist es, das Stück „Sängerkrieg der Heidehasen“, also Kindertheater, auf verschiedenen Plätzen in der Altstadt oder im Lehel in kleinem und intimen Raum aufzuführen. Wenn das nicht klappt, dann mache ich es vor unserem Haus. Das ist so unglaublich wichtig für Kinder und Jugendliche.

Kassandra Fischer

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