A bis Z mit Bürgermeister Manuel Pretzl (CSU)

Manuel Pretzl: „In München darf es keine No-Go-Areas geben“

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Münchens neuer Bürgermeister Manuel Pretzl (43) von A bis Z.

Er ist Kommunalpolitiker aus Leidenschaft – an ihm führt in der Münchner CSU kein Weg vorbei: Hallo sprach mit Bürgermeister Manuel Pretzl (CSU) über Nachverdichtung und Wahlkampf

Manuel Pretzl – an ihm führt in der Münchner CSU kein Weg vorbei: Münchens frischgewählter Bürgermeister bleibt gleichzeitig Fraktionsvorsitzender im Stadtrat. Und er soll seine Partei in den Kommunalwahlkampf 2020 führen – als Doppelspitze mit OB-Kandidatin Kristina Frank. Keine leichte Aufgabe, weiß der 43-jährige Harlachinger: „Das wird zwischen einem amtierenden OB und den erstarkten Grünen eine Herausforderung“. Doch Pretzl freut sich auf den „Wettstreit der Ideen“. Er ist nach eigener Aussage Kommunalpolitiker aus Leidenschaft. „Das ist der unmittelbarste Kontakt zu den Menschen und ihren alltäglichen Problemen.“ Als solche erlebt er teure Mieten, überfüllte Verkehrsmittel, Angst-Orte in München, aber vor allem auch die Nachverdichtung. „In diesem Bereich wird momentan viel falsch gemacht“, findet der Harlachinger, der ein großer Fan von Hochhäusern ist: „Meine größte Angst ist ein Siedlungseinheitsbrei über die ganze Stadt: gleich hoch und kein Grün mehr da.“ Wie er sein München der Zukunft gestalten will, erklärt Pretzl im Hallo-Interview.

Maren Kowitz

Abteilung Attacke beherrsche ich ganz gut. Gehört zum politischen Geschäft eines Fraktionsvorsitzenden dazu. Etwas anderes ist es, als Bürgermeister aufzutreten. Da hat Parteipolitik nichts verloren.

Bürgernähe: Keine politische Ebene ist so nahbar wie der Stadtrat. In jeder Bürgerversammlung und BA-Sitzung sitzen Stadträte, die man ansprechen kann. Vielleicht sollte man das mehr publik machen.

Christlich: Ich bin ein regelmäßiger Kirchgänger und überzeugter Katholik.

Dringend: Das gewaltige Wachstum der Stadt gibt die Agenda vor – bezahlbares Wohnen, Ausbau des ÖPNV und gute Schulen für unsere Kinder. Die Defizite, die wir momentan in der Stadt spüren, sind das Resultat der falschen Entscheidungen vor zehn Jahren. Da sind unter Rot-Grün Dinge verschlafen worden. Die U5 nach Pasing zum Beispiel könnte heute schon fertig sein.

Einarbeiten: Ich bin seit fast 17 Jahren im Rathaus, seit zwei Jahren Fraktionsvorsitzender. Ich weiß, was die Pflichten eines Bürgermeisters sind.

Flüchtlinge: Der unkontrollierte Zuzug hat auf vielen Ebenen zu einem massiven Vertrauensverlust in unseren Staat geführt. Diese Defizite muss man deutlich ansprechen, das darf man nicht den Rechtspopulisten überlassen.

Grüner Erfolg in München: Die Grünen haben im Landtagswahlkampf eine gute Show hingelegt, während wir in Berlin gestritten haben. Aus diesen Fehlern müssen wir lernen.

Harlaching: Ich bin in Harlaching geboren, aufgewachsen und nie weggezogen. Während meines BWL-Studiums habe ich an der Grenze zu Giesing gewohnt.

Isar: Für die Zukunft kann ich mir eine behutsame Weiterentwicklung der Isar gut vorstellen. Beispielsweise bin ich ein Anhänger des geplanten Flussbads.

Jagen: Ich jage seit über 15 Jahren. Meinen ersten Fisch habe ich bei einem Kindergartenausflug mit einer Drachenschnur im Isarkanal gefangen – zum Entsetzen meiner Kindergärtnerin.

Kinder: Meine Frau und ich haben einen Sohn, der sechs Jahre alt ist, und eine dreijährige Tochter.

