A bis Z Interview mit dem Jung-Kabarettisten

Martin Frank: „Die Lehrjahre sind nie vorbei“

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Er gilt als einer der Shooting-Stars in der Kabarettszene und selbst Monika Gruber finden ihn richtig lustig: Martin Frank.

Jung, unheimlich witzig und auf dem Weg nach oben: Martin Frank bekommt den Bayerischen Kabarettpreis in der Kategorie Senkrechtstarter - Hallo sprach mit ihm

„Ich pubertiere!“ hieß das erste Kabarettprogramm von Martin Frank, das mit dem niederbayerischen Kabarettpreis ausgezeichnet wurde. Er selbst bezeichnet es bescheiden als „erste Gehversuche“. 

Mittlerweile ist der Kabarettist erwachsen, feiert mit seinem dritten Programm „Es kommt wie’s kommt“ am 26. April München-Premiere im ausverkauften Schlachthof und bekommt im Herbst den Bayerischer Kabarettpreis in der Kategorie „Senkrechtstarter“. Eine Auszeichnung, von der er laut eigener Aussage träumt, seit er mit 15 das erste Mal auf der Bühne stand. „Darüber freue ich mich sehr, aber ich kann das nicht so nach außen tragen“, erzählt der 25-Jährige, den viele auch als „Zivi“ im Programm von Moni Gruber oder als Außenreporter im „SchleichTV“ kennen. „Ich stamme aus Niederbayern, dem Land der angeborenen Emotionslosigkeit.“ 

Diesen heimischen Einfluss konnten auch die drei Jahre an der Schauspielschule in München nicht ausmerzen. Wo er sich jetzt zuhause fühlt und welche großen Kabarettisten ihn noch unter ihre Fittiche genommen haben, verrät Frank im Hallo-Interview von A bis Z. 

Maren Kowitz

Ansprüche: Mein aktuelles Programm beschäftigt sich mit den Ansprüchen, die man heutzutage an einen 25-Jährigen stellt. Ich merke es an mir: Ich habe keinen Bachelor, also bin ich bei vielen Leuten schon einmal nicht mehr so viel wert. Und ich habe keine Beziehung...

Bairisch: Im alten Programm haben viele Pointen nur funktioniert, weil sie aus Bayern waren und auf Bairisch waren. Im neuen Programm sind die Pointen ein bisschen neutraler gehalten.

Comedy: Die meisten Comedians sind Stand-Upper. Da geht es Pointe, Pointe, Pointe. Wir in Bayern sind eher die Geschichtenerzähler, zählen nicht die Lacher pro Minute.

Duo: Franziska Wanninger und ich planen ab Oktober, gemeinsam auf der Bühne zu stehen. Jeder schreibt für sich und dann treffen wir uns und schauen, wie wir es zusammenbringen. Das wird sehr lustig.

Eigenheit: Ich bin das naive Landei, das immer an das Gute im Menschen glaubt. Das ist meine Rolle, aus der ich nicht so schnell ausbrechen kann. Ich bin nicht gemein oder bissig, das ist nicht mein Kabarett.

Flop: Ich hatte schon Auftritte, die total in die Hose gegangen sind. Am schlimmsten ist, wenn die erste Pointe nicht sitzt. Da werde ich schon nervös. Anfangs wollte ich nach solchen Abenden alles hinschmeißen, mittlerweile bin ich routinierter, aber grüble immer noch die Nacht, woran es gelegen hat.

Gesang: Ich habe gerade die Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule in Salzburg und München gemacht – erfolglos. Deswegen muss ich in meinem Programm den Frust jetzt raussingen. Ich habe ja nicht umsonst sechs Arien einstudiert und drei Monate den Italienischkurs bei der Vhs besucht.

Händel: Ich bin ein großer Händelfan. Im alten Programm habe ich für eine Hühnerbeerdigung ein Stück von Händel gesungen. Im aktuellen Programm ist die Wassermusik Teil meines Intros.

Initialzündung: Als ich 16 war, hat Monika Gruber bei uns im Dorf in der Mehrzweckhalle gespielt. Ich habe gesehen, wie die Leute reingegangen sind und wie freudestrahlend sie rausgekommen sind. Diese emotionale Verwandlung hat mich beeindruckt und ich habe gedacht, das will ich auch machen.

Jung: Die ersten paar Jahre habe ich mich wegen meines Alters überhaupt nicht ernst genommen gefühlt, sondern belächelt. Im letzten Jahr bekomme ich immer mehr Wertschätzung von großen Kollegen wie Monika Gruber, Michael Altinger oder Helmut Schleich.

Konkurrenz: Die Kabarettszene ist wahnsinnig familiär. Keiner kopiert den anderen, keiner steht dem anderen im Weg, nimmt dem anderen was weg.

Lehrjahre habe ich noch lange nicht hinter mir. Das habe ich gemerkt, als ich angefangen habe, mein zweites Programm zu schreiben. Lisa Fitz hat dann zu mir gesagt: „Man hört immer als Mozart auf und fängt als Klavierschüler wieder an.“

München: Ich wohne unter der Woche am Stiglmaierplatz. Ich weiß noch nicht, wo ich hingehöre. Vermisse in München die Heimat und in der Heimat München.

Niederbayern: Ich bin fast jedes Wochenende daheim in Hutthurm in Niederbayern. Ich brauche unseren Bauernhof. Immer wenn ich daheim bin, melke ich – das beruhigt mich. Wenn ich von der Autobahn runterfahre, schnaufe ich schon anders.

Oktoberfest: Ich gehe nicht ins Käferzelt und trinke Champagner, lieber in den Biergarten, in die Geisterbahn und die Wilde Maus. Ich habe in letzter Zeit viel mit dem Manfred Schauer zu tun, der feiert 2019 ja 150 Jahre „Schichtl“.

Politik: Ich sehe mich nicht im politischen Kabarett. Ich sehe mich als Unterhalter ohne erhobenen Zeigefinger, ohne „Das läuft verkehrt in der Gesellschaft. Bitte ändern Sie sich, ändern Sie das“.

Quatsch Comedy Club: Dort in Berlin habe ich es 2013 ins Finale des Nachwuchswettbewerbs „Talentschmiede“ geschafft.

Regional: Im Allgäu lachen sie über ganz andere Sachen als in Niederbayern. Schon da unterscheidet es sich: Im Woid sind sie ein bisschen stader.

Standesbeamter: Ich habe eine Ausbildung zum Standesbeamten gemacht. Ich habe mich auf jede Trauung sehr individuell vorbereitet. Aber ich bin von manchen Paaren nicht so ernst genommen worden, als ich ihnen mit 19 die große Geschichte von der Liebe erzählt habe.

TV: In der Schauspielschule hatte ich einen Drehtag als Spurensicherer bei den Rosenheim Cops. Da macht man hundertmal die gleiche Einstellung. Das frustriert mich. Ich bin ein Bühnenmensch – da hast du nur eine Chance.

Unverständnis: Ich verstehe es nicht, wenn sich Leute in Trends so richtig vernarren und gar nichts anderes mehr akzeptieren. Wenn jemand sich normal anzieht und sich normal ernährt, schauen sie ihn an, als hätte er den Schuss nicht gehört. Dabei ist es meistens andersrum.

Veganer: Ich habe nichts gegen Veganer. Aber ich kenne viele Leute, die diesen Umstand einem sofort mitteilen. Und ich stelle mich ja auch nicht vor und sage „Hallo, ich bin Fleisch­esser“.

WG: Ich lebe in der Maxvorstadt in einer WG mit einem Schauspielkollegen. Wir verstehen uns sehr gut, sind aber beide so viel unterwegs, dass wir uns gar nicht so oft sehen.

Xundheit: Wichtig in meinem Beruf, vor allem, da ich ihn bis ins hohe Alter machen will. Ich glaube, es war Dieter Hildebrandt, der gesagt hat: „Ein Kabarettist ist wie ein Rotwein – er wird immer besser, wenn er älter wird.“

Ysop: Auf dieser Pflanze reichte man Jesus am Kreuz den Essigschwamm. Wenn ich daheim bin, spiele ich noch Orgel in der Kirche. Ich komme nur nicht mehr zum Üben, mein Repertoire wird begrenzter. Deswegen lebe ich in Panik, dass jemand sagt, dass hast Du fei letzte Woche schon gespielt.

Zivi: Moni Gruber habe ich kennengelernt, als sie bei uns in der Schauspielschule war, um Fragen zu beantworten. Sie hat sich mich auf Youtube angeschaut und fand gut, was ich mache. Daraufhin hat sie mich ab und zu als „Zivi“ in ihr Programm eingebunden.

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