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Frischluft, Windkraft und Tempo 30 ‒ Joachim Lorenz war der erste Umwelt- und Gesundheitsreferenten in München

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Von: Marie-Julie Hlawica

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Als einer der Ersten forderte 
Joachim Lorenz einst Tempo 30 auf Hauptstraßen und autofreie Innenstädte.
Als einer der Ersten forderte Joachim Lorenz einst Tempo 30 auf Hauptstraßen und autofreie Innenstädte. © Katrin Hildebrand

Joachim Lorenz, der Vorkämpfer für ein ökologisches München erzählt im Interview wieso er auch als Senior die Zukunft für künftige Generationen mitgestalten will.

Vor knapp 30 Jahren wurde mit Joachim Lorenz ein Urgestein der Grünen im Stadtrat zum ersten Umwelt- und Gesundheitsreferenten Münchens – und blieb es für 22 Jahre. „Ich fühlte mich sehr geehrt, konnte ich doch damit meine bisherige Arbeit auf kommunaler Ebene mit noch mehr Gestaltungsmöglichkeiten fortsetzen.“

Der Wahl-Münchner stand zudem zehn Jahre lang dem Umweltausschuss des Deutschen Städtetags vor, er war Aufsichtsrat bei den Stadtwerken München und dem Städtischen Klinikum. Heute kennt man den 71-Jährigen als Mitglied im BA Obergiesing-Fasangarten und Stiftungsratsmitglied der Petra-Kelly-Stiftung, die gerade ihr 25-jähriges Bestehen feiert.

Warum er nach all den Jahren politischer Arbeit weiter für Frischluft, Windkraft und Tempo 30 kämpft, was er für die Stadt erreicht hat und wieso er auch als Senior die Zukunft für künftige Generationen mitgestalten will, erklärt der Vater dreier erwachsener Töchter im Hallo-Interview.

Joachim Lorenz (71), erster Umweltreferent Münchens, von A bis Z

Apokalypse: Jetzt ist die letzte Chance zur Klimawende, bevor die Erderwärmung alles zerstört. München kann Vorbild sein. Echte Energiealternativen sind Windstrom und Windgas.

BA-Arbeit mache ich seit neun Jahren, weil ich dort meine politische Erfahrung weitergeben kann. Für junge Leute ist die Arbeit im BA mein Tipp, um in die Politik einzusteigen. So kann jeder in seinem unmittelbaren Umfeld politisch aktiv mitwirken.

Csampai Sabine, Sigi Benker und Hep Monatzeder – das sind politische Weggefährten aus den 80er-Jahren. Wir haben auch heute noch lose Kontakt, persönlich oder netzwerken über die sozialen Medien. Die Qualität und Kompetenz dieser drei politischen Münchner Kollegen möchte ich nicht missen! 

Dumm finde ich, wenn Politiker nicht sehen, dass unser Status Quo Veränderung braucht: sozial, ökonomisch wie ökologisch.

Energiewende braucht es dringend, damit auch zukünftige Generationen auf diesem Planeten leben können.

Frischluftschneise: Die nächtliche kalte Alpenluft hat nachweislich die Kraft, die Stadttemperatur um bis zu acht Grad abzukühlen, sodass die Temperatur im Süden Münchens in Sommernächten nicht über 20 Grad steigt. Man nennt das: alpines Pumpen. Deshalb muss das Hachinger Tal unbedingt freigehalten werden! Eine Klimaschutzkarte, die ich in meiner Amtszeit entworfen habe, zeigt, wie wichtig es für München ist.

Grün ist in München jetzt erstmals die stärkste Fraktion im Stadtrat und ich freue mich, sie im Hintergrund zu beraten.

Heimat ist für mich heute München, denn ich lebe seit 1973 im Fasangarten, meine drei Töchter sind hier geboren. Allerdings bin ich in Unterfranken geboren, dort bin ich noch im Beirat für zwei Windparkgesellschaften.

Initiative „Frischluftzufuhr München“ ist eine Gruppe von Bürgern, in der ich mich engagiere. Sie trifft sich regelmäßig, um das Klimagutachten für die Stadt weiter umzusetzen.

Jugend ist wichtig, weil es ihr Auftrag ist aufzubegehren, zu rebellieren. Es ist ihre Zukunft, die auf dem Spiel steht.

