Die Bavaria im Gespräch mit Hallo München

Luise Kinseher: „Kabarett darf gerade zurzeit nicht spalten“

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Zwar hat sie sich nach acht Jahren vom Nockherberg verabschiedet, ihre Figur gibt sie deswegen aber nicht auf.

Nacht acht Jahren hat sie sich vom Nockherberg verabschiedet: Und doch bleibt Luise Kinseher der Bavaria treu – Wo und wie, das hat die Kabarettistin im Hallo-Interview verraten

Eine Rolle wie auf den Leib geschneidert: die Bavaria. Nach acht Jahren verabschiedete sie sich heuer vom Nockherberg, doch ihren Fans bleibt die Figur erhalten. Wie sie die Bayern sieht, was sie gerne von Horst Seehofer erfahren würde und warum Integration ein Herzenswunsch von ihr ist, verrät die Münchnerin (49) im Hallo-Interview. von SABINA KLÄSENER

Frau Kinseher, Sie haben sich nach acht Jahren vom Nockherberg verabschiedet. Bereuen Sie diesen Entschluss? Die aktuellen Nachrichten gäben ja genügend Pointen her, oder?
Ich bin froh, dass ich jetzt im Herbst keine Rede schreiben muss. Und dann ändert sich kurz vorm Nockherberg eh alles wieder. Gerade nach der Wahl kann es noch mal wild werden. Vielleicht spielt Horst Seehofer beim Nockherberg dann gar keine Rolle mehr.

Wissen Sie schon, wer Ihr Nachfolger wird?
Sie sind die 1200ste, die mich das fragt. Ich weiß es nicht. Es gibt auch keinen Flur-Ratsch, so dass man es nebenbei erfahren könnte. Es ist besser, dass ich es nicht weiß. Ich kann schlecht lügen und möchte es nicht als Erste ausplaudern.

Nach dem Rücktritt haben Sie gesagt, die Mama braucht Ruhe. Ist sie jetzt ausgeruht?
Die Mama ist immer aktiv und kann sich wie jede gute Mutter nicht ausruhen. Aber in meinem neuen Programm spricht sie ganz leger direkt mit den Menschen (Hallo verlost Tickets).

Acht Jahre waren Sie die Bavaria, machen jetzt ein Programm mit ihr. Sind Sie noch nicht fertig mit der Rolle?
Jahr für Jahr bin ich in sie reingewachsen. Das ganze Potential der Bavaria konnte ich noch nicht ausschöpfen, denn die Mama kann mehr als nur Derblecken. Dafür war bisher nur kein Platz.

Schimpfen Sie gerne?
Ich bin sehr lange nett. Aber wenn mir der Kragen platzt, kommt ein Donnerwetter.

Luise Kinseher auf die Frage, wie sie es mit dem Schimpfen handhabt: „Ich bin sehr lange nett. Aber wenn mir der Kragen platzt, kommt ein Donnerwetter.“

Die Bedeutung Bayerns vom Weltraum aus ist Thema des neuen Programms. Wieso der Blick aus der Ferne?
Mama Bavaria kann einen ­allumfassenden Blick auf Bayern werfen – von der Vergangenheit über die Gegenwart bis in die Zukunft. Sie hat die Liebe zu Bayern im Herzen, hat es aber auch aus der Ferne im Blick. So wird Bayern auch zur Metapher. Es geht im Programm um den Begriff Heimat, aber eben ein offener. Das national­istische Einmauern hat keine Zukunft.

Nehmen sich die Bayern zu ernst?
Einerseits nehmen sie sich sehr ernst, auch ihre Traditionen. Andererseits gibt es eine große Sinnlichkeit, die Lust, Gemütlichkeit und die Weltoffenheit. Schwierig wird es nur, wenn man sich ernst nimmt und kein offenes Herz hat.

Im Juli wurde zudem eine Pilotfolge von „Mama Bavaria“ aufgezeichnet – mit Option auf weitere Folgen. Wen würden Sie gerne dort begrüßen?
Gerade hätte ich sehr gerne Horst Seehofer zu Gast. Mich würde interessieren, wie es wirklich in der Koalition ausschaut, wo die Wahrheit liegt, was ihn wirklich umtreibt.

