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Mario Basler: „Der FC Bayern muss mehr investieren“

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Mario Basler, deutscher Fussballtrainer, Koeln, Studio, 18.07.2018, pictures taken by Stephan Pick
Mario Basler, deutscher Fussballtrainer, Koeln, Studio, 18.07.2018, pictures taken by Stephan Pick © Sportmanufaktur, Stephan Pick

Vom Top-Spieler zum Top-Trainer und jetzt auch noch auf die Bühne: Hallo hat mit Kult-Kicker Mario Basler über den deutschen Fußball und seine Bühnenshow gesprochen

Er selbst hätte sich den Chef-Coach-Posten von Niko Kovac auch zugetraut, daraus macht der 49-Jährige keinen Hehl. Welche Trainerbank ihn aber noch mehr reizt, wer nach Özil noch seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklären sollte und warum der ehemalige Stürmer nun sogar die Bühne erobert, verrät der Pfälzer hier. von MARCO LITZLBAUER

Herr Basler, hat Niko Kovac als Bayern-Trainer Zukunft?
Ich kenne ihn noch aus meiner aktiven Zeit. Er ist ein sehr guter Trainer – ich hoffe nur, dass er auch bei Bayern funktioniert. Ohne Frankfurt abwerten zu wollen: Die Bayern sind schon ein anderes Level. Sie sind der größte Verein in Deutschland, einer der größten der Welt. Das ist ein gewagter Sprung.

Hätten Sie sich die Bayern zugetraut?
Klar würde ich mir das zutrauen! Aber an die ganz großen Vereine denke ich gar nicht. Ein Verein aus der vierten, dritten oder zweiten Liga, das könnte passen.

Wie müsste ein Angebot aussehen, damit es Sie reizt?
Es müsste ein bodenständiger Verein sein, der aber zumindest so viel finanzielle Möglichkeiten hat, dass man etwas entwickeln kann. Mir ist weniger wichtig, wo auf der Welt ich das mache, als die Möglichkeit, junge Spieler zu formen und einen Kader weiterzubringen.

Was halten Sie vom aktuellen Bayern-Kader?
Viel haben sie ja nicht gekauft. Das ist verwunderlich, weil sie international aufholen müssen. Man muss warten, was sich in Sachen Boateng tut. Wenn er die Bayern verlässt, werden sie das Geld vermutlich in einen Top-Innenverteidiger investieren. Etwas anderes bleibt ihnen nicht übrig. Die Verpflichtung von Alphonso Davies sehe ich sehr positiv: Viele Vereine wollten ihn, die Bayern haben ihn.

Statt eine Trainerbank erobern Sie demnächst mit „Basler ballert“ die Bühne. Wie kommt’s?
Ich war in den letzten Monaten viel unterwegs, habe viele Interviews gegeben. Da hat es immer wieder geheißen, ich müsste eine Show machen, weil ich die Leute so gut unterhalte. Also probiere ich das einfach mal (Hallo verlost 5x2 Tickets).

Was Sie so populär macht, ist, dass Sie kein Blatt vor den Mund nehmen. Wie viel Klartext sprechen Sie in der Show?
Zum Beispiel erzähle ich, was in der Nacht vor dem Champions League Finale 1999 passiert ist. Und die Fans dürfen Fragen stellen. Sie lechzen ja förmlich nach Fußball, nachdem sie zwar brav Tickets und Trikots kaufen sollen, die Vereine sie aber sonst mittlerweile von jedem Training aussperren.

Was ist denn in der Nacht vor dem Finale passiert?
Wenn ich das jetzt erzähle, kommt ja keiner mehr. Nur so viel: Viele meinen ja, am Abend vor so einem Spiel geht man um 8 ins Bett. Aber bei mir war's leider ein bisschen später. Ich saß bis um halb 4 an der Hotelbar und habe mir das ein oder andere Weizenbier genehmigt.

Es muss ein Umdenken im Umgang mit den Fans stattfinden

Zusammen mit Ihren Teamkollegen?
Die waren da natürlich alle schon brav im Bett (lacht).

