Im Gespräch mit Hallo München

Jörg Maurer: Sein Wildschweinragout - wegen Corona versaut

Autor Jörg Mauerer mit Herd und Topf.
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Der Tod lauert im Topf: Im neuen Krimi von Jörg Maurer ermittelt Kommissar Jennerwein in einem Restaurant.

Im 13. Krimi des 67-Jährigen muss sein Ermittler Hubertus Jennerwein ein Verbrechen in einem Gourmet-Restaurant aufdecken. Passend dazu hat sich der Krimi-Autor gleich an ein Kochbuch gemacht. Wie dieses Doppelpack zwischen Küche und Arbeitszimmer entstanden ist und für welches Gericht es sich zu sterben lohnt.

Herr Maurer, für welches Gericht würden Sie sterben?
Für eine amtliche Paella!
Nix Bayerisches?
Tatsächlich kommt im ganzen Kochbuch nur ein richtig bayerisches Gericht vor – Niederbayerisches Kümmelfleisch.
Wie hängen Ihre neuen Bücher, Kochbuch und Krimi, eigentlich zusammen?
Der Tatort im Krimi ist die Küche eines gut besuchten Restaurants. Jemandem wird der Kopf in einen kochenden Topf Bouillabaisse getaucht. Auch in meinen anderen Romanen ist immer wieder die Rede vom Essen, also dachte ich: Ein Kochbuch mit Speisen aus den Krimis und meinen Lieblingsgerichten wäre was.
In Ihrer Küche geht es aber nicht so brutal zu, oder?
Nein, nein! Abgesehen davon, dass beim Kochen ein gutschmeckendes Ergebnis rauskommt, finde ich es sehr entspannend und inspirierend. Ich mache gern länger zu kochende Gerichte, also welche, die im Ofen brutzeln müssen, weil ich dann dazwischen ein paar Notizen machen kann.
Sie pendeln zwischen Küche und Arbeitszimmer?
Ich habe eine altmodische Wohnküche und kann direkt zum Arbeitsplatz rüber. Hin und wieder kommen beim Kochen tatsächlich Ideen, die ich dann aufschreibe. Das geht halt nicht bei schnellen Gerichten. Bei Pfannkuchen kann man nicht schreiben. Aber bei allem, was lang dauert: Suppe, Eintöpfe, Braten.
Und wenn Sie am Schreibtisch sitzen und es riecht so gut?
Ja, das ist manchmal ein Problem. Man nascht dann und denkt sich, man sollte eigentlich am Kapitel schreiben.
Fertig werden die Bücher trotzdem und wenn es soweit ist, feiern Sie kulinarisch?
Wenn der Roman fertig ist, gibt es jedes Mal ein Wildschweinragout. Dann muss ich nach München fahren, weil ich das Fleisch ganz frisch möchte. Dieses Jahr war das wegen Corona schwierig. Da will man nicht wild rumfahren. Mein Ritual steht also noch an.
Sie haben jetzt 13 Krimis um Kommissar Jennerwein geschrieben. Wie gut kennen Sie ihn?
(lacht) Ich entdecke immer wieder was Neues. Gerade beim Jennerwein habe ich anfangs zum Beispiel nicht genau gewusst, in welchem Familienstand er ist, wo er genau wohnt. Das habe ich von Roman zu Roman konkretisiert, was oft schwierig ist, weil man auf Widersprüche stößt, die man umgehen muss.
Und was isst er am liebsten?
In meinen Krimis ist es so: Je zwielichtiger es wird, desto feiner ist die Küche. Was aber ganz genau sein Lieblingsessen ist, das werde ich wohl im nächsten Roman beschrieben müssen.
Was müsste passieren, dass Sie Krimis satt haben?
Satt habe ich sie ganz bestimmt nie. Aber ich habe noch viel in der Schublade, das mit Krimis nix zu tun hat. Ich bin großer Fantasy- und Science-Fiction-Liebhaber. Das war meine erste Idee, so etwas zu schreiben. Irgendwann werde ich das nachholen. Ich erinnere mich sehr gut an die Zeit, so mit zwölf, als ich selber viel zu lesen begonnen habe. Also ein Jugendbuch möchte ich auch einmal schreiben. Das heißt aber nicht, dass ich den Jennerwein satt hätte.
Seit 2020 gehören Sie zu den Münchner Turmschreibern. Was bedeutet Ihnen das?
Dort aufgenommen zu werden, ist eine große Ehre. Wenn man sich anschaut, wer da alles dabei ist! Normalerweise gibt es auch eine Veranstaltung, wo die neuen Mitglieder vorgestellt werden, das fällt dieses Jahr flach.
Wo wir gerade in München sind: Vermissen Sie das Theater Unterton, das Sie jahrelang betrieben haben?
Ein einfaches „Nein“ wäre zu hart. Ein bissl vermisst man so etwas natürlich schon. Ich habe das Theater damals mit meiner Frau gemeinsam betrieben und wir haben gesagt: „So, jetzt kennen wir das.“ Danach wollte ich ausprobieren, wie es mit dem Roman-Schreiben ausschaut. Damit bin ich so zufrieden, dass ich sagen kann, mir fehlt nichts.

Zur Person Jörg Maurer

Lehrer, Theaterinhaber, Moderator, Kabarettist: Nach unzähligen Berufen hat Jörg Maurer seine Berufung gefunden: Krimi-Autor. „Schrifsteller zu werden war ein Traum – und jetzt bin ich angekommen“, sagt der 67-Jährige im Interview. Seine Krimis um Kommissar Hubertus Jennerwein sind Bestseller, sein Debüt „Föhnlage“ wurde 2011 verfilmt.

Studiert hat der gebürtige Garmisch-Partenkirchener Germanistik, Anglistik und Theaterwissenschaften. 2004 eröffnete er das Theater „Jörg Maurers Unterton“ in Schwabing, das später als „theater ... und so fort“ übernommen wurde.

Nach 30 Jahren in München hat es Maurer vor zehn Jahren wieder zurück nach Garmisch-Partenkirchen gezogen, wo er seitdem mit seiner Frau lebt.

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