„Platzt mir der Kragen gibt's a Donnerwetter“

Braucht Bayern gerade Kabarett à la „Mama Bavaria“?
Ich glaube schon, denn traditionell ist das Kabarett gegen die etablierten Parteien gerichtet. Wir leben aber gerade in einer Zeit, wo wir nicht weiter spalten sollten. Da ist eine Figur wie die Mama ideal, da sie kritisch ist, aber zusammenhalten will.

Sie haben einmal gesagt, dass Sie es wie Hölderlin halten: Wenn Zwist herrscht, ist es am Künstler zu einen – wenn Einigkeit herrscht, muss er der Stachel sein.
Man schafft die Einigkeit nicht, aber ich versuche es. Die Intention ist entscheidend. Will ich die bekräftigen, die eh politikverdrossen sind, oder will ich eine Brücke bauen. Woher kommt aktuell der Unmut? Das hat viel mit Heimatbewusstsein zu tun, gerade in Zeiten der Migration. Da muss jeder bei sich selbst anfangen. Da will ich keine Kerbe zusätzlich reinschlagen.

Nach dem Derblecken ist vor dem Derblecken: In ihrer neuen Sendung hätte die Kabarettistin gerne Horst Seehofer zu Gast.

Unter dem Hashtag #MeinWunschAnBayern haben Sie sich gewünscht, dass es mehr Begegnungsstätten mit Flüchtlingen gibt.
Ich unterstütze Bellevue di Monaco, da es ein tolles Projekt ist. Es ist ein Wohnprojekt, das auch Beratungen anbietet. Das Café ist eine Begegnungsstätte. Wer nicht so recht weiß, was er von Flüchtlingen halten soll, ist eingeladen. Nur so können wir die Integration schaffen. Es braucht ein gesellschaftliches Umdenken. Da muss man den Menschen ins Gewissen reden, einen oder zwei Schritte weiter zu denken.

Wieso liegt Ihnen das am Herzen?
Meine Mutter ist aus Böhmen geflüchtet. Was sie erleben musste, sitzt tief. Daher stehe ich immer auf der Seite von denen, die Hilfe brauchen. Ja, es gibt kriminelle Migranten. Aber man kann nicht alle über einen Kamm scheren. Doch wenn man sich den Toten auf der Wiesn anschaut – da wird mit zweierlei Maß gemessen. Keiner wird die Tat eines Betrunkenen auf alle hochrechnen und Alkohol auf der Wiesn verbieten! Aber habe ich grundsätzlich was gegen Flüchtlinge, dann fällt das auf alle zurück, wenn einer ein Mädchen vergewaltigt hat.

Kommen wir zu einem schönen Thema: Sie werden im Januar 50.
Das ist doch kein schönes Thema.

Wird trotzdem gefeiert?
Man muss sein Leben leben in der Phase, in der man ist. Ich weiß noch nicht, wo die Party sein wird, aber es wird auf jeden Fall eine geben.

Zur Person

Im niederbayerischen Geiselhöring geboren, kam Luise Kinseher zum Studium nach München. Ihre Fächer: Germanistik, Theaterwissenschaften und Geschichte. Ihre Magisterarbeit schrieb sie über Kabarettist Sigi Zimmerschied. Zur Bühne kam sie zufällig: Ihr Chef, ein Verleger, hatte seine schüchterne Praktikantin einfach zum Vorsprechen angemeldet. 800 Mal trat sie als Ensemblemitglied der Iberl-Bühne auf. Ihr erstes Soloprogramm folgte 1998. Im Fernsehen spielte sie bei „München 7“ und den „Rosenheim-Cops“ mit. In Marcus H. Rosenmüllers „Beste Zeit“ schaffte sie den Sprung auf die Kinoleinwand. 2011 hielt sie als erste Frau die Salvatorrede am Nockherberg, bis sie heuer überraschend ihren Abschied verkündete. Luise Kinseher lebt in München – wo, überrascht nicht. „Natürlich direkt bei der Bavaria.“

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