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Lange Nacht der Demokratie in München: Wertebündnis-Vorsitzende im Interview

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Von: Marie-Julie Hlawica

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Dr. Andrea Taubenböck (53) ist Vorsitzende des Wertebündnis Bayern.
Dr. Andrea Taubenböck (53) ist Vorsitzende des Wertebündnis Bayern. © Marie-Julie Hlawica

Ein Wertebündnis klingt konservativ? Wie aktuell & offen es tatsächlich ist, erfahren die Münchner bei der Langen Nacht der Demokratie.

Werte prägen unsere Gesellschaft. Wie sie sich definieren, wie sie ein gutes Miteinander ermöglichen und wie man sie am besten vermittelt – das beschäftigt die Ministerialrätin Dr. Andrea Taubenböck seit nunmehr zwölf Jahren beruflich bei der Stiftung Wertebündnis Bayern. Über Umwege kam die Lehrerin und Mutter zweier Kinder zur Staatskanzlei, wurde 2010 Gründungsmitglied der Stiftung und ist dort in den Räumen an der Prinzregentenstraße seit 2015 als geschäftsführender Vorstand tätig.

Über 200 Initiativen sind aktuell unter dem Motto „Das Wertebündnis – gemeinsam stark für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene“ vernetzt, unterstützen sich mit ihrem gemeinschaftlichen Engagement. Welche kreative Aktion das Wertebündnis mit seinen Mitgliedern heuer zur langen Nacht der Demokratie am Montag, 3. Oktober, plant, warum Werte nicht konservativ sein müssen und wie unabdingbar Vielfalt und Meinungsfreiheit sind, erklärt die Haidhauserin hier.

Dr. Andrea Taubenböck (53), Vorsitzende des Wertebündnis Bayern, von A bis Z

Aufgabe des Wertebündnis ist, vereinfacht gesagt, die Wertebildung bei jungen Menschen. Etwa, dass unsere liberale Demokratie ein nicht selbstverständlicher, großer Schatz ist, den es zu wahren gilt.

Bündnispartner zählen wir bayernweit aktuell 202. Zweimal im Jahr haben wir ein Auswahlverfahren, jetzt im September haben sich wieder fünf neue Bewerber vorgestellt.

Cyberattacken, Hass, Hatespeech – bisher bleiben wir davon verschont. Wir hören von vielen Bündnispartnern, dass die Netiquette oft unterschritten wird. Mit dem Institut für Medienpädagogik oder dem Justizministerium sind diese im Austausch.

Diskussionen und Meinungsvielfalt sind Basis der Demokratie. Man positioniert sich, entwickelt ein Verständnis für demokratischen Streit, Kompromissbereitschaft, Offenheit.

Einmischen heißt der Fachtag für Pädagogen, den wir am Donnerstag, 17. November, anbieten. „Soll ich mich einmischen – und wie“ ist die Leit-Frage eines Projekts, das auf Initiative der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit und des Landesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement Bayern gestartet ist.

Fördern wollen wir Engagement, Eigenverantwortung, Ehrenamt! Die Teilhabe junger Menschen in der Gesellschaft, die Chance, etwas zu bewirken – das ist erlebbar, egal ob als Kindergartenkind, Schüler oder Student.

Gründung des Wertebündnis wurde vor zwölf Jahren vom damaligen Ministerpräsidenten Horst Seehofer initiiert. Der Festakt fand in der Allerheiligen-Hofkirche statt.

Handlungsräume, sich in jungem Alter gesellschaftlich einzubringen, gibt es viele. Wir vermitteln zwischen unseren Bündnispartnern. So bringen wir etwa junge Landwirte und Umweltschützer an einen Tisch, damit sich beide Seiten austauschen.

Initiative für Integration und Toleranz ist ein Vorhaben des Wertebündnis Bayern. Unsere Stiftung hat von der Bayerischen Staatsregierung dafür zweckgebundene Sondermittel erhalten und einen Fonds eingerichtet, aus dem sie geeignete Wertebündnis-Projekte fördert.

