Hallo Interview mit dem Kabarettisten

Maxi Schafroth: "Die Wiesn ist ein riesiges, ekstatisches Halligalli"

Gerade erst hat er den bayerischen Kabarettpreis bekommen: Maxi Schafroth.
+
Gerade erst hat er den bayerischen Kabarettpreis bekommen: Maxi Schafroth.

München: Bayern? „Da hau ma drauf “ - warum der frisch ausgezeichnete Kabarettist gerne über seine Landsleute lacht, lest ihr im Interview!

Vom Unterallgäu ins Lehel – diesen Kulturschock verarbeitet Maximilian Schafroth auf der Bühne. Sehr erfolgreich. Gerade hat der 32-Jährige den Bayerischen Kabarettpreis bekommen. Wieso er in seinem Programm selbst sein  liebstes Opfer ist, und warum es ihm Spaß macht, bundesweit die CSU abzuwatschen, lesen Sie hier. von Maren Kowitz

Dieses Jahr durften Sie vor Wiesn-Wirten und geladenen Gästen den Wiesn-Krug vorstellen. Für Sie als Allgäuer der Ritterschlag?

Es ist eine gewisse Ehre. Vor allem ist es ja nicht das „eigene Publikum“, vor dem man auftritt. Ich überzeuge gerne Menschen, die nicht eh schon überzeugt sind. Und es ist mir gelungen.

Hatten Sie wirklich die Wirte auf Ihrer Seite, nachdem Sie verkündet haben, dass Sie Oettinger auf die Wiesn holen wollen?

Witze über Oettinger zu machen, spielt denen in die Karten. Ich glaube, als ich mich über den Wohlstand der Wiesn-Wirte lustig gemacht habe und vorgeschlagen habe, mit dem Bierpreis runterzugehen, fanden sie das nicht ganz so lustig.

Außer dem Bier – was würden Sie an der Wiesn verändern?

Das muss man so lassen, wie’s ist. Ein riesiges, ekstatisches Halligalli. Ich bin so fünfmal da und mache Milieustudien im Käferzelt. Aber am liebsten geh ich nachmittags oder auf die „Oide Wiesn“. Das ist eine gute Möglichkeit, was Traditionelleres zu erleben und nicht zum 15. Mal die Andreas Gabalier oder Helene Fischer spielende Festzeltband zu hören.

Sind Sie aber auch beim Feiern dabei?

Mir wird es schnell zuviel. Ich bin nicht der, der im Zelt auf dem Tisch tanzt – wobei ich das, wenn’s mich mitreißt, nicht ausschließen möchte. Ich drücke mich um klare Antworten wie ein Politiker, gell?!

Werden Sie zu Herrn Seehofer, den Sie ja öfter parodieren?

Wenn man wie Horst Seehofer gerne mit populistischen Aussagen rausgeht und zündelt, dann muss man ertragen, dass man Gegenwind aus dem humoristisch-links geprägten Lager kriegt. Das ist ein Kräftespiel, was die Sache am Leben hält.

Sie sind fester Bestandteil der Sendung „Extra 3“, die in der ARD läuft. Dort treten Sie öfter als CSU-Botschafter auf. Haben Sie kein schlechtes Gewissen, die Vorurteile, die es bundesweit gegenüber der CSU gibt, zu befeuern?

Bei „Extra 3“ sind 200 Zuschauer im Saal, da kommt bei mir die Bühnensau durch. Wer Bayern kritisiert, tut keinem weh, der es nicht verträgt. Generell erlebe ich, wenn ich in Hamburg, Berlin oder Köln spiele, ganz bestimmte Bilder von Bayern. Und wenn ich einen Saal von Leuten habe und ich merke, die haben gerade Lust, dass man auf die Bayern draufhaut, dann hau’ ma drauf – aber wie! Das beflügelt mich.

Sie selbst leben neuerdings im Lehel. Ertappen Sie sich manchmal dabei, sich in so einen Münchner zu verwandeln, über den Sie sich lustig machen?

Total. Wenn ich mein Programm spiele, bin das zu 80 Prozent ich. Ich esse genauso gerne gut und teuer aus der Molekularküche wie die Bogenhauser. Ich fahre einen Geländewagen. Und manchmal sage ich auch: „Ach, jetzt möchte ich mal wieder raus aufs Land fahren, in die Natur – und mit meinem Vater ein Butterbrot mit grobem Salz essen und ein gutes Gespräch führen...“

Und Sie sind tatsächlich auch laktoseintolerant...

