Er rührt die Münchner mit seinen Lichtern

Lichtkünstler Manfred Beck (52) von A bis Z

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Aktuelle Lichtinstallationen, die von Manfred Becks Agentur „mbeam“ entworfen wurden: an den Münzarkaden an der Maximilianstraße,...
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Aktuelle Lichtinstallationen, die von Manfred Becks Agentur „mbeam“ entworfen wurden: an den Münzarkaden an der Maximilianstraße,...
... am Promenadeplatz, ...
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... und an der Brienner Straße..
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... und an der Brienner Straße..

München: Er bringt München zum Strahlen, besonders in der City. Die leuchtenden Weihnachtsdekorationen am Viktualienmarkt, am Promenadeplatz, an der Brienner Straße und an der Maximilianstraße hat Manfred Beck mit seiner Agentur „mbeam“ entworfen.

Er bringt München zum Strahlen, besonders in der City. Die leuchtenden Weihnachtsdekorationen am Viktualienmarkt, am Promenadeplatz, an der Brienner Straße und an der Maximilianstraße hat Manfred Beck mit seiner Agentur „mbeam“ entworfen. Er wollte, dass es schön wird. „Weihnachten ist nicht die Zeit, sich künstlerisch selbst zu verwirklichen. Und man kann einfach kein kaltes, weißes Licht setzen.“ Wie in Zürich, wo eine Millionen Euro teure Lichtinstallation nur ein Jahr laufen durfte. „Die Menschen fanden, dass sie die Weihnachtsstimmung kaputt macht“.

Damit das in München nicht passiert, orientiert sich Beck vor allem an einer Regel: Die Installation muss zur Umgebung passen. „Licht vermittelt Wärme und Sicherheit, Licht berührt“, betont der Isarvorstädter. „Schon aus der Geschichte heraus haben sich die Leute ums Lagerfeuer geschart“. Wieviel Aufwand und welche Kosten hinter seinen Installationen stecken und von welchen Projekten er in München noch träumt, verrät Beck im Hallo München-Interview. Maren Kowitz

Aufwand: Bei der Lichtinstallation am Promenadeplatz hat es drei Jahre von der Idee bis zur Umsetzung 2012 gedauert. Es war eine der ersten Installationen in einem Gartenbereich auf städtischem Grund. Die Kosten beliefen sich auf rund 100 000 Euro.

Brienner Straße: Das war vor sieben Jahren unsere erste Weihnachtsinstallation. Für unsere Projekte setzen wir uns immer mit der Geschichte vor Ort auseinander. In die Brienner Straße und am Wittelsbacherplatz passt dieses Herrschaftliche, Elegante.

Cinema: Im Mathäser haben wir für den neuen Saal 6 eine permanente Lichtinst­allation entworfen. Eine Art 360-Grad-Kinoerlebnis, das aber nicht vom Film ablenkt, sondern die Wirkung unterstützt.

Drinnen: Seit zwei Jahren machen wir wieder mehr Indoor-Installationen. Aber die sind oft permanent und wir arbeiten zu 90 Prozent temporär. Eine Festinstallation erfordert andere Technik, andere Gewährleistung.

Energie sparen ist heute kein Thema mehr. LED hat Wahnsinnseffekte, braucht aber wenig Strom. Die Installation am Promenadeplatz verbraucht in den acht Wochen ungefähr 5200 Watt, soviel wie zwei Hochleistungsföhns.

Feuerwerk finde ich wunderschön. Am besten mit einer Lichtinstallation. Toll fände ich ein Riesenfeuerwerk hinter Schloss Nymphenburg, während man gleichzeitig eine Projektion aufs Schloss macht...

Genehmigungen: Gerade der Denkmal- und Ensembleschutz macht den Genehmigungsprozess oft schwierig. Außerdem gibt es verschiedenste Gutachten, ob Pflanzen beschädigt werden.

Hochsaison: 40 Prozent unserer Arbeit sind Weihnachtsprojekte. November ist unsere Hochsaison, wobei die Vorbereitung für die Installationen meistens schon im Juli losgeht.

Isarauen: Seit zehn Jahren kämpfe ich für ein Lichtkunstfestival in München. Die Schwierigkeit ist, alle Leute an einen Tisch zu bringen. Ich möchte klein, aber mutig anfangen. Drei Tage, zum Beispiel kleine Lichtkunstwerke in die Isarauen setzen – das wäre ein Traum. Aber so ein Projekt braucht natürlich Initiatoren und Mut.