Jugendarbeit hat Sinn, um der Jugend Gehör, Stimme, Diskurs und Platz in der Demokratie zu verschaffen. Gerade in der Corona-Zeit hatten junge Menschen wenig Gelegenheit, sich einzubringen und auf sich aufmerksam zu machen.

Kreativ sind wir mit all unseren Wettbewerben. „Antisemitismus. Nein Danke!“ heißt ein Schülerwettbewerb, an dem Schulen bis 24. Februar 2023 teilnehmen können. Wie sich Schüler mit dem Thema auseinandersetzen – musikalisch, bildlich, künstlerisch – das steht ihnen frei.

Lange Nacht der Demokratie zum Thema „Was hält unsere Gesellschaft zusammen“ findet in 30 bayerischen Kommunen statt. Schirmherrin ist Landtagspräsidentin Ilse Aigner, die dazu am 1. Oktober im Bayerischen Landtag 20 jungen Bürgern unter dem Motto „(D)eine Minute für die Demokratie“ im Plenarsaal je 60 Sekunden Redezeit gibt.

Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut. Es gibt Stimmen, die sagen, dass man in Deutschland nicht seine Meinung sagen darf. Das stimmt nicht. Aber klar ist, wer seine Meinung sagt, muss auch mit Kritik rechnen.

Neu ist unser Projekt „Kampagnenstark“ für Jugendliche zwischen 13 und 22 Jahren und gegen Extremismus. Der Schwerpunkt liegt auf der Rolle von Social-Media-Angeboten für die Anwerbestrategien extremistischer Gruppierungen.

Offen sind wir immer für neue Bündnispartner. Diese müssen bereits in mindestens vier bayerischen Kommunen aktiv sein. Wir sind keine Stiftung, die Gelder austeilt oder Anschub leistet – wir vernetzen und stellen Kontakte her.

Prominente wie Philipp Lahm, Markus Wasmeier oder Peter Maffay unterstützen uns. Wir sind offen für weitere „Rolemodels“, mit derem gesellschaftlichen Vorbild sich Jugendliche identifizieren können.

Queer & konservativ passt gut zusammen. Wertkonservativ heißt nicht, eingeengt zu sein, sondern Gutes zu bewahren und offen auf Neues zuzugehen. Stichwort Respekt.

Regierung von Oberbayern führt Aufsicht über unsere Stiftung. Dass wir die uns anvertrauten Gelder nicht zweck­entfremdet verwenden, sondern im Sinne unserer Satzung für politische Bildung.

Smart Mag des Wertebündnis informiert über vergangene und laufenden Aktionen unserer Partner, stellt neue Partner vor und ist stets aktuell.

Teilhabe an der Gesellschaft muss für alle möglich gemacht werden. Egal ob gehörlos, sehbeeinträchtigt oder körperlich eingeschränkt. Das ist eines unserer Ziele.

Unverständnis habe ich, wenn sich jemand keine anderen Meinungen anhören will. Das ist der Tod jeglichen Dialogs.

Vielfalt unserer Stiftung drückt sich durch unsere 202 Partner aus. Dazu zählen auch der Familienbund der Katholiken, die Ditib Jugend oder der Landesverband der israelischen Kultusgemeinden in Bayern, um nur drei zu nennen. 

Werte-Atlas erstellt die Brunswick Group für das Wertebündnis. Die Erhebung zu Werteentwicklung und Wertewandel bei Jugendlichen zeigt aktuell steigende Skepsis gegenüber der Politik und sinkendes Vertrauen in den Staat.

Xenophobie: Fremdenfeindlichkeit ist eine Herausforderung für die Demokratie. Das Thema beschäftigt vielfältigste Projekte unserer Partner.

YouTube, Facebook, Instagram: Da werden wir vom Straubinger YouTuber Chris Boom oder dem bayerischen Pod­cast-Duo Caro und Maria alias „narrisch&wuid“ unterstützt.

Zivilcourage ist ein gesellschaftliches Thema. Unsere Partner bieten Workshops und praktische Tipps, die sich Fragen widmen wie: Was ist Zivilcourage? Wann ist sie nötig? Wann gefährdet man sich selbst?

Mit dem Hallo München-Newsletter täglich zum Feierabend über die wichtigsten Geschichten aus der Isar-Metropole informiert.

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