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Marianne Rosenberg im Hallo-Interview über das Älterwerden, Lampenfieber und eine Premiere mit 65 Jahren

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Von: Claudia Theurer

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Seit über 50 Jahren steht sie auf der Bühne: Marianne Rosenberg.
Seit über 50 Jahren steht sie auf der Bühne: Marianne Rosenberg. © Sandra Ludewig

Marianne Rosenberg steht seit über 50 Jahren auf der Bühne und stellt in der Isarphilharmonie ihr Album „Diva“ vor. Wie sie sich damit einen Jugendtraum erfüllt...

Sie ist eine „Diva“. So heißt auch ihr Album, das sie am 14. September in der Isarphilharmonie vorstellt. Damit hat sich die Sängerin Marianne Rosenberg einen Jugendtraum erfüllt.

Wie sie sich vor dem Älterwerden schützt, warum sie immer noch Lampenfieber hat und welche Premiere sie mit 65 erleben durfte, erklärt sie im Interview.

Marianne Rosenberg im Interview mit Hallo München

Frau Rosenberg, Sie stehen seit über 50 Jahren auf der Bühne, kennt man da noch so etwas wie Lampenfieber?

Oh ja, das wird nicht kleiner, sondern größer.

Warum?

Mein Publikum kennt mich schon seit vielen Jahren und verbindet mit meiner Stimme und meinen Liedern bestimmte Erinnerungen. Das ist eine große Erwartung an mich, die ich natürlich erfüllen möchte. Früher habe ich manchmal nur die aktuellen Songs gespielt und dann war das Publikum teilweise enttäuscht.

Also gibt es eine klare Erwartungshaltung.

Kult ist ja etwas Eingefrorenes und bleibt zu einer bestimmten Zeit stehen. So zum Beispiel heiraten oder verlieben sich die Menschen zu meinem Kultsong „Er gehört zu mir“. Die eigene Messlatte ist da sehr hoch. Das ist auch ein großer Teil von Eigenverantwortung, denn man darf den Abend ja nicht verderben. Mein Lampenfieber ist die Panik vor der eigenen Courage. Man denkt erst auf der Bühne: „Auweia, was hast du dir dabei gedacht, wie viele Leute sind da draußen, du musst verrückt geworden sein. Am besten, du haust hier ganz schnell wieder ab.“

Ihr neues Album heißt „Diva“ und ist Ihren Jugend-Idolen wie zum Beispiel Diana Ross, Gloria Gaynor oder Cher gewidmet. Deren Texte haben Sie eingedeutscht. Wie kamen Sie darauf?

Durch mein Jubiläum – 50 Jahre Bühne – im Jahr 2020. Das wollte ich mit meinen Fans gebührend zelebrieren. Nur wurde ich durch Corona mit der Tour in vollem Galopp gestoppt. Im Lockdown hatte ich ja viel Zeit, zurückzublicken. Da erinnert man sich gerne an die Musik, die einen geprägt hat, mit der man viele Erinnerungen verbindet. Die Musik dieser unglaublichen Künstlerinnen hat mich seit meiner Jugend inspiriert.

Kaum als im März 2020 Ihr letztes Album „Im Namen der Liebe“ erschienen war, stieg es direkt in den Charts auf Nummer 1 ein – wie fühlt sich das an mit 65 Jahren?

Es fühlt sich wunderbar an. Weil ich zum ersten Mal in meinem Leben ein Album auf der Nummer 1 hatte. Ich war in fünf Jahrzehnten immer wieder in den Charts, aber die „1“ blieb mir bisher verwehrt.

Wie halten Sie sich denn fit?

Ich halte mich gar nicht großartig fit. Ich gehe viel spazieren, auf Neudeutsch gesagt Waldbaden. Sauerstoff und Bäume helfen mir runterzukommen und wieder neue Türen aufzumachen. Das ist wichtiger als jedes Sportzentrum. Wichtig ist, dass man sich noch bücken kann und all diese Sachen. Bei meinen Spaziergängen kann ich auch mental abschalten.

Und Sie haben kein Problem mit dem Älterwerden?

Jein. Immer wenn mich jemand anspricht und sagt: Sie sehen ja toll aus, was machen Sie dafür? Sage ich: „Ick halte mich wacker.“

Und wie macht man das?

Wissen Sie, älter werde ich von alleine. Dagegen kann ich nichts tun. Warum sollte ich mich damit befassen? Am körperlichen Älterwerden ist einfach nichts Schönes. Was uns ausmacht ist was wir sind, und wie wir dieses Leben leben.

Und wo führt der Weg hin?

Uns ist allen gemein, dass wir irgendwann einmal sterben werden. Es ist, wie es ist. Mein Leben ist so: Manchmal bin ich sieben, dann 17 und dann auch wieder fühle ich mich wie 70 Jahre alt, wenn ich morgens aus dem Bett krabble. Wir schweben alle auf einem Ball im All. Was soll ich mir da für Gedanken machen.

Wie wird es mit der Menschheit und der Politik weitergehen?

Da will ich mich jetzt nicht aus dem Fenster lehnen. Jeder meint, er müsse dazu etwas sagen. Und je unflätiger die Menschen ihren Unwillen ausdrücken, umso schlimmer wird es, dass die Menschen sich nicht wahrgenommen fühlen. Ich gehöre nicht zu den Menschen, die meinen, sie hätten Ahnung. Wenn ich das geglaubt hätte, wäre ich in die Politik gegangen. Und möchte nichts dazu sagen, weil die ganze Welt das im Moment total unqualifiziert tut. Das würde mich überfordern.

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