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Neues Programm „Wände streichen. Segel setzen.“ ‒ Kabarettistin Luise Kinseher im Interview mit Hallo München

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Von: Marie-Julie Hlawica

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Bereit, die Segel zu setzen: Kabarettistin Luise Kinseher bei der Vorpremiere in Traunstein.
Kabarettistin Luise Kinseher tritt mit „Wände streichen. Segel setzen.“ in München auf. © Martina Bogdahn

Die Kabarettistin Luise Kinseher feiert mit ihrem neuen Programm „Wände streichen. Segel setzen.“ in München Premiere. Wie sie von der Idee zu dem Stück kam...

Am 19. Oktober feiert ihr neues Programm „Wände streichen. Segel setzen.“ Premiere im Lustspielhaus. Wie sehr aktuelle Krisen die Kabarettistin aus dem Münchner Westend beschäftigen, worauf sie beim Auftritt besonders achtet und warum sie in der Kleinkunst „die Sau rauslässt“, verrät sie im Hallo-Interview.

Luise Kinseher im Interview mit Hallo München

Frau Kinseher, mit Ihrem neuen Programm laden Sie zur Expedition zu den Weiten der menschlichen Seele ein. Ausgang ist ein symbolisches Loch im Boden, Sie suchen den Ursprung...

Also es war nicht so, dass ein Schmetterling durchs Zimmer flog, ich ins Grübeln kam und plötzlich die zündende Idee hatte. Als Kabarettistin habe ich ein Gespür für die Themen der Zeit, erlebe die elementaren Themen Klimawandel, Krieg, Energiekrise. Dazu habe ich vor gut einem Jahr zufällig ein Buch über Kollapsologie gelesen, in dem über den totalen Zusammenbruch verschiedenster Systeme philosophiert wurde. Mein Gedanke war: Der Apokalypse muss man mit Hoffnung begegnen – mit einem Lachen. Die Menschen brauchen jetzt ein lustiges Programm!

Das Loch im Boden zeigt immer größere Schäden…

Das ist sinnbildlich gemeint. Das Loch ist eine Chance, aus dem Neues entsteht; der Spalt aus dem Neues erwächst. Ich sehe das wie der Dichter Hölderlin: Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch!

Von der Idee zum Stück – wie arbeiten Sie?

Das ist intensive Arbeit, denn der komische Ansatz meiner Bühnenstücke hat eine Tiefe, die aus dem Herzen kommt. Da brauche ich Ruhe und Stille. Weil ich nach dem Ausbruch des Ukraine-Krieges zwei Geflüchtete bei mir aufgenommen habe, habe ich mich in der Zeit zum Programm-Schreiben rundum in den Ferienwohnungen von Freunden eingemietet. Meine beiden Gäste haben zum Glück eine Wohnung gefunden. Für mich war diese Erfahrung aber elementar, gegen die Ohnmacht des Krieges aktiv etwas tun zu können. Dieses Gefühl ist auch in das Programm eingeflossen.

Ihr Titel heißt: Wände streichen. Segel setzen. Metapher oder sind Sie Heimwerkerin?

Man sieht’s: die Farbe, die Kante, den Farbverlauf – wie die Pointe im Programm! Ich bin tatsächlich Tochter eines Malermeisters, bin mit Farben und Pinsel aufgewachsen, vertraut mit der Materie.

Wer bekommt Ihre Texte als erstes zu sehen und hören?

Die erste Fassung bekommen mein Manager Klaus Meier, meine Regisseurin Beatrix Doderer und zwei, drei Freundinnen, denen ich das Programm bei einem guten Glas Rotwein vorlese.

Sie testen Ihr Programm mit Vorpremieren. Warum?

Ich spiele mich dabei ein, kann Kleinigkeiten und Feinheiten verändern, etwas umstellen, wenn ich merke, dass die Pointe nicht sitzt. Korrekturen sind mir wichtig, denn vielleicht denke ich manchmal doch anders als das Publikum. Ich habe ein Gespür, eine Beziehung zum Publikum, durch Bühnenerfahrung nach 30 Jahren in diesem Beruf. Das hat zu Recht eine Erwartungshaltung an mich und den Abend. Ich finde es fair, diese Erwartung zu erfüllen. Mein Programm ist zwar nicht abhängig von der Tagespolitik, aber den Raum, darauf einzugehen, gibt es. Gutes Kabarett bleibt da offen.

Große Bühne, kleine Bühne: Wo treten Sie lieber auf?

Man wächst mit den Auftrittsorten, gutes Kabarett kann alle Orte bespielen. Es gilt: je kleiner die Bühne, desto leiser die Töne. Wenn der Raum groß ist, muss man mit einem ganz anderen Timing arbeiten. Ich persönlich glaube, mit über 800 Menschen im Publikum verlässt man den Rahmen „Kleinkunst“. Aber ich mag auch Bierzelte, Schenkelklopfer!

Sie kommen vom Theater, drehen auch fürs Fernsehen.

Alles hat Vor- und Nachteile. Ich stehe sehr gerne auf der Bühne, trete bei meinem Programm solo auf. Das ist eine Freiheit, die ich schätze. Da kann ich die Sau rauslassen, muss aber auch alles alleine stemmen und schultern.

Kunst und Kultur hat durch Corona gelitten.

Ich war sprichwörtlich im Lockdown „ausgeknockt“, bin tatsächlich gegen eine Glaswand gerannt, habe mir das Nasenbein gebrochen. Als Künstler merkt man die Corona-Nachwehen, das Publikum ist zögerlich. Kürzlich war ich privat in der Oper – so viele leere Plätze habe ich dort noch nie gesehen! Für uns Kulturschaffende heißt es jetzt: Präsenz zeigen, wir sind da! Um den Menschen, dem Publikum, mit unseren Auftritten Ideen, gute Gedanken, Hoffnung und Freude zu geben!

Gustl, Ihr Dackel, kommt immer mit auf Tournee?

Ja, wenn ich anfange mich zu schminken, legt er sich ins Körbchen. Er ist ein echter Theaterhund!

Im Oktober kommt Kabarettistin Luise Kinseher mit ihrem neuen Programm „Wände streichen. Segel setzen.“ ins Lustspielhaus in München - Hallo verlost Karten.

ZUR PERSON 

Die einen schätzen sie als einstige Mama Bavaria beim Derbleckn auf dem Münchner Nockherberg, andere mögen Luise Kinseher in ihren vielen Fernseh-Rollen und Kabarett-Auftritten. Die 53-Jährige hat früh die Liebe zur Kleinkunstbühne entdeckt, schon ihr Germanistik- und Theaterwissenschaftsstudium an der LMU mit einer Abschluss-Arbeit über ihren heutigen Kollegen Sigi Zimmerschied besiegelt. 1998 spielt Luise Kinseher ihr erstes Solo-Programm, wurde seitdem für ihre geradlinige, bissige Polit-Satire mit dem Schlappmaulorden, dem Ernst-Hoferichter-Preis, der Bayerischen Verfassungsmedaille und zuletzt dem Salzburger Stier ausgezeichnet. Von der Kochbuch-Autorin bis zur Moderatorin eines eigenen TV-Kabarett-Formates: Ihre Vielseitigkeit stellt sie in ihrem neuen Solo-Programm unter Beweis.  

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