A bis Z mit MünchenTV-Programmchef und Chefredakteur Jörg van Hooven

Jörg van Hooven: "TV wird immer mehr im Internet stattfinden."

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MünchenTV-Programmchef und Chefredakteur Jörg van Hooven (61) von A bis Z.

Jörg van Hooven kam viel rum in der Welt der Medien bis er sich 2005 bei München TV niederließ. Hallo sprach mit Jörg van Hooven über seinen Abschied, seine Zeit in New York und dem Umbruch im TV

Eine Ära geht zu Ende: Jörg van Hooven hatte seit der Neugründung von MünchenTV 2005 als Chefredakteur und Programmchef das Sagen. Dass er, wie vom Sender via Pressemitteilung bekannt gegeben wurde, diese Posten nun auf eigenen Wunsch niederlegt, stimmt nicht ganz. „Tatsächlich ist dieser Schritt nicht von mir initiiert. Aber ich habe großes Verständnis dafür und verstehe mich mit unserem Geschäftsführer Horst Rettig sehr gut. Gemeinsam suchen wir nun einen Nachfolger“, erklärt der 61-Jährige auf Hallo-Nachfrage. Einen Namen gemacht hat sich der Wahl-Schwabinger aus Hamburg jedoch nicht nur beim Münchner Lokalsender. Zunächst arbeitete er als Korrespondent in den USA für diverse Sender – unter anderem auch für das ZDF. Später war er Chefredakteur bei TV.Berlin, Sat1 und ProSieben. Letzterem gab er nicht nur sprichwörtlich, sondern mit Arabella Kiesbauer auch tatsächlich über Jahre ein Gesicht. Wie es für ihn nun weitergeht, warum der BR mit einem Drittel seines Budgets auskommen sollte und vor welcher Herausforderung sein Nachfolger steht, verrät Jörg van Hooven von A bis Z. Marco Litzlbauer

MünchenTV-Programmchef und Chefredakteur Jörg van Hooven (61) von A bis Z

Abschied: Ist nicht von mir initiiert, aber kommt zu einem Zeitpunkt, an dem ich selbst darüber nachgedacht habe, meinen Posten anzubieten. Aber ich bleibe dem Sender erhalten und mache „Menschen in München“ weiter.

Berlin: Dort habe ich zwei Mal gelebt und mir beim Sender Freies Berlin nach meiner Zeit beim ZDF meine ersten Sporen verdient.

Chefredakteur: Ich habe mich oft geärgert, wenn ältere Kollegen auf ihren leitenden Posten geklebt sind. Wenn man in der TV-Branche kurz vor seinem 62. Geburtstag steht, finde ich es nur logisch, dass ein jüngerer Kollege oder eine jüngere Kollegin neu inspirieren soll.

Dauerhaft ist beim Fernsehen gar nichts. Alleine in Sachen Technik: Heutzutage kann man mit jedem iPhone perfekte Beiträge filmen – nur an der Schnittstelle für ein gutes Mikro hapert es noch.

Einarbeiten: Ich werde meinem Nachfolger alles zeigen und für einen harmonischen Übergang sorgen. Er bekommt auch mein Büro, ich selbst arbeite künftig hauptsächlich von zuhause aus. Wir suchen extern und haben enorm viele Bewerber. Das spricht für den Sender.

Frisur: Meine langen Haare waren in der Jugend immer ein Streitthema zwischen mir und meinem Vater. Vorgestern habe ich mit meiner 91-jährigen Mutter telefoniert und ihr erzählt, dass ich mal wieder zum Friseur muss. Und was sagt sie? „Aber lass sie dir nicht so kurz schneiden!“ Die Haare werden wohl immer ein Thema sein.

Gründung: Die spannendste war sicher die von ProSieben. Es war eine unglaubliche Aufbruchsstimmung und ich konnte mein Know-How aus Amerika umsetzen.

Hochgefühl: Einer der tollsten Erfolge war es, mit ProSieben eine Nachrichtensendung gegen die Tagesschau etablieren zu können. Das galt 1991 als echte Anmaßung. Belohnt habe ich mich, indem ich nach der ersten Sendung mit dem Rauchen aufgehört habe.

Insolvenz kann auch Gutes bedeuten. MünchenTV kam aus der Insolvenz. Als wir 2005 übernommen haben, konnten wir neu anfangen und schreiben seitdem schwarze Zahlen.

Jugend: Wenn man sich jung fühlt ist das etwas Schönes. Aber mit 60 ist man keine 30 mehr. Ich werde zum Beispiel keinen Marathon mehr laufen.

Konkurrenz: Der BR ist keine Konkurrenz, weil er ganz Bayern abdecken muss. Wer etwas über München wissen will, schaut MünchenTV. Ich bin für öffentlich-rechtliches Fernsehen – aber es ist komplett renovierungsbedürftig. Der BR bekommt 1,3 Milliarden Euro. Ich bin der Meinung, dass man mit 400 Millionen Euro einen der besten europäischen Fernsehsender hinstellen könnte. Zum Vergleich: Wir kommen mit einem einstelligen Millionenbetrag aus. Aber das ist keine Bewerbung für den BR. Ich arbeite definitiv nicht mehr als Chefredakteur.

Lügenpresse: Ein schlimmes Wort, das den in Deutschland vorhandenen Medien unrecht tut. Das Problem ist: In den Schulen kommt die Medienarbeit zu kurz. Wie verarbeite ich die Flut an Informationen? Woher kommen diese? Das muss dringend als Schulfach her. Stattdessen wechselt man fleißig zwischen G8 und G9, ohne dass man die Inhalte überdenkt.

Menschen in München: Ich bin froh, dass ich nicht von 100 auf 0 abbremsen muss. Wir haben geregelt, dass ich die Sendung bis zu meinem 65. Lebensjahr weitermache.

New York: Meine wichtigste Station, denn dort habe ich meine Frau kennengelernt und von da habe ich gewissermaßen meine älteste Tochter mitgebracht. Außerdem habe ich dort studiert und Dieter Kronzucker zugearbeitet.

Oberhaupt: Es braucht einen, der die Entscheidungen trifft. Aber erst nach ausführlicher Diskussion.

ProSieben: Daran habe ich sehr gute Erinnerungen – es war ein großer Erfolg. Es gab noch sehr, sehr viel Geld für TV-Produktionen. Deutschland war ein echtes Fernseh-Nirvana.

Qualität: Daran habe ich täglich gearbeitet – man erreicht nie eine Art oberes Ende.

Rotation: Wir produzieren vier Stunden täglich, die dann in Rotation gebracht werden. Das hat natürlich Kostengründe. Aber die Sendungen werden so auch von mehr Leuten gesehen, was auch für die Werbetreibenden Vorteile hat.

Schwabing: Ich liebe es und lebe dort. Da sind auch meine beiden jüngeren Töchter zur Welt gekommen. Ich schätze die attraktive Kabarett- und Kneipenszene sowie das nachbarschaftliche Miteinander. Natürlich verändert sich die Stadt. Aber nicht so, dass ich da nicht mehr leben wollen würde.

TV-Landschaft: Es gibt viel Mist. Aber aufgrund der Vielzahl der Sender auch zu jeder Stunde informative und unterhaltende Sendungen.

Umbruch: TV wird immer mehr im Internet stattfinden. Vielleicht heißt es bald gar nicht mehr Fernsehen.

Vater: Er war immer überzeugt, dass das, was er anpackt, auch gelingt. Das hat mich ein bisschen geprägt.

Wiesn: Unsere Übertragung von der Wiesn ist unser Filetstück und die erfolgreichste Sendung. Ich bin froh, dass ich Alex Onken damals dafür gewinnen konnte. Und Karin Obermaier hat heuer sofort super reingefunden und macht das klasse.

X-Mas: Eine wunderschöne Zeit. Am 24. gehen wir mit unseren drei Töchtern immer zum Franziskaner zum Weißwurstessen. Abends geht’s in die Kirche und danach kochen unsere Töchter. Das ist unser Ritual.

Youtube: Facebook, Instagram, Youtube – ich bin überzeugt, dass mein Nachfolger auf diesem Gebiet beschlagen sein muss. Hierfür neue Formate zu entwickeln wird eine seiner größten Aufgaben sein.

Zukunft: Ich will mein „Mehr“ an Zeit nutzen, um Dokumentationen zu drehen. Ideen habe ich schon, aber verraten wird nichts. Meine Frau arbeitet ja noch einige Jahre. Danach sieht sie sich zumindest in den kalten Wintermonaten in Florida am Strand liegen. Ganz den Rücken kehren werden wir München aber definitiv nicht.



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