Jackson-Denkmal: Unsere Installation am Promenadeplatz ist ein bisschen wie das Michael-Jackson-Denkmal –von der Stadt nicht unbedingt gewollt, aber inzwischen gehört es zum Stadtbild, ist sogar Teil vieler Führungen.

Kritik: Der zum Weihnachtsbaum uminterpretierte Maibaum am Viktualienmarkt hat einige Diskussionen ausgelöst. Ein anderer Lichtkünstler hat sich beschwert, was die Brienner Straße für ein Kitsch ist. Jedem kann man es nie recht machen.

Lehrreich: Zur Shoppingnacht 2015 haben wir mit einer Lichtinstallation am Karlstor von den vier Kragenköpfen im Tor erzählt. 100 000 Leute haben die Geschichten über Franz-Xaver Krenkl oder den Finessensepperl gesehen.

Maximilianstraße: Wir sind stolz, dass wir endlich eine einheitliche Weihnachtsbeleuchtung an der Maximilianstraße geschafft haben. Wir hatten noch andere Ideen – mit Überspannungen. Aber die Obere Denkmalschutzbehörde hat sie nicht genehmigt, weil der Blick auf das Maximilianeum frei bleiben musste.

Nie umgesetzt werden manche Konzepte, für die wir beauftragt werden. Manchmal dauert es Jahre.

Organisation: So künstlerisch wir arbeiten – es ist harte Organisation: Die Planung, die Genehmigungsprozesse, die Schutzvorschriften, die statischen Berechnungen. Deswegen arbeiten wir auch mit professionellen Ingenieuren, Elektrikern und Montageteams zusammen.

Promenadeplatz: Dort hängen jetzt 52 Kugeln mit 60 000 Lichtpunkten, im fünften Jahr. Jedes Jahr sieht es anders aus. Manchmal hat sich der Baumbestand geändert und wir programmieren die minimalen Bewegungen der Lichter jedes Jahr anders.

Qualitätsprüfung: An den Wochenenden spaziere ich die Stadt ab. Wenn etwas nicht funktioniert, verständigen wir unsere Experten. Oft können wir es aber auch selbst lösen, wenn es beispielsweise an einer Sicherung oder einer kaputten Steckdose liegt.

Regenrückhaltebecken: Eines meiner Lieblingsprojekte. Wir hatten dort am Hirschgarten die einmalige Chance, in einem der größten europäischen Bauwerke unter der Erde zu arbeiten. Während unserer Lichtinstallation hat ein Tenor Auszüge aus Lohengrin gesungen. Wunderschön!

Staunen: Licht emotionalisiert. Ich staune selbst oft, wie mich Licht berührt. Meine Devise ist: Wenn es mich begeistert, dann bringt es auch Besucher zum Staunen.

Traum: Ich würde sehr gerne eine kinetische Licht­installation machen – mit Licht und Steuerung, aber auch mit der Dimension Bewegung, also mit fahrbaren Ebenen. Das ist sehr beeindruckend, aber auch unglaublich teuer.

U-Bahn-Tunnel: Dort wollte ich schon immer so eine Art umgekehrtes Daumenkino mit Licht inszenieren. Man setzt Lichtpunkte und aufgrund der Bewegung ergibt sich für die Vorbeifahrenden ein Bild.

Viktualienmarkt: Sicherheit und Vandalismus ist dort ein Riesenthema. Sobald es hell ist, stellen die Menschen nachts nichts mehr an. Am Viktualienmarkt lassen wir die Weihnachtsbeleuchtung auch durchlaufen.

Werdegang: Ich bin gelernter Grafikdesigner. Seit 15 Jahren begeistert von Licht.

X-mas: Weihnachtliche Installationen müssen zum Umfeld passen, dürfen nicht bunt sein oder blinken. Das passt nicht zur Tradition von Weihnachten im deutschen Raum. In Südeuropa schaut es wieder ganz anders aus.

Yes: International zu arbeiten ist mehr als spannend. Andere Länder, andere Wahrnehmung – Lichtkunst wird in jedem Land anders interpretiert. Wir waren kürzlich erst in Bahrain für ein Konzept des Ritz-Carlton.

Zukunft: Ich mache mir keine Sorgen. Lichtkunst ist mehr in den Fokus gerückt. Auftraggeber haben gemerkt, was man für tolle Bilder erzeugen kann.

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