Michael Mittermeier im Gespräch mit Hallo München

Michael Mittermeier: „Comedians sind die neuen Rockstars“

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Warum Humor die perfekte Waffe ist, um aus peinlichen Situationen zu kommen, gute Witze aber nicht für eine perfekte Ehe reichen, verrät Michael Mittermeier (52) im Hallo Interview.

In Michael Mittermeiers neuem Programm „Lucky Punch“ geht es Schlag auf Schlag. Eine „Wuchtl“ folgt der anderen. Im Hallo Interview erklärt er, warum Comedians die neuen Rockstars sind

Eine gute Pointe rettet aus den brenzligsten Situationen – ob in Südafrika oder der Münchner U-Bahn. Deshalb zeigt sich der 52-Jährige in seinem neuen Programm „Lucky Punch“ (Hallo verlost Tickets) schlagfertig wie noch nie. Warum er eher Musiker als Boxer ist und der Generationen-Kampf für ihn kein Problem ist, lesen Sie hier.
von SEBASTIAN OBERMEIR

Warum so angriffslustig, Herr Mittermeier?
In Zeiten wie diesen muss man angriffslustig sein. Humor ist der beste Angriff und die beste Verteidigung – gegen die Dinge, die einem im Leben so entgegengeworfen werden. Manche davon sind einfach nur mit Humor zu nehmen. Auch über Sachen, die einem das Herz schwer machen, muss man lachen können. Etwa wenn Trump sagt, man muss Lehrer bewaffnen, damit Schulen sicherer werden.

Humor als Waffe, um der Absurdität des Alltags Herr zu werden?
Humor ist immer eine Waffe. Das Mikro an der Kette eine Aussage: Ein geiler Spruch kann eine Situation verändern. Bringst du ihn im richtigen Moment, bist du fein raus, fällt dir die Wuchtl nicht ein – Zack, kann es peinlich werden.

Eine Wuchtl?
Eine Wuchtl ist österreichisch für eine richtig geile Pointe. Wenn ein Freund sagt: Es gibt mehr Nagelstudios als Friseure. Und du sagst, na klar, es gibt auch mehr Finger als Köpfe.

Und bei der Todes-Wuchtl, die in Ihrem Programm-Titel erwähnt wird, geht es um Leben und Tod?
So in etwa. Ich habe mal in Kapstadt gespielt und einen Witz über England gemacht. Ein besoffener Engländer hat das nicht lustig gefunden. „I’ll kill you“ hat er gerufen und gestänkert. Ich habe eine Todes-Wuchtl gebracht, und seine Kumpels meinten: „Mann, der ist lustiger als du, den kannst du nicht umbringen.“

Ein Anzug kann genauso Punk wie Comedy sein.

Bietet auch München solche Geschichten?
Unzählige! Ich saß etwa allein in der U-Bahn, da steigt eine Business-Frau ein, so richtig schick im Kostüm. Später sehe ich: Sie bohrt in der Nase. Sie macht den Eindruck, als ob sie da drinnen etwas sehr Wichtiges sucht. Dann zieht sie langsam den Finger raus, und so ein Zombie hängt dran. Genau da merkt sie, dass ich sie beobachte. „Es zieht sich“, sagt sie. Und ich bin schon baff. „Das ist aber meins“ hat sie dann noch nachgehauen. Das war eine Hammerwuchtl.

Sie gelten als Pionier der deutschen Comedy. Was halten Sie von der neuen Riege an Comedians?
Das kommt drauf an, wen man meint. Es tut sich im Moment aber sehr viel. Es gibt in München mehrere Open-Mic-Nights, die wirklich sehenswert sind. Ich habe selber im Holzkranich (Bar in Schwabing,Anmerkung der Redaktion) letztens ein wenig mitgemacht, das war total geil, das ist wie in Amerika. Es passiert viel in der Stadt, etwas, das ich in den 90ern vermisst habe. Da kam nie wer nach und jetzt gibt es endlich eine neue Generation.

Der Sie jetzt im Anzug entgegentreten. Ist es Zeit, erwachsen zu werden?
Ein Anzug kann genauso Punk wie Comedy sein. Und sieht obendrein oft besser aus als ein Schlabber-Shirt und Jeans. Wenn er denn gut geschnitten ist (lacht).

Sie sind seit 20 Jahren verheiratet. Ist Humor das Geheimnis Ihrer Ehe?
Es wäre schlimm, wenn er das einzige Geheimnis wäre. Liebe, Kommunikation und gegenseitiger Respekt, der Humor kommt dazu. Der muss schon ähnlich sein. Wenn deine Frau aus dem Kino kommt und sagt: „Ey, der neue Baywatch-Film ist so lustig, den möchte ich am liebsten nochmal sehen“, dann sollte man einen Blick in die Scheidungspapiere werfen.

Eine andere Liebe, die Sie etwa mit „Alive & Swinging“ zelebrierten, ist die Musik. Wie kommt’s zur Verbindung von Musik und Comedy?
Die war immer schon da. Schon in den 60er- und 70er-Jahren waren Comedians in den USA Rockstars. Heute ist das auch in Deutschland so. Bono hat mir mal gesagt, „Stand­up ist die purste Kunstform“. Tatsächlich ist es nur deine Entscheidung, was du da oben auf der Bühne machst. Klar wäre ich gern der geilste Gitarrist auf Gottes Erden, aber das wird nichts mehr. Mit dem Mund kriege ich aber ein Wahnsinns-Solo hin!

Mit Bono begann gewissermaßen Ihre Bühnenkarriere, als er Sie 1987 im Circus Krone auf die Bühne holte...
Ich glaube, das war Schicksal. 14 Jahre nach der Krone-Geschichte ergab sich dann noch so ein schicksalhafter Zufall: Die Vorband von U2 fiel aus. Ich wollte an dem Tag selbst ins Konzert gehen. Im Taxi dorthin hat mich das Management angerufen, ich solle doch einspringen. Das habe ich gemacht. Nach der Show habe ich Bono dann persönlich kennengelernt. Bono hat mich mal in London spielen sehen und hat sich totgelacht. Da habe ich endlich etwas zurückgeben können für all die U2-Konzerte, die ich erlebt habe.

ZUR PERSON

Ihm verdanken wir die Popularität des Begriffs „Arschgeweih“, seine Parodien auf die AOK-Werbung und MacGyver haben ihn zum Star gemacht: 1996 startete der 1966 geborene Michael Mittermeier mit „Zapped“ auf den Stand-up-Bühnen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz durch. Es folgten Auszeichnungen, Fernsehauftritte, Songs und englischsprachige Auftritte auf der ganzen Welt. Seit 1998 ist Mittermeier mit der Sängerin Gudrun Allwang, die auch unter ihrem Künstlernamen Somersault bekannt ist, verheiratet. Das Paar hat eine zehnjährige Tochter. Seine Erlebnisse als Vater verarbeitete Mittermeier im Buch und Live-Programm „Achtung Baby!“, zuletzt ging es live „Wild“ her, jetzt ist er mit „Lucky Punch“ zurück. Ring frei!

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