Bevor es diesen Begriff gab, haben schon viele nach dem Milchtrinken Bauchweh gehabt. Mein Papa zum Beispiel – der gibt das als Milchbauer nur nicht zu, sondern nennt es Kater. Wenn eine Gesellschaft wenig Sorgen hat, beginnt sie zu analysieren, wie es einem nach dem Milchtrinken geht.

Sorgen müssen Sie sich nicht machen. Zumindest nicht, um zu wenig Auszeichnungen: Stuttgarter Besen, Kabarett-Kaktus, NDR Comedy Contest, Bayerischer Kabarettpreis, Scharfrichterbeil Passau. Welcher Preis bedeutet Ihnen am meisten?

Der Prix Pantheon in Bonn. Er kam 2013 in einer Phase, in der ich viel gedreht habe, Kinofilme mit Rosenmüller, meine Assistentenrolle im Münchner Tatort. Der Preis hat eine Welle von Anfragen bundesweit ausgelöst – von Ratingen bis Mettmann. Die folgende Tour durch Deutschland, der Blick von außen, war die Vorbereitung auf mein zweites Programm „Faszination Bayern.“

Damit touren Sie aktuell. Was wird denn der letzte Teil der „Faszination“-Trilogie?

Ich bin ein wahnsinniger Fremdsprachenfan. Vielleicht wird es sogar „Faszination Europa“. Aber ich will Dinge selbst erleben, mich in einen geschlossenen Kreis von Leuten begeben, die dann ihre eigene Sprache sprechen. Am liebsten würde ich ein Praktikum im Bayerischen Landtag machen.

Also doch in die Richtung politisches Kabarett?

Politik ist Alltag, die Analyse des Alltags hat immer eine politische Note. Ich versuche, Zustände in Rollen zu verpacken, und so politische Themen, die mich bewegen, loszuwerden.

Was für Themen sind das?

München hat sich in den letzten zehn Jahren deutlich verändert. Was klar im Vordergrund ist, ist eine Gewinnmaximierung. Das beäuge ich mit Bedenken. Ich kann dem Ausdruck verleihen, nicht in simplen Parolen, aber in Figuren. Ich habe einen aalglatten Immobilienmakler entwickelt, der ständig Seniorinnen aus dem Dachgeschoss klagt, um es zu sanieren und an ein Bogenhauser Zahnarzt-Pärchen zu vermieten.

Zur Person

Geboren in dem 76-Seelen-Dorf Stephansried im Unterallgäu, wuchs Maximilian Schafroth auf dem Hof seiner Eltern auf. Der heute 32-Jährige begann 2007 eine Ausbildung zum Bankkaufmann, 2009 feierte sein erstes Kabarett-Programm „Faszination Allgäu“ Premiere. Dafür erntete er zahlreiche Auszeichnungen und Preise, machte aber trotzdem einige Abstecher in die Schauspielerei, zum Beispiel als Assistent im München-Tatort oder in den Marcus H. Rosenmüller-Filmen „Sommer der Gaukler“ und „Wer‘s glaubt, wird selig“. 2014, 2015 und 2016 war er auch im Nockherberg-Singspiel zu sehen, unter anderem als Conchita Wurst oder Seehofers linke Gehirnhälfte („Es-Hofer“). „Mich beruhigt es – wie meine Banker-Kollegen es nennen – breit aufgestellt zu sein: Ich kann Schauspiel machen, Musik, Dokumentarfilme, Live-Auftritte“, sagt Schafroth. der seit zehn Jahren in München wohnt, erst in Neuhausen, neuerdings im Lehel.

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

„Alles kann von Idylle in die Katastrophe kippen“ –  Die Macher des neuen Dreiviertelblut-Films im Gespräch mit Hallo
„Alles kann von Idylle in die Katastrophe kippen“ –  Die Macher des neuen Dreiviertelblut-Films im Gespräch mit Hallo
München: Darf man trotz Corona die Klimaanlage im Büro einschalten? Experte erklärt, worauf man achten muss
München: Darf man trotz Corona die Klimaanlage im Büro einschalten? Experte erklärt, worauf man achten muss

Kommentare