Müssen Ihre ehemaligen Mitspieler Angst davor haben, in Ihrer Show vorzukommen?
Nein – jedenfalls nicht, wenn mich bis dahin keiner ärgert. Geschichten wüsste ich schon. Aber natürlich kommen Ex-Kollegen vor, vor allem solche, mit denen ich viel Blödsinn gemacht habe. In Bremen waren zum Beispiel Oliver Reck, Uli Borowka, Hans-Jürgen Gundelach und ich fast Tag und Nacht zusammen.

Mit welchen Bayern-Spielern konnte man Unsinn machen?
In München habe ich vieles alleine gemacht. Da gab es für alles Geldstrafen. Die waren mir immer wurst, aber die anderen Spieler bei Bayern waren vorsichtiger. Klar war man ab und zu auch zusammen unterwegs. Aber bestraft wurde immer ich.

Sie sagen oft, dass Sie 95 Prozent der Dinge wieder so machen würden. Welche fünf Prozent würden Sie ändern?
Ich würde vermutlich mehr trainieren – und mich ein bisschen anders ernähren. Aber sonst würde ich sogar zu 96 Prozent alles so wiederholen. Spaß muss schließlich sein.

Nicht so spaßig war das Abschneiden der Deutschen bei der WM. Überrascht Sie Özils Rücktritt?
Mich überrascht nur, dass wochenlang darüber gesprochen wird. Meine Meinung ist seit vier Jahren bekannt und ich finde den Rücktritt gut. Jetzt sollte der DFB Nägel mit Köpfen machen: Wenn sonst keiner mehr zurücktritt muss es klare Bekenntnisse geben, wer noch gehen kann.

An wen denken Sie da?
Zum Beispiel an Sami Khedira. Seine guten Spiele sind auch überschaubar.

Wer soll Özil, Khedira und Co. dann beerben?
Allen voran natürlich Leroy Sané. Aber auch Leon Goretzka ist ein toller Mittelfeldspieler und Julian Brandt hat starke WM-Einsätze gezeigt. Und man muss die linke Seite umbauen. Plattenhart und Hector haben nicht die Qualität, die es für die Nationalmannschaft braucht.

Wo wurden mehr Fehler gemacht: Auf oder neben dem Platz?
Der größte Fehler ist, dass man das Thema Özil und Gündogan vor dem Turnier hätte klären müssen. Auch Löw hat Fehler gemacht: Müller musste auf rechts spielen, obwohl er das nicht kann, Julian Brandt saß trotz zweier klasse Kurzeinsätze beim dritten Spiel wieder auf der Bank. Löw hat den deutschen Fußball auf ein anderes Level gehoben – da darf man auch mal Fehler machen. Aber man muss diese analysieren. Und es muss ein Umdenken im Umgang mit den Fans stattfinden. Wenn bei der Rückkehr der Mannschaft in Deutschland keiner der 500 wartenden Fans auch nur ein Autogramm bekommt, geht das gar nicht.

ZUR PERSON
Mario Basler wird im Dezember 50. „Geplant habe ich nichts. Dazu habe ich keine Zeit und keine Lust. Aber vielleicht überrascht mich mein Management“, sagt Basler im Hallo-Gespräch. Der 49-Jährige ist zweimal geschieden und hat drei erwachsene Kinder. Angst vor dem Alter hat der Stürmer nicht: Auch mit 49 Jahren spielt er aktuell noch aktiv in der sechsthöchsten Liga in seiner pfälzischen Heimat. Sein Jugendverein ist der 1. FC Kaiserslautern. Für die Roten Teufel lief er auch nach seiner Zeit beim FC Bayern nochmal auf. Die meisten Tore erzielte „Super Mario“ in seiner Zeit beim SV Werder Bremen, wo er in der Saison 1994/95 Torschützenkönig wurde. Neben mehreren Meisterschaften und DFB-Pokalsiegen feierte Basler 1996 auch den Europameistertitel. Nach seiner aktiven Zeit war er unter anderem bei mehreren Drittligisten Trainer. Bekannt und beliebt ist er aber vor allem als Sport1-Experte. Zuletzt sorgte Basler unter anderem für Schlagzeilen, als er Mezut Özil während der WM die Körperhaltung eines toten Frosches attestierte.

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