Über das Ende einer langen Dynastie

100. Todestag des letzten bayerischen Königs: Münchner Historiker über das Leben von Ludwig III. 

Der Historiker Stefan März ist Experte, wenn es um Ludwig III. geht.
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Der Historiker Stefan März ist Experte, wenn es um Ludwig III. geht.
  • Kassandra Fischer
    VonKassandra Fischer
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Fast auf den Tag genau 100 Jahre ist es her, dass Bayerns letzter König starb. Aus diesem Anlass gibt der Historiker und Biograf Stefan März Einblicke in das Leben von Ludwig III.

Ludwig III. war Bayerns letzter König. Mit ihm endete die Dynastie der Wittelsbacher im Freistaat. Dabei war er eigentlich der modernste König, den Bayern je hatte – sagt Stefan März (41), Historiker und Ludwig-Biograf. „Er hatte nur Pech, kurz vor dem Ersten Weltkrieg ins Amt zu kommen.“

Wie sein Vater war er zunächst Prinzregent und vertrat Otto I., seinen regierungsunfähigen Cousin. 1913 bestieg er selbst den Thron. Die Regentschaft war aber nur von kurzer Dauer: Im November 1918 folgte seine Absetzung. Inzwischen ist es genau 100 Jahre her, dass der „verjagte“ König am 18. Oktober 1921 in Ungarn starb.

Historiker Stefan März (41) über König Ludwig III. von A bis Z

Auftreten: Ludwig galt als „der Vielfältige“. Man traf ihn auch mal unordentlich mit ungebügelten Hosen an. Er selbst sagte: Lieber sei er vielfältig als einfältig. 

Biograf: Schon während meines Studiums und meiner Doktorarbeit habe ich mich mit der Wittelsbacher Familie beschäftigt. 2014 ist mein Buch über Ludwig III. erschienen.

Chiemgau: In der Nacht der Revolution sind der König und seine Familie in einer Nacht-und-Nebel-Aktion mit drei Autos Richtung Chiemsee aufgebrochen. Ihnen wurde geraten, sicherheitshalber die Stadt zu verlassen. Zwei der Autos sind in einem Kartoffelacker gelandet. 

Dynastie der Wittelsbacher: Bayern ohne einen Wittelsbacher an der Spitze war lange Zeit nicht vorstellbar. Ludwig war der Schlusspunkt der langen Geschichte: 738 Jahre haben die Wittelsbacher über Bayern regiert. 

Endlich gab es mit Ludwig III. wieder einen voll souveränen König von Bayern. Als Prinzregent ließ er nämlich die Verfassung ändern und schuf die Möglichkeit, im Fall einer lang andauernden Krankheit, die Regentschaft zu beenden. 

Frauenkirche: Nach seinem Tod in Ungarn – er starb mit 76 Jahren an Magengeschwüren – wurde Ludwig in die Frauenkirche nach München überführt und dort beigesetzt. Es kam zu einem großen Staatsbegräbnis mit der gesamten bayerischen Regierung und 10 000 Menschen auf der Straße. 

Gewohnheit: Als König ging Ludwig gerne in Frack und Zylinder in München spazieren. Er hat auch nicht auf Kegelabende mit seinen bürgerlichen Freunden verzichtet. Diese Volksnähe war etwas ganz Besonderes.

Heirat: 1868 heiratete Ludwig III. die österreichische Erzherzogin Marie-Therese. Mit ihr war er über 50 Jahre verheiratet. 

Interessen: Wissenschaft und technische Entwicklung faszinierten ihn. Er hat die LMU und TU sehr gefördert. Auch das Deutsche Museum hätte es ohne ihn nicht gegeben: Oskar von Miller hatte zwar die Idee, aber Ludwig hat den Bau ermöglicht. Erlebt hat er es aber nicht mehr. 

Jagen war eine große Leidenschaft von Ludwig III.. Auch sein Vater, Prinzregent Luitpold, war ein legendärer Jäger. 

Kurt Eisner war Anführer der Novemberrevolution. Er wusste die brenzlige politische Lage zu nutzen. Über Nacht war klar, dass die Revolutionäre alles in der Hand haben und er konnte die Absetzung des Königs verkünden. Formal abgedankt hat dieser aber nie.

Landwirtschaft war Ludwigs großes Steckenpferd, das er über Jahrzehnte ausgeübt hat. Er besaß Allgäuer Milchkühe und prämierte Rennpferde. Dadurch auch sein Spitzname: „Millibauer“ – Milchbauer. 

Modern: Ludwig war der wohl modernste König Bayerns. Deshalb ist es in gewisser Weise tragisch, dass das monarchische System nach dem Ersten Weltkrieg gestürzt wurde.

Nachkommen: Insgesamt hatte Ludwig 13 Kinder. Sein erster Sohn, Kronprinz Rupprecht, wäre nach ihm der nächste König geworden. 

Otto I. war ab 1886 formal der König von Bayern. Er galt jedoch als geisteskrank. Nach 30 Jahren war er der am längsten regierende König, obwohl er nie regiert hat.

Prominenz: Ludwig war seinerseits die am zweitmeisten gefilmte Person im Deutschen Kaiserreich – gleich nach dem Kaiser selbst.

Quellen: Im Hausarchiv der Wittelsbacher werden zahlreiche Akten, Tagebücher und Briefe verwaltet. Zur Einsicht braucht man allerdings die Genehmigung von Herzog Franz von Bayern persönlich.

Revolution: Der Krieg war verloren und trotzdem war kein Ende in Sicht. Deshalb gab es große Demonstrationen für Frieden. Es ging nicht zwingend darum, dass der König weg müsse.

Schloss Nymphenburg: Hier hat Ludwig als Kind zeitweise gewohnt. Mit seinem Cousin, Ludwig II., kam es dort zu wilden Kinderspielen. Die beiden fast gleichaltrigen späteren Könige haben sich nicht gut verstanden.

Thron: Gekrönt wurde Ludwig III. erst sehr spät. Zunächst war er Prinzregent, ab Dezember 1913 dann König. Da war er bereits 68 Jahre alt. 

Universität: Als Prinz studierte er für ein paar Semester an der LMU. Entlang der Ludwigstraße ging er dafür vom Palais Luitpold am Odeonsplatz einfach zu Fuß.

Vater: Über ein Vierteljahrhundert war Luitpold Prinzregent, der die Geschäfte von Bayern leitete. Er war sehr beliebt.

Weltkrieg: Ludwig war eineinhalb Jahre im Amt als der Krieg begann. Er musste sich in eine neue Rolle einfinden: Er ist viel an die Front gefahren und initiierte enorme soziale Bemühungen, hat Volksküchen, Nähstuben und Lazarette gebaut. Das ist ihm hoch angerechnet worden.

X-mal habe ich mich für die Recherche durch Tagebücher in altdeutscher Schrift gearbeitet. 

Y-Chromosom: Die bayerische Erbfolge war im Wittelsbacher Familienstatut geregelt. Die Krone wurde nur in der männlichen Linie vererbt. Einzige Ausnahme: Beim Tod aller männlicher Familienmitglieder hätte auch eine Prinzessin Anspruch gehabt.

Zeit im Amt: Ludwigs Amtszeit war mit nur fünf Jahren die kürzeste eines bayerischen Königs. 

Eine Online-Präsentation gibt es zudem unter www.gda.bayern.de/ludwig-letzter-koenig.

Hallo München verlost drei Exemplare des Buchs „Ludwig III. - Bayerns letzter König“ von Stefan März.

Teilnahmeschluss 20. Oktober 2021

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