In Schweden studiert, in Alaska sowie in New York gelebt

„Für Fernweh gibt es kein Ersatzprogramm“ Marlene Morreis im Interview mit Hallo München

Im Atzinger von Regisseur Klaus Lemke entdeckt: die Schauspielerin Marlene Morreis.
+
Im Atzinger von Regisseur Klaus Lemke entdeckt: die Schauspielerin Marlene Morreis.
  • Sebastian Obermeir
    VonSebastian Obermeir
    schließen

Marlene Morreis ging vom oberösterreichischen Schärding nach München und arbeitete im Atomic Café und im Wirtshaus Atzinger, wo sie von Klaus Lemke für einen Laienfilm entdeckt wurde.

Die österreichische Schauspielerin hat in Schweden studiert, in Alaska sowie in New York gelebt. Und jetzt zog es sie für den Krimi „Rauhnächte“ nach Dänemark. Doch um vom Regisseur Klaus Lemke entdeckt zu werden, musste sie ihre Wahlheimat München nicht verlassen. Sie machte einfach bloß ihren Job – hinterm Tresen.

Die Schauspielerin Marlene Morreis im Interview mit Hallo München

Frau Morreis, vor neun Jahren sagten Sie in einem Interview, dass Sie Ungerechtigkeit zum Weinen bringt. Jetzt spielen Sie eine Polizistin, die eine brutale Mordserie aufklären soll. Sind Sie abgebrühter geworden?
Nein, ich heule immer noch wegen jedem Schmarrn. Jemand wird falsch verstanden, falsch behandelt, da reichen die kleinen Ungerechtigkeiten des Alltags. 
Der Film spielt in Dänemark, Sie haben in Schweden studiert. Packt Sie ab und an die Sehnsucht nach Skandinavien? Können Sie die in München stillen?
Weniger eine Sehnsucht nach Skandinavien als nach dem Norden generell. Ich war auch länger in Alaska. Zwei Stunden zwischen Dörfern zu fahren, finde ich toll. Fernweh kann man am besten stillen, wenn man hinfährt. Dafür gibt es kein Ersatzprogramm.
Nicht einmal Schwedenkrimis?
Mit skandinavischen Krimis hatte ich bisher wenige Berührungspunkte. Dafür hat meine Mama, glaub ich, alle gelesen.
Freut sie sich auf den Film?
Da bin ich mir ziemlich sicher, das ist genau ihr Ding.
Auf Wikipedia steht, der Regisseur Klaus Lemke hat Sie im Atomic Café entdeckt. Stimmt das?
Da hat wohl wieder wer Stuss auf Wikipedia geschrieben. Ich habe das sogar schon mal korrigiert. Das mit dem Lemke stimmt zwar, aber er war sein Lebtag lang nicht im Atomic. Er wäre wahrscheinlich gar nicht reingekommen. Das war im Atzinger, ums Eck von seiner Wohnung.
Als Kellnerin wurden Sie gecastet?
Ich kannte ihn als Stammgast. Eine Kollegin meinte dann, der Klaus macht einen Laienfilm und er hat dich gesehen und möchte dich für eine Nebenrolle. Ich war zunächst vorsichtig, man konnte ja noch nicht alles googeln, und sie meinte: „Nee, nee, der macht wirklich Filme.“ 
Wie ging’s weiter?
Wir haben telefoniert, ich bin zu ihm und ich habe es immer noch nicht glauben können, weil ich noch nie gespielt habe. Ein paar Tage später ruft er an und sagt: „Komm nochmal vorbei“ und als ich auf die Klingel drückte, wusste ich, was er will. Er macht die Tür auf und sagt: „Du weißt, warum du hier bist, oder?“ Und ich so: „Ja, ich soll die Hauptrolle spielen.“ 
War das die Initialzündung für Ihre Karriere?
Nicht nur, aber ich habe gelernt, dass Schauspiel ein Beruf ist, den man machen kann.
Im Atomic Café haben Sie auch gearbeitet, oder?
Genau. Dort war ich Türsteherin, bevor ich nach New York ging.
Vermissen Sie das Lokal?
Ja, wie wir alle wahrscheinlich. 
Haben Sie die Nachtleben-Ausstellung im Stadtmuseum gesehen? Dort ist auch Einrichtung des Atomic Café ausgestellt. 
Nein, weil ich gerade in Berlin drehe. Wir haben immer noch so eine Facebook-Gruppe mit den Atomic-Ehemaligen. Da hab ich Fotos gesehen.
Ein Teil der Einrichtung soll auch in Privatwohnungen gelandet sein.
Ich habe leider nichts, da waren andere schneller. Das Bild mit dem Nachrichtensprecher von der Muppet-Show hätte ich gern in der Wohnung hängen. Ganz viele haben sich auch von dem Glitzervorhang ein Stückchen abgeschnitten.
Auf Ihrer Website sind Fotos zu sehen, die Sie neben Harrison Ford, Sylvester Stallone und anderen Hollywood-Stars zeigen. Was hat es damit auf sich?
Seit ich aus New York zurück bin, verschicke ich Weihnachtspostkarten. Das sind immer Motive, bei denen ich mich in einen Film hinein retuschiere. Es gibt Leute, die kriegen seit zehn Jahren diese Weihnachtspost und haben immer noch nicht verstanden, dass ich da mein Gesicht rein retuschiere. Das finde ich fast noch lustiger als die Karten selber. 
Haben Sie für heuer schon ein Motiv?
Nein, noch nicht. Ich wollte heuer früher als sonst, nicht erst kurz vor Weihnachten, dran sein und dachte mir eigentlich: „Ach, das mach ich im August“ (lacht).

ZUR PERSON 

Marlene Morreis wurde 1976 im oberösterreichischen Schärding geboren. „Ein Kaff mit 5000 Einwohnern“, wie sie im Interview sagt. „Da gab es keine Theater-AG, nix. Mit 17 wusste ich nicht einmal, dass es eine Schauspielschule gibt.“ Also ging sie nach München, wo sie Nordische Philologie studierte. Später arbeitete sie als Türsteherin und Kellnerin im Atomic Café und im Wirtshaus Atzinger, wo sie von Klaus Lemke für einen Laienfilm entdeckt wurde. In New York besuchte sie anschließend die Schauspielschule – zahlreiche Engagements für Kino- und Fernsehfilme wie „Lang lebe die Königin“ und „Schafkopf“ folgten. 

Dänemark-Krimi „Rauhnächte“ mit Marlene Morreis - Hallo verlost Requisiten vom Dreh

Auch interessant:

Meistgelesen

Tafeln gegen den Wildwuchs
INTERVIEWS
Tafeln gegen den Wildwuchs
Tafeln gegen den Wildwuchs
Suzi Quatro: Die Rock-Ikone legt nach – live und im Interview
INTERVIEWS
Suzi Quatro: Die Rock-Ikone legt nach – live und im Interview
Suzi Quatro: Die Rock-Ikone legt nach – live und im Interview
100. Todestag des letzten bayerischen Königs: Münchner Historiker über das Leben von Ludwig III. 
INTERVIEWS
100. Todestag des letzten bayerischen Königs: Münchner Historiker über das Leben von Ludwig III. 
100. Todestag des letzten bayerischen Königs: Münchner Historiker über das Leben von Ludwig III. 
Münchens berühmtester Pfarrer wird 60: Rainer Maria Schießler geht in den Vorruhestand
INTERVIEWS
Münchens berühmtester Pfarrer wird 60: Rainer Maria Schießler geht in den Vorruhestand
Münchens berühmtester Pfarrer wird 60: Rainer Maria Schießler geht in den Vorruhestand

Kommentare