Lieblingsthema: Ich bin ein Fan von hohen Häusern. In Schwabing Nord oder am Agfa-Gelände hätte ich mir zwei Geschosse mehr vorstellen können. In die Höhe zu gehen macht sehr viel mehr Sinn, als in den Gartenstädten den letzten Grünzug zuzubauen. Meine größte Angst ist ein Siedlungseinheitsbrei über die ganze Stadt: gleich hoch und kein Grün mehr da.

Museum: Ich leite seit fast zwölf Jahren das Jagd- und Fischereimuseum in der Fußgängerzone. Diese Funktion muss ich jetzt aufgeben, meine Stellvertreterin übernimmt die Leitung.

Nachverdichtung: Man kann und muss so nachverdichten, dass es für Anwohner und Umwelt verträglich ist. In diesem Bereich wird momentan viel falsch gemacht. Wenn Menschen sehen, dass die Neubauten gut aussehen und es einen neuen Kindergarten oder eine zusätzliche Bushaltestelle gibt, können sie den Verlust einer Grünfläche leichter verschmerzen.

Oktoberfest: Mein Amt als Wiesn-Stadtrat muss ich als Bürgermeister leider aufgeben. Mitte Dezember wird ein neuer Wiesn-Stadtrat der CSU gewählt werden. Insbesondere das Dirigieren vor der Bavaria werde ich sehr vermissen.

Populismus: Man muss die AfD konsequent bekämpfen. Aber das sollte nicht durch Ausgrenzung oder Bashing ihrer Wähler geschehen. Mit einer guten und lösungsorientierten Politik kann man viele von ihnen wieder zurückgewinnen.

Quote: Gerade die CSU-Stadtratsfraktion hat bewiesen, dass man auch ohne Quote sehr ausgeglichen aufgestellt sein kann.

Riem: Dort ist ein Stadtteil regelrecht „hingepflanzt“ worden. Die Schule war noch nicht fertig, Infrastruktur gab es nicht und über die Architektur haben alle die Nase gerümpft. So schaffe ich keine Akzeptanz bei den Menschen. Seit ich 2002 in den Stadtrat gewählte wurde, fordere ich mit der CSU, dass die Infrastruktur stehen muss, bevor die Leute einziehen – momentan für Freiham.

Säbener Straße: Der FC Bayern ist mein Verein. Allerdings muss ich zugeben, dass ich ein Fernseh-Fußballschauer bin. Da kann ich aus dem Zimmer gehen, wenn ich mich furchtbar aufrege.

Teure Wohnungen: CSU und SPD haben gemeinsam ein wegweisendes Modell beschlossen. Alles, was die Stadt baut, vermietet sie zehn Prozent unter dem Mietspiegel. Die Miete steigt maximal zwei Prozent im Jahr.

Unsicherheit: Ich habe in letzter Zeit oft gehört, dass gerade Frauen sich nicht mehr trauen, nachts am Hauptbahnhof umzusteigen. So etwas ist für mich nicht akzeptabel. In München darf es keine No-Go-Areas geben. Deswegen hat die CSU sich unter anderem für eine stärkere Polizeipräsenz am Hauptbahnhof eingesetzt.

Verkehr: Was die Rathaus-Kooperation im Radwege- und im ÖPNV-Ausbau bisher gemacht hat, ist ein Zigfaches von dem, was die Grünen in ihrer Regierungszeit in München erreicht haben. Die CSU hat die jährliche Radverkehrspauschale auf zehn Millionen Euro verdoppelt. Darüber hinaus haben wir die größte U-Bahn-Offensive seit den Olympischen Spielen gestartet.

Wahlen: Die Kommunalwahl 2020 wird für uns eine große Herausforderung. Wir haben auf der einen Seite einen amtierenden Oberbürgermeister, auf der anderen Seite die erstarkten Grünen. Aber inhaltlich und personell sind wir bestens aufgestellt.

Xylophon: Ich bin leider total unmusikalisch. Ich war der Einzige in unserer Pfarrgemeinde Heilige Familie, der nicht in den Kirchenchor aufgenommen wurde – obwohl da eigentlich jeder reinkam.

Youtube: Dort schaue ich ab und zu rein, aber die meiste Zeit verbringe ich auf Facebook. Das ist mein Social- Media-Hauptkanal.

Zoo: Als ich ein Kind war, gab es noch ein Kassenhäuschen direkt unten am Harlachinger Berg. Der Eintritt hat für Kinder eine Mark gekostet, das konnte ich mir mit sieben, acht Jahren von meinem Taschengeld leisten. Jetzt haben wir eine Familien-Dauerkarte.

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