Kernkraft ist für mich nicht die Zukunft, um Energie zu gewinnen. Zwar sind noch viele Fragen ungelöst, aber die Entwicklung neuer Medien, um überschüssige Windkraft dauerhaft zu speichern, schreitet voran. Erneuerbare Energie wird bald günstig sein, sodass man neben Atomenergie auch auf fossile Brennstoffe verzichten kann. 

Lärmschutz: Es war und ist mein Anliegen, München und vor allem die Wohnbezirke an großen, dauerhaft befahrenen Straßen – etwa der Landshuter Allee – lebenswert für Menschen zu machen.

Mitbestimmung ist ein notwendiges, politisches Instrument, um die Münchner mitzunehmen. Sie müssen wissen, worum es geht, wenn wir Politiker etwa von Reduzierung der Abgase reden. Gut wäre, wenn wir öfter „einfache Sprache“ sprechen würden, um jeden mit ins Boot zu holen.

Notwendig: Damit München lebenswert bleibt, braucht es soziale und ökologische Transformationen. Neben der nötigen Energiewende der Stadt geht es um bezahlbaren Wohnraum, Mieter- und Bestandsschutz.

Optimist bin ich, weil ich nicht locker lasse, an der Zukunft dieser Stadt mitzuarbeiten, sie zu gestalten und das, was gut ist, zu erhalten. Und, um anderen den Hintern heiß zu machen, sich auch zu engagieren.

Patientenfürsprecher arbeiten ehrenamtlich ausschließlich für städtische Krankenhäuser und deren Patienten. Sie wurden von mir mit initiiert. Die 2017 – nach meiner Zeit – geschaffene Stelle eines städtischen Patientenbeauftragten ist zuständig für die stadtweite Koordinierung der Patienteninteressen in München. Das war eine Initiative des Stadtrats.

Qualvoll für Radler ist, dass es zu viele Radweglücken gibt, etwa am Giesinger Berg. Diese schrecken viele davon ab, überhaupt auf das Rad zu steigen. Meine Forderung vor Radautobahnen: erst einmal alle Lücken schließen!

Richtungsweisend möchte ich, dass man Ökologie mit Sozialem verbindet. Wenn etwa energetische Sanierung dazu führt, dass sich mancher nicht leisten kann, umweltbewusst zu leben, stimmt was nicht.

Stiftungsmitglied bin ich in der Petra-Kelly-Stiftung, einem den Grünen nahen Bildungswerk für Demokratie und Ökologie. Kelly, wichtig für die gesamte ökologische Bewegung, habe ich in den 80ern in Solln getroffen. Nach einem offiziellen Termin redeten wir bis spät in die Nacht. Es blieb leider das einzige persönliche Treffen.

Tempo 30 täte München gut. Wenn das sogenannte Straßenvorbehaltsnetz 50 Stundenkilometer festschreibt, der Rest auf 30 gedrosselt wird, dient das der Gesundheit. Es verringert Lärm und Kohlendioxid. Dann fahren in den 30er-Zonen zwar immer noch alle 40 – aber nicht mehr 70. 

Ungeahnt bin ich kürzlich am Starnberger See von einem Münchner wiedererkannt worden. Das freut mich! 

Vorbild war mein Vater als Meteorologe. Mich hat schon als Kind begeistert, ihm und seinen Kollegen bei den Wettervorhersagen zuzusehen. 

Windräder: Ich habe beide noch als Umweltreferent genehmigt – auch wenn das zweite sieben Jahre bis zur Aufstellung brauchte, was ich nicht verstehe. Die zwei sind für eine Millionenstadt zu wenig. Ich hoffe, die Idee setzt sich mit Bürgerbeteiligung durch.

X-Mal versucht habe ich als Referent an Münchner Mittelschulen Kinderärzte zu etablieren. Obwohl das Konzept stand, bin ich immer gescheitert. Immerhin: Die Zahnprophylaxe an Kindergärten wurde erreicht.

Yuccapalme: Sie stand früher in jeder Studentenbude, wie in meiner WG. Ich zog aus, sie blieb.

Ziele habe ich für meine zweite Heimat, Ligurien. Dort setze ich mich für eine gute Dorfgemeinschaft ein. Hier übe ich deshalb im Italienisch-Sprachkurs mit drei weiteren „Schülern“ in meinem